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Tarifverhandlungen

Das dänische System der Arbeitsbeziehungen beruht zum großen Teil auf Verhandlungen, die auf nationaler Ebene geführt werden. Lohn- und Arbeitsbedingungen werden zwischen Gewerkschaften oder “Gewerkschaftskartellen” und Arbeitgebern auf Branchenebene verhandelt. Ergänzende Verhandlungen auf betrieblicher Ebene gewinnen jedoch zunehmend an Bedeutung. Insgesamt sind 80 % der abhängig Beschäftigten tarifvertraglich abgesichert.

Tarifverhandlungen finden in Dänemark innerhalb einer klar festgelegten Struktur statt. Auf der höchsten Ebene werden Rahmenvereinbarungen zwischen dem Gewerkschaftsbund LO und dem dänischen Arbeitgeberverband DA abgeschlossen. Diese Vereinbarungen beinhalten Vorschriften für Angelegenheiten, die in zahlreichen anderen Ländern gesetzlich geregelt sind. Die wichtigste Vereinbarung auf dieser Ebene ist das allgemeine Abkommen, welches das Vereinigungsrecht und die Rechte in Bezug auf Kündigungsschutz und Arbeitskonflikte regelt. Auch die Kooperationsvereinbarung (siehe unten), die 1947 in Kraft trat und seither mehrmals überarbeitet worden ist, wurde auf dieser Ebene unterzeichnet.

 

Tarifvereinbarungen über Löhne und Arbeitsbedingungen, die in den 60er und 70er Jahren auch überwiegend auf dieser nationalen Ebene abgeschlossen wurden, werden nun auf Branchenebene unterzeichnet. In den meisten Fällen lassen diese Branchenvereinbarungen weitere Verhandlungen auf betrieblicher Ebene zu, insbesondere über Löhne.

 

In einem vor der Verhandlungsrunde im Privatsektor 2014 herausgegebenen Informationsblatt unterscheidet das Forschungszentrum für Arbeitsbeziehungen der Universität Kopenhagen FAOS zwischen zwei wichtigen Gruppen von Vereinbarungen, über die verhandelt wird. In der einen, mit Abstand größten, Gruppe, die rund 85% der Beschäftigten der LO-Gewerkschaften im Privatsektor erfasst, wird der Lohn durch lokale Verhandlungen auf Unternehmensebene festgesetzt. Die Branchenvereinbarungen beschränken sich auf andere Bedingungen und legen in manchen, aber nicht in allen Sektoren einen Grundlohn fest – der nur in sehr seltenen Fällen zur Anwendung kommt. Der wichtigste Abschluss in der Produktion und die Vereinbarungen im Einzelhandel und im Finanzsektor gehören in diese Gruppe. Die übrigen 15% der Branchenvereinbarungen, zu denen die des Verkehrssektors und des Nahrungsmittelsektors gehören, regeln die allgemeinen Bedingungen, einschließlich der Löhne, die dann lokal umgesetzt werden.[1]

 

Im öffentlichen Sektor werden die wichtigsten Tarifverträge ebenfalls zwischen Gewerkschaftskartellen und Arbeitgebern (Staatsverwaltung und Verbände der Regional- und Kommunalverwaltungen) abgeschlossen. Hier sind die zentralen Vereinbarungen für die Lohnfestsetzung ganz wesentlich, auch wenn seit den späten 90er Jahren ein kleiner Teil der Vergütung der Angestellten des öffentlichen Dienstes auch lokal ausgehandelt wird.

 

Dänemark weist insgesamt einen hohen tarifvertraglichen Deckungsgrad auf. Laut einer 2010 veröffentlichten Studie, die sich auf Material des dänischen Amtes für Statistik und des Arbeitgeberverbands DA stützt, waren im Jahr 2007 71 % der Arbeitnehmer der Privatwirtschaft und 100 % aller Beschäftigten im öffentlichen Sektor durch Tarifvereinbarungen abgesichert. Der durchschnittliche Deckungsgrad lag demnach bei 80 %.[2]

 

Das endgültige Ergebnis der Verhandlungen wird außerdem dadurch beeinflusst, dass häufig der amtliche, von der Regierung benannte Schlichter angerufen wird, um Konflikte zu lösen.

 

Wer verhandelt und wann?

 

Die Haupttarifparteien für Rahmenabkommen auf nationaler Ebene, in denen die Rechte und Pflichten beider Seiten festgelegt werden, sind der LO und der dänische Arbeitgeberverband DA. Tarifverträge auf Branchenebene, die sich mit Arbeitsentgelt und Arbeitsbedingungen befassen, werden zwischen den Arbeitgeberverbänden und den Gewerkschaften oder „Gewerkschaftskartellen“ – Zusammenschlüssen der Gewerkschaften für die einzelnen Wirtschaftszweige – abgeschlossen, z.B. in der verarbeitenden Industrie, im Sektor Druck und Medien und so weiter. Auf Betriebsebene werden die Verhandlungen zwischen den Gewerkschaftsvertretern und der Geschäftsleitung geführt.

 

Für die Verhandlung von Tarifverträgen gilt ein sehr strenger Zeitplan, wobei die Verhandlungen zwischen dem Gewerkschaftskartell CO-industri und dem Arbeitgeberverband DI für die große Mehrheit der verarbeitenden Industrie den Startschuss geben.

 

Tarifverträge gelten in der Regel mehrere Jahre, normalerweise zwei oder drei Jahre. Die jüngsten Abschlüsse von Anfang 2014 haben eine Laufzeit von drei Jahren.

 

Im Privatsektor beginnen die meisten Vereinbarungen im März.

 

Gegenstand der Verhandlungen

 

Wie bereits erwähnt, decken die Verhandlungen in Dänemark Angelegenheiten ab, die in anderen Ländern häufig gesetzlich geregelt sind. Seit den späten achtziger Jahren wird über Themen wie Renten, verstärkte Flexibilität bei der Arbeitszeit – durch Rahmenabkommen für lokale Vereinbarungen – und gemeinsame Fonds für Schwangerschaftsurlaub und Ausbildung auf Branchenebene verhandelt. Wie bereits dargestellt, werden für die überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft nur die Mindestlohnsätze auf Branchenebene beschlossen, und der Effektivlohn hängt von Verhandlungen im Unternehmen und Betrieb ab. Dies ist im öffentlichen Dienst wesentlich seltener der Fall.

 

In Dänemark gibt es keinen einheitlichen nationalen Mindestlohn.

[1] Hovedforhandlingsområder og -forhandlere i den private sektor 2014, FAOS, 3 December 2013  http://faos.ku.dk/pdf/temasider/ok/Hovedforhandlingsomr_der_2014.pdf

[2] Udviklingen i den faglige organisering: årsager og konsekvenser for den danske model, von Jesper Due und Jørgen Steen Madsen. 2010, LO-dokumentation 1/2010.

L. Fulton (2015) Worker representation in Europe. Labour Research Department and ETUI. Produced with the assistance of the SEEurope Network, online publication available at http://www.worker-participation.eu/National-Industrial-Relations.