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Tarifverhandlungen

Das dänische System der Arbeitsbeziehungen beruht zum großen Teil auf Verhandlungen, die auf nationaler Ebene geführt werden. Lohn- und Arbeitsbedingungen werden zwischen Gewerkschaften oder “Gewerkschaftskartellen” und Arbeitgebern auf Branchenebene verhandelt. Ergänzende Verhandlungen auf betrieblicher Ebene gewinnen jedoch zunehmend an Bedeutung. Insgesamt sind 80 % der abhängig Beschäftigten tarifvertraglich abgesichert.

 

 

Der Rahmen

 

 

Tarifverhandlungen finden in Dänemark innerhalb einer klar festgelegten Struktur statt. Auf der höchsten Ebene werden Rahmenvereinbarungen zwischen dem Gewerkschaftsbund LO und dem dänischen Arbeitgeberverband DA abgeschlossen. Diese Vereinbarungen beinhalten Vorschriften für Angelegenheiten, die in zahlreichen anderen Ländern gesetzlich geregelt sind. Die wichtigste Vereinbarung auf dieser Ebene ist das allgemeine Abkommen, welches das Vereinigungsrecht und die Rechte in Bezug auf Kündigungsschutz und Arbeitskonflikte regelt. Aber auch die Kooperationsvereinbarung (siehe unten), die 1947 in Kraft trat und seither mehrmals überarbeitet worden ist, wurde auf dieser Ebene unterzeichnet.

 

 

Tarifvereinbarungen über Löhne und Arbeitsbedingungen, die in den 60er und 70er Jahren auch überwiegend auf dieser nationalen Ebene abgeschlossen wurden, werden nun auf Branchenebene unterzeichnet. Diese Branchenvereinbarungen lassen weitere Verhandlungen auf betrieblicher Ebene zu, deren Bedeutung in den letzten Jahren gewachsen ist. Dies wird deutlich durch die Tatsache, dass das Einkommen nur für 17% aller Beschäftigten in der Privatwirtschaft ausschließlich durch Verhandlungen auf Branchenebene festgelegt wird.

 

 

Im öffentlichen Sektor werden die wichtigsten Tarifverträge ebenfalls zwischen Gewerkschaftskartellen und Arbeitgebern (Staatsverwaltung und Verbände der Regional- und Kommunalverwaltungen) abgeschlossen. Seit den späten 90er Jahren wird ein kleiner Teil der Vergütung der Angestellten des öffentlichen Dienstes auch lokal ausgehandelt.

 

 

Dänemark weist folglich einen hohen tarifvertraglichen Deckungsgrad auf. Laut einer 2010 veröffentlichten Studie, die sich auf Material des dänischen Amtes für Statistik und des Arbeitgeberverbands DA stützt, waren im Jahr 2007 71 % der Arbeitnehmer der Privatwirtschaft und 100 % aller Beschäftigten im öffentlichen Sektor durch Tarifvereinbarungen abgesichert. Der durchschnittliche Deckungsgrad lag demnach bei 80 %.1

Das endgültige Ergebnis der Verhandlungen wird außerdem dadurch beeinflusst, dass häufig der amtliche, von der Regierung benannte Schlichter angerufen wird, um Konflikte zu lösen.

 

Wer verhandelt und wann?

 

 

Die Haupttarifparteien für Rahmenabkommen auf nationaler Ebene, in denen die Rechte und Pflichten beider Seiten festgelegt werden, sind der LO und der dänische Arbeitgeberverband DA. Tarifverträge auf Branchenebene, die sich mit Arbeitsentgelt und Arbeitsbedingungen befassen, werden zwischen den Arbeitgeberverbänden und den Gewerkschaften oder „Gewerkschaftskartellen“ – Zusammenschlüssen der Gewerkschaften für die einzelnen Wirtschaftszweige – abgeschlossen, z.B. in der verarbeitenden Industrie, im Sektor Druck und Medien und so weiter. Auf Betriebsebene werden die Verhandlungen zwischen den Gewerkschaftsvertretern und der Geschäftsleitung geführt.

 

 

Tarifverträge gelten in der Regel mehrere Jahre, früher waren es zwei Jahre, in letzter Zeit sind es drei Jahre.

 

 

Im Privatsektor gelten die meisten Vereinbarungen ab März.

 

 

Gegenstand der Verhandlungen

 

 

Wie bereits erwähnt, decken die Verhandlungen in Dänemark Angelegenheiten ab, die in anderen Ländern häufig gesetzlich geregelt sind. Seit den späten achtziger Jahren wird über Themen wie Renten, verstärkte Flexibilität bei der Arbeitszeit – durch Rahmenabkommen für lokale Vereinbarungen – und gemeinsame Fonds für Schwangerschaftsurlaub und Ausbildung auf Branchenebene verhandelt. Für die überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft werden nur die Mindestlohnsätze auf Branchenebene beschlossen, und der Effektivlohn hängt von Verhandlungen im Unternehmen und Betrieb ab.

 

 

In Dänemark gibt es keinen einheitlichen nationalen Mindestlohn.

 

L. Fulton (2013) Arbeitnehmervertretung in Europa. Labour Research Department und ETUI. Erstellt mit Unterstützung des SEEurope Netzwerks. Online-Publikation, verfügbar unter http://de.worker-participation.eu.