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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

Die finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Bulgarien ist hauptsächlich aus dem Privatisierungsprozess hervorgegangen, der ab 1990 stattfand. Die wichtigsten Formen der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung haben sich im Zuge der Massenprivatisierungen und der Privatisierungen nach der „MEBO“-Methode (Management Employee Buy-out) entwickelt. Erfolgsbeteiligungssysteme als eine Form der finanziellen Beteiligung sind in der Praxis eher selten. Genossenschaften, die früher in Bulgarien weit verbreitet waren, machen derzeit nur noch rund 1 % aller eingetragenen Gesellschaften aus.

Die wichtigste Form der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung in Bulgarien ist die Kapitalbeteiligung. In der bulgarischen Wirtschaft hat sich dieses Konzept seit Beginn der 1980er Jahre langsam entwickelt. Doch erst mit der politischen Wende im Jahr 1989 wurde in Bulgarien die Privatisierung der staatlichen Betriebe eingeleitet und die Kapitalbeteiligung von Mitarbeitern ausgebaut.1 Dabei wurden hauptsächlich zwei Verfahren angewendet: Ab 1994 und bis 2002 wurden Privatisierungen nach der MEBO-Methode durchgeführt, und ab 1996 begannen Massenprivatisierungsprogramme, die im Jahr 2002 endeten, als die Gültigkeit der letzten Privatisierungsgutscheine ablief.2

Je nachdem, welche Privatisierungsform angewandt wurde, bestanden verschiedene Möglichkeiten für die finanzielle Beteiligung der Arbeitnehmer. In den meisten Fällen konnten Angestellte und Arbeiter (einschließlich ehemaliger Mitarbeiter) eines Unternehmens bei einer Privatisierung bis zu 20% der Unternehmensanteile zu Vorzugspreisen erwerben. Bei all diesen Privatisierungen blieben die Angestellten und Arbeiter Minderheitsaktionäre. Im Rahmen der Massenprivatisierungen konnten die Beschäftigten Aktien ihres Unternehmens mit Gutscheinen kaufen, die sie für einen geringen Betrag erworben hatten. Auch aus diesen Privatisierungen gingen die Arbeitnehmer als Minderheitsaktionäre hervor.3 Gewerkschaften haben sich stark am Privatisierungsprozess beteiligt, sie haben in mehreren Fällen als Investoren und Manager des Unternehmens fungiert Am Ende des Privatisierungsprozesses nahmen die Macht und der Einfluss der Gewerkschaften jedoch dramatisch ab.4

Heute sind Aktienbeteiligungen in Bulgarien nicht weit verbreitet. Hauptsächlich internationale Unternehmen, die in Bulgarien tätig sind, praktizieren Beteiligungsmodelle.5 Hierbei werden Beteiligungen insbesondere an führende Angestellte ausgegeben. In weiten Teil der bulgarischen Wirtschaft sind breit angelegte Formen der Mitarbeiterbeteiligung jedoch unbekannt oder werden nicht angewendet.6

Genossenschaften, die eine besondere Form der Mitarbeiterbeteiligung darstellen, haben in Bulgarien eine lange Tradition. Mit dem Ende der kommunistischen Ära brachen schwierige Zeiten für Genossenschaften an. Eine Ausnahme bilden Agrargenossenschaften, die heute die wichtigste Unternehmensform in der Landwirtschaft darstellen.

Erfolgsbeteiligungsmodelle spielen keine wichtige Rolle in der bulgarischen Wirtschaft. Dies liegt daran, dass es keine steuerlichen Anreize gibt, aber auch an organisatorischen Aspekten. Stattdessen haben privatwirtschaftliche und öffentliche Unternehmen damit begonnen andere monetäre Anreizsysteme wie Monats- und Jahresprämien einzuführen.7

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.