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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

Laut einer Untersuchung der Arbeiterkammer Wien bietet rd. ein Viertel der Unternehmen zusätzlich zur Entlohnung eine Erfolgsbeteiligung in Form einer Prämie an, während 8% der Unternehmen ein Modell der Kapitalbeteiligung implementiert haben. Demnach verfügen rd. 34% der österreichischen Unternehmen über ein finanzielles Beteiligungssystem.

Die Sozialpartnerstudie der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und der Bundesarbeitskammer (BAK) kommt hinsichtlich des Verbreitungsgrades von Mitarbeiterbeteiligungsmodellen zu folgenden Ergebnissen:1


Tabelle 1: Verbreitung von Modellen der Mitarbeiterbeteiligung auf Basis der Unternehmensbefragung (Schwerpunkt KMU)

Mitarbeiterkapitalbeteiligung

8%

Keine Kapitalbeteiligung, aber Prämien

25%

Ausgabe von Stock Options

1%

Keine Mitarbeiterbeteiligung

67%

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Kronberger et al. 2007


Tabelle 2: Verbreitung von Mitarbeiterbeteiligungsmodellen auf Basis der Betriebsrätebefragung (Schwerpunkt große Kapitalgesellschaften, überwiegend aus dem Industriebereich)

Mitarbeiterkapitalbeteiligung

16%

Keine Kapitalbeteiligung, aber Prämien

33%

Ausgabe von Stock Options

3%

Keine Mitarbeiterbeteiligung

49%

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Kronberger et al. 2007


Überraschend ist, dass 16% der befragten Betriebsräte angaben, dass in ihrem Unternehmen ein Modell der Kapitalbeteiligung existiert. Die Befragung der Arbeitgeber ergab im Gegensatz dazu einen Verbreitungsgrad von lediglich 8%. Die unterschiedlichen Ergebnisse sind auf die voneinander abweichende Schwerpunktsetzung hinsichtlich der Unternehmensstichprobe zurückzuführen. Während sich die Befragung der Unternehmer insbesondere auf den KMU-Bereich bezog, kommen die befragten Betriebsräte vor allem aus größeren Kapitalgesellschaften.

Gemäß den Ergebnissen des European Working Conditions Survey aus dem Jahr 2010 beträgt die Verbreitung von Systemen der Gewinnbeteiligung in Unternehmen 8,9% und der Kapitalbeteiligung 1,9%.2 Damit liegt Österreich im europäischen Vergleich im Mittelfeld, aber unter dem EU-Durchschnitt. Den Ergebnissen des „European Company Survey“, einer Befragung von mehr als 27.000 Personalverantwortlichen in Europa aus dem Jahr 2009 zufolge bieten 8% der privaten Unternehmen in Österreich mit 10 oder mehr Beschäftigten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit einer Gewinnbeteiligung und lediglich 2% einer Kapitalbeteiligung an.3

Nach Ergebnissen der Cranet-Studie aus dem Jahr 2010, die einen eingeschränkten Fokus auf Betriebe mit mehr als 100 Mitarbeitern, in denen mindestens 50% der Belegschaft beteiligt werden, legt, beträgt der Verbreitungsgrad von Kapitalbeteiligungsmodellen 9,4%. Der Verbreitungsgrad von Gewinnbeteiligungsmodellen beläuft sich auf 48,4%.4 Im Vergleich mit den Ergebnissen von früheren Cranet-Erhebungen hat sich der Anteil an Mitarbeiterbeteiligungen in den letzten zehn Jahren deutlich erhöht.5 Dieser Umstand ist vor allem auf die eingeführten Steuererleichterungen im Bereich der Mitarbeiterbeteiligung zurückzuführen. Dank veränderter Rahmenbedingungen konnte die Bedeutung der Mitarbeiterbeteiligung in Österreich somit an Bedeutung gewinnen.

Mitarbeiterkapitalbeteiligungsmodelle werden zumeist der gesamten Belegschaft angeboten. Sie sind besonders bei Großunternehmen verbreitet, Systeme der Erfolgsbeteiligung dagegen auch bei GmbHs und Personengesellschaften. Gewinnbeteiligungsmodelle liegen häufig als Prämienmodelle vor, wobei die Prämienzahlung an betriebswirtschaftliche Kennziffern wie beispielsweise Umsatz, EBIT, Cashflow gekoppelt sind.

