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Gewerkschaften

Dänemark hat mit 67 % einen hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad, auch wenn er in den letzten Jahren gesunken ist. Die meisten Gewerkschaftsmitglieder gehören Gewerkschaften an, die den drei großen Gewerkschaftsbünden – LO, FTF und AC – angeschlossen sind. Diese sind nach Kriterien wie Berufen und Ausbildungsniveau organisiert, aber die Grenzen zwischen ihnen sind nicht immer eindeutig.

 

 

In Dänemark gibt es 2,05 Millionen Gewerkschaftsmitglieder.1 Bei einer Erwerbsbevölkerung von 2,6 Millionen (selbständig Tätige nicht inbegriffen) entspricht dies einem gewerkschaftlichen Organisationsgrad von fast 80 % bzw. etwas weniger, wenn man die Gewerkschaftsmitglieder im Ruhestand berücksichtigt. Eine neuere Studie des größten Gewerkschaftsbunds schätzt den gewerkschaftlichen Organisationsgrad im Jahr 2010 auf 67 %,2 und in der ICTWSS Datenbank zur Anzahl der Gewerkschaftsmitglieder wird für Dänemark ein gewerkschaftlicher Organisationsgrad von 68,5 % angegeben (Stand 2010).3 Ein Grund für diese hohe Mitgliederzahl könnte darin bestehen, dass die Gewerkschaften an der Auszahlung des Arbeitslosengelds beteiligt sind, aber dies ist mit Sicherheit nicht der einzige Grund.

Der mit Abstand größte dänische Gewerkschaftsbund ist LO. Seine Mitgliedsgewerkschaften zählen 1.222.800 Mitglieder und organisieren sowohl Arbeiter als auch Angestellte. Dem zweitgrößten Gewerkschaftsbund FTF gehören 352.800 Mitglieder an. Ihm gehören überwiegend Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes an wie die Beamten-, Lehrer- und Krankenpflegergewerkschaften, aber auch einige Gewerkschaften, die Angestellte privater Unternehmen vor allem des Bank- und Finanzsektors organisieren. Der drittgrößte Gewerkschaftsbund AC mit 141.800 Mitgliedern (bzw. 218.600, wenn man auch Studierende und andere nicht erwerbstätige Mitglieder hinzuzählt) organisiert Akademiker des öffentlichen und privaten Sektors. AC hat 2008 durch den Austritt seiner größten Mitgliedsgewerkschaft, der Dänischen Ingenieursgewerkschaft IDA, 43.500 Mitglieder verloren.

 

 

Trotz eines gewissen Wettbewerbs um Mitglieder bestehen zwischen diesen drei Gewerkschaftsbünden im Allgemeinen gute Beziehungen, und im April 2006 haben LO und FTF eine neue Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, die eine Schlichtung bei Konflikten in Fragen der Mitgliedschaft vorsieht.

 

 

Neben diesen drei großen Gewerkschaftsbünden gibt es eine Reihe von bedeutenden Gewerkschaftsorganisationen, die insgesamt 353.600 Mitglieder umfassen. Dazu zählen neben IDA mit 52.400 Mitgliedern (2012) die christliche Gewerkschaft KF mit 131.100 Mitgliedern und der Gewerkschaftsverband der Führungskräfte LH mit 90.700 Mitgliedern.

 

 

LO, FTF und AC umfassen eine große Anzahl von Einzelgewerkschaften.

 

 

Viele der LO-Gewerkschaften sind vergleichsweise kleine Fachgewerkschaften, es gibt aber auch solche mit einer hohen Mitgliederzahl, wie die Gewerkschaft HK (Verkäufer und Büroangestellte) mit 290.300 Mitgliedern, die FOA (öffentlicher Dienst) mit 201.000 Mitgliedern und die Dansk Metal (Metallarbeiter) mit 118.600 Mitgliedern. Die größte LO-Mitgliedsgewerkschaft 3F ist im Januar 2005 aus dem Zusammenschluss der allgemeinen Arbeitergewerkschaft SID und der Arbeiterinnengewerkschaft KAD hervorgegangen. Die Gewerkschaft 3F zählt 344.400 Mitglieder. Insgesamt ist die gewerkschaftliche Struktur komplex durch ihre Mischung aus Berufs-, Branchen- und Allgemeingewerkschaften. Es wird versucht, den Wettbewerb um Mitglieder durch Abgrenzungsabkommen zu beschränken, aber in einigen Bereichen findet er trotzdem statt.

