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Gewerkschaften

In Österreich gibt es einen einzigen Gewerkschaftsbund, den ÖGB, dem 28 % aller Arbeitnehmer angehören. Der ÖGB ist zwar parteiunabhängig, hat aber durch sein System der politischen Fraktionen starke politische Bindungen.

 

 

Nach Angaben der Gewerkschaften gab es in Österreich 2011 1,2 Millionen Gewerkschaftsmitglieder1 , darunter circa ein Fünftel Pensionierte. In der ICTWSS Datenbank zur Anzahl der Gewerkschaftsmitglieder wird für Österreich ein gewerkschaftlicher Organisationsgrad von 27,8 % angegeben (Stand 2011)2 . Bei Arbeitern und bei Beschäftigten des öffentlichen Sektors ist der Anteil der Gewerkschaftsmitglieder höher als bei Angestellten.

 

 

Der einzige Gewerkschaftsbund in Österreich, der ÖGB, wurde 1945 gegründet, um die politische Spaltung zu überwinden, die vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten zwischen den Gewerkschaften bestand. Der ÖGB umfasst sieben Gewerkschaften.

 

 

Die fünf größten Gewerkschaften sind die GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten) mit 270.000 Mitgliedern, die GÖD (Gewerkschaft der Staatsbediensteten und einiger anderer Bediensteten des öffentlichen Sektors) mit 233.000 Mitgliedern, die PRO-GE, die aus dem Zusammenschluss der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung (GMTN) und der Gewerkschaft der Chemiearbeiter GdC hervorgegangen ist, mit 232.000 Mitgliedern, die GdG-KMSfB (Gewerkschaft der Gemeindebediensteten), die nach ihrem Zusammenschluss mit der Gewerkschaft Kultur und Sport 154.000 Mitglieder zählt, und Vida (Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft) mit 148.000 Mitgliedern.

 

 

Die Gründung der Gewerkschaft PRO-GE im November 2009, die aus der Fusion der GMTN und der GdC hervorgegangen ist, stellt die letzte einer Reihe von Gewerkschaftszusammenschlüssen der vergangenen Jahre dar. Im gleichen Jahr hatte sich die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten bereits mit der Gewerkschaft Kultur und Sport (KMSfB) zusammengeschlossen. 2006 war die Gewerkschaft Vida aus der Fusion von drei Gewerkschaften (EisenbahnerInnen, Hotel und Gastgewerbe und Transport und Verkehr) hervorgegangen, während die Gewerkschaft des Textilsektors und die Gewerkschaft des Nahrungsmittelsektors sich der Gewerkschaft der Metallarbeiter angeschlossen hatten (die nun zur PRO-GE gehört) und die Journalistengewerkschaft djp hatte mit der Gewerkschaft der Privatangestellten GPA fusioniert. Dadurch umfasst der ÖGB, dem 2004 noch 13 Einzelgewerkschaften angehörten, heute nur noch 7.

 

 

Der ÖGB hat seine einige seiner Strukturen reformiert, zum Teil als Reaktion auf die 2006 aufgetretenen finanziellen Schwierigkeiten bei der gewerkschaftseigenen Bank BAWAG. Der Gewerkschaftsbund, der die Bank aufgrund hoher Verluste verkaufen musste, wurde finanziell hart getroffen, und der Ruf des ÖGB insbesondere in Wirtschafts- und Finanzfragen hat etwas Schaden gelitten.

 

 

Der ÖGB selbst ist an keine Partei gebunden, aber pflegt über seine politischen Fraktionen, die in der Gewerkschaftsstruktur über formelle Rechte verfügen, enge Beziehungen zu den Parteien. Die größte Fraktion, die FSG, hat enge Verbindungen zur sozialdemokratischen Partei (SPÖ), aber es gibt auch eine mächtige christliche Fraktion, die FCG. Diese Fraktion ist im öffentlichen Sektor stark vertreten und mit der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) verbunden. Einer der Vizepräsidenten des ÖGB ist gleichzeitig Vorsitzender der FCG, und der Präsident der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) übt zugleich eine leitende Funktion in der FCG aus.

 

 

Die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder in Österreich ist in den letzten Jahren jährlich um rund 1,0 % gesunken. Die Schwierigkeiten bei der BAWAG führten jedoch laut Bericht des ÖGB an den Bundeskongress 2009 zu einem „enormen Mitgliederverlust“ – im Jahr 2006 hatte der Gewerkschaftsbund 63.000 bzw. 5 % seiner Mitglieder verloren. Bis 2008 hatte sich die Zahl der Mitglieder mehr oder weniger stabilisiert, und zwischen 2008 und 2011 sank die Mitgliederzahl um 2,6 %. Heute besteht eine der wichtigsten Prioritäten des ÖGB darin, neue Mitglieder zu rekrutieren.

L. Fulton (2013) Arbeitnehmervertretung in Europa. Labour Research Department und ETUI. Erstellt mit Unterstützung des SEEurope Netzwerks. Online-Publikation, verfügbar unter http://de.worker-participation.eu.