Kapitalbeteiligung

Der Verbreitungsgrad von Mitarbeiterkapitalbeteiligung wird auch in Österreich durch die Gesellschaftsform geprägt. Mit Blick auf die unterschiedlichen Gesellschaftsformen ist festzustellen, dass Mitarbeiterkapitalbeteiligungsmodelle am häufigsten bei an der Börse gelisteten Aktiengesellschaften (45%) und Genossenschaften, Stiftungen oder Vereinen (50%) vorzufinden sind. Bei nicht an der Börse notierten Aktiengesellschaften setzen 18% der Unternehmen Beteiligungsmodelle ein. 6% der Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) nutzen Beteiligungsmodelle. Im Bereich der Personengesellschaften (Offene Handelsgesellschaft, Offene Erwerbsgesellschaft, Kommanditgesellschaft, Kommanditerwerbsgesellschaft) werden Mitarbeiterbeteiligungsmodelle kaum bzw. gar nicht genutzt.

Mitarbeiterkapitalbeteiligungsmodelle finden sich am häufigsten in den Wirtschaftszweigen Banken/Sparkassen (55%), Information und Consulting (13%) und Industrie (11%).

Der relativ hohe Verbreitungsgrad der Kapitalbeteiligung bei den Aktiengesellschaften ist zum einen darauf zurückzuführen, dass sich die hohe Handelbarkeit (Fungibilität) von Aktien am besten für eine breite Beteiligung bei der Belegschaft eignet. Gleichzeitig haben zahlreiche private Unternehmen die positive Stimmung an der Wiener Börse im Zuge von Kapitalerhöhungen für Beteiligungssysteme genutzt. Zum anderen wurden im Zuge der (Teil-)Privatisierung von ehemaligen Staatsunternehmen in den letzten Jahren ein Teil der Aktien für die Belegschaft reserviert. Bei einer Reihe dieser Gesellschaften wurden Stiftungsmodelle entwickelt. Ein besonderes Beispiel ist der österreichische Stahlkonzern voestalpine AG mit weltweit über 40.000 Beschäftigten. Das Unternehmen hat im Jahr 2000 ein Mitarbeiterbeteiligungsmodell aufgelegt, das im Zuge des Verkaufs der österreichischen Staatsbeteiligung am voestalpine-Konzern (die zum damaligen Zeitpunkt rd. 39% betrug), unter intensiver Beteiligung der Interessenvertretungen im Konzern entwickelt wurde. Basis des Beteiligungsmodells ist das Konzept des „strategischen Eigentums“ der Belegschaft am eigenen Unternehmen. Das Beteiligungssystem wurde als Beitrag zur Stabilität der Eigentümerstruktur und damit als Beitrag zur langfristigen Entwicklung und Standortsicherung des Konzerns konzipiert. Die Stimmrechte der Beschäftigten werden in der voestalpine Mitarbeiterbeteiligung Privatstiftung langfristig gebündelt und treuhänderisch verwaltet. Die Stiftung ist zweitgrößter Einzelaktionär und in ihren Gremien durchgängig paritätisch mit Vertretern des Managements und des Betriebsrats besetzt. 13% der Aktien des Konzerns werden von der Belegschaft gehalten. Damit sollen unerwünschte Übernahmen des Konzerns erschwert bzw. im Vorhinein verhindert werden, da die in Österreich notwendige Mehrheit von mehr als 90 % der Anteile zur gänzlichen Einverleibung einer Aktiengesellschaft nicht erreicht werden kann (Die Squezze-Out-Grenze in Österreich beträgt 10%).6

Erfolgsbeteiligung

Die Erfolgsbeteiligung ist als vorherrschende Beteiligungsform insbesondere bei GmbHs vorzufinden. Ein solches Modell ist in rd. einem Drittel der GmbHs etabliert. Ein ähnlicher Anteil findet sich auch bei Aktiengesellschaften. Bei nicht öffentlich notierten Aktiengesellschaften hat nahezu die Hälfte der Gesellschaften ein Modell der Erfolgsbeteiligung. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, Prämien die im Rahmen der Erfolgsbeteiligung fällig werden, in Form einer Kapitalbeteiligung im Unternehmen anzulegen, statt sie bar auszubezahlen. In rd. 40% der Unternehmen werden entsprechende Umwandlungen vorgenommen.

Dem „European Company Survey zufolge steigt der Verbreitungsgrad der Erfolgsbeteiligung in Österreich mit zunehmender Unternehmensgröße stark an. Während lediglich rd. 7% der Unternehmen mit 10-49 Beschäftigten und 11% der Unternehmen mit 50-199 Mitarbeitern ein Modell der Erfolgsbeteiligung haben, beträgt der Verbreitungsgrad bezogen auf Unternehmen mit 200 und mehr Beschäftigten 30%.7

Stock Options

Im Rahmen der Ausgabe von Stock Options erhalten Begünstigte neben ihrem normalen Gehalt Aktienoptionen. Dieser Umstand ermöglicht es, Aktien zu einem heute fixierten Preis zu einem späteren Zeitpunkt zu erwerben. Stock-Option-Modelle sind typisch für die börsennotierten Gesellschaften, die für ihre leitenden Angestellten und Vorständen entsprechende Programme aufgelegt haben.

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.