 

 

Die Mitgliedsgewerkschaften des FTF und des AC sind nach Branchen oder Berufen organisiert. Die größten Mitgliedsgewerkschaften des FTF sind die Lehrergewerkschaft mit 63.300 Mitgliedern, die Gewerkschaft für Personal in Kinderbetreuungseinrichtungen (BUPL mit 53.100 Mitgliedern), die Gewerkschaft der Krankenpfleger (52.700) sowie die Gewerkschaft des Finanzsektors (45.400). Die größten AC-Gewerkschaften sind der Verband der Rechtsanwälte und Wirtschaftler mit 46.400 Mitgliedern und die Akademikergewerkschaft Dansk Magisterforening (DM), die 27.400 Mitglieder zählt.

 

 

Die Einzelgewerkschaften sind zwar unabhängig, aber die Dachverbände und vor allem der LO spielen eine äußerst wichtige Rolle bei der Verhandlung der Rahmenvereinbarungen, die das dänische System gestaltet haben.

 

 

In der Vergangenheit stand der LO der dänischen sozialdemokratischen Partei nahe, und bis 1995 waren beide jeweils im Vorstand des anderen vertreten. Die letzten Verbindungen mit den Sozialdemokraten wurden jedoch bei einem Sonderkongress im Februar 2003 abgebrochen, als der LO beschloss, die Partei nicht länger finanziell zu unterstützen. FTF und AC machen geltend, dass sie völlig unabhängig von politischen Parteien sind.

 

 

Der Anteil der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer ist im Vergleich zu anderen Ländern zwar immer noch hoch, aber hat in den letzten Jahren abgenommen. Schätzungen der jüngsten LO-Studie zufolge ist der gewerkschaftliche Organisationsgrad seit 2000 von 72 auf 67 % gefallen.4 Aus den Angaben des dänischen Amtes für Statistik geht hervor, dass die Gesamtzahl der Gewerkschaftsmitglieder zwischen 2000 und 2012 leicht, von 2,16 auf 2,05 Millionen gefallen ist, während die Zahl der Beschäftigten zunächst zugenommen und dann wieder leicht abgenommen hat. Gleichzeitig sind bei der Mitgliedschaft Verlagerungen zwischen den wichtigsten Gewerkschaftsbünden zu beobachten, welche zum Teil die Veränderungen am Arbeitsmarkt reflektieren. So konnten FTF und AC, die höher qualifizierte Arbeitnehmer organisieren, die Zahl ihrer Mitglieder erhöhen, während der LO Mitglieder verloren hat, und die Gewerkschaften, die keinem der großen Gewerkschaftsbünde angeschlossen sind, verzeichneten einen noch größeren Zuwachs.

 

 

Zwischen 2000 und 2012 hat sich die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder wie folgt entwickelt (alle Angaben stammen vom dänischen Amt für Statistik): Der LO verzeichnete einen Rückgang von 1.458.700 auf 1.222.800, der FTF einen Anstieg von 350.300 auf 352.800; die Zahl der Mitglieder des AC fiel von 150.060 auf 141.800, wobei die Verluste durch den Austritt der Gewerkschaft IDA teilweise durch neue Mitglieder in anderen Gewerkschaften kompensiert wurden; der Gewerkschaftsverband für Führungskräfte LH konnte die Zahl seiner Mitglieder von 79.800 auf 90.700 erhöhen, und die übrigen Gewerkschaften, zu denen nun auch IDA mit 48.800 Mitgliedern zählt, verzeichneten einen Anstieg von 122.800 auf 344.400. Der LO strebt einen Zusammenschluss der drei Gewerkschaftsbünde an, der kurzfristig allerdings kaum zustande kommen dürfte. Der LO ist auch besorgt über die steigende Mitgliederzahl der Gewerkschaften, die keinem der großen Gewerkschaftsbünde angehören und meist geringere Beiträge von ihren Mitgliedern erheben.

 

 

Der Rückgang der Mitgliederzahlen in den letzten Jahren ist in gewissem Umfang mit einem ähnlichen Mitgliederrückgang bei den Arbeitslosenkassen verbunden, die traditionell von den Gewerkschaften verwaltet werden. Die Zahl der Mitglieder dieser Kassen ist zwischen 2000 und 2010 von 2,38 auf 2,07 Millionen gesunken. Es ist zwar möglich, sich einer Arbeitslosenkasse anzuschließen, ohne Mitglied einer Gewerkschaft zu sein, aber für die meisten geht das eine mit dem anderen einher.

 

 

Die Gewerkschaften beobachten diese Entwicklung mit Sorge und haben Kampagnen organisiert, um insbesondere bei jungen Menschen und Wanderarbeitnehmern neue Mitglieder zu werben.

L. Fulton (2013) Arbeitnehmervertretung in Europa. Labour Research Department und ETUI. Erstellt mit Unterstützung des SEEurope Netzwerks. Online-Publikation, verfügbar unter http://de.worker-participation.eu.