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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

Schätzungen zufolge sind in Österreich rd. 100.000 Arbeitnehmer in Großunternehmen und weitere 60.000 Arbeitnehmer in Klein- und Mittelbetrieben am Kapital ihrer Unternehmen beteiligt. Das entspricht rd. 6% der Beschäftigten. Österreich, das hinsichtlich der finanziellen Beteiligung vor wenigen Jahren noch eines der Schlusslichter Europas bildete, liegt damit im europäischen Vergleich im Mittelfeld.

 

In Österreich wurde dem Thema Mitarbeiterbeteiligung, vor allem der Beteiligung der Arbeitnehmer am Unternehmenskapital, erst im Zusammenhang mit der Mitte der 1990er Jahre stärker einsetzenden Privatisierung der staatlichen Industrien verstärkt Aufmerksamkeit geschenkt. Beispiele hierfür sind Post, Telekom, AUA, OMV, Voestalpine oder Flughafen Wien. Während vor dem Jahr 1993 Modelle der Mitarbeiterkapitalbeteiligung kaum zu finden waren, trat seit 1994 eine dynamischere Entwicklung ein. Ein wesentlicher Meilenstein war die Einführung von steuerlichen Begünstigungen im Jahr 2001. Dabei wurde das Einkommenssteuergesetz um den Vorteil der unentgeltlichen bzw. verbilligten Abgabe von Kapitalanteilen ergänzt.

 

 

Mitarbeiterbeteiligung wurde wirtschaftspolitisch lange Zeit nur in Ansätzen diskutiert und blieb sowohl von der nationalen Wirtschaftspolitik als auch der Wissenschaft ein kaum genutztes Instrument bzw. ein kaum erforschtes Feld. Vor diesem Hintergrund entschlossen sich die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) und die Bundesarbeitskammer (BAK), in einer gemeinsamen Studie das Thema Mitarbeiterbeteiligung zu untersuchen.1

Die meisten Systeme der Mitarbeiterbeteiligung beruhen auf Freiwilligkeit und finden sich bei größeren börsennotierten Aktiengesellschaften. Hier sind die gesellschafts- und steuerrechtlichen Rahmenbedingungen klar und eindeutig. Beteiligungsmodelle bei Gesellschaften mit beschränkter Haftung und Personengesellschaften sind in der Praxis kompliziert (Notariatsakt, Firmenbucheintragung, Mitunternehmerschaft etc.). Es gibt aber auch für diese Gesellschaften praktikable Modelle. So wurden in den letzten Jahren auch vermehrt Beteiligungsmodelle im KMU-Bereich realisiert.

 

 

Das Thema finanzielle Mitarbeiterbeteiligung war während der Wirtschafts- und Finanzkrise seit 2008 von weit weniger praktischer Relevanz als in der Zeit vor der Krise, als es noch darum ging, die Mitarbeiter an den Erfolgen der prosperierenden Unternehmen teilhaben zu lassen. Da in letzter Zeit auch keine neuen Börsengänge zu verzeichnen waren, hat es auch keine neuen Ansätze zur Mitarbeiterkapitalbeteiligung in Österreich gegeben.2 Aktuell wurde das Thema wieder im Nationalratswahlkampf 2013. Die Österreichische Volkspartei (ÖVP) forderte in ihrem Wahlprogramm, für Erfolgsbeteiligungssysteme die steuerlichen Anreizmodelle auszubauen.3

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.