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Gewerkschaften

Dänemark hat mit 67 % einen hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad, auch wenn er in den letzten Jahren gesunken ist. Die meisten Gewerkschaftsmitglieder gehören Gewerkschaften an, die den drei großen Gewerkschaftsbünden – LO, FTF und Akademikerne (dem früheren AC) – angeschlossen sind. Diese sind nach Kriterien wie Berufen und Ausbildungsniveau organisiert, aber die Grenzen zwischen ihnen sind nicht immer eindeutig.

In Dänemark gibt es 2,05 Millionen Gewerkschaftsmitglieder[1]. Bei einer Erwerbsbevölkerung von 2,6 Millionen (selbständig Tätige nicht inbegriffen) entspricht dies einem gewerkschaftlichen Organisationsgrad von fast 80 % bzw. etwas weniger, wenn man die Gewerkschaftsmitglieder im Ruhestand berücksichtigt. Eine neuere Studie des größten Gewerkschaftsbunds schätzt den gewerkschaftlichen Organisationsgrad im Jahr 2010 auf 67 %[2], und in der ICTWSS Datenbank zur Anzahl der Gewerkschaftsmitglieder wird für Dänemark für dasselbe Jahr ein gewerkschaftlicher Organisationsgrad von 68,5 % angegeben[3]. Ein Grund für diese hohe Mitgliederzahl könnte darin bestehen, dass die Gewerkschaften an der Auszahlung des Arbeitslosengelds beteiligt sind, aber dies ist mit Sicherheit nicht der einzige Grund.

 

Der mit Abstand größte dänische Gewerkschaftsbund ist LO. Seine Mitgliedsgewerkschaften zählen 1.074.741 Mitglieder (Stand Ende 2013), wobei sich diese Zahl auf 866.950 verringert, wenn nur aktive Beschäftigte gezählt werden[4]. Die LO Gewerkschaften organisieren sowohl Arbeiter als auch Angestellte. Dem zweitgrößten Gewerkschaftsbund FTF gehören 346.340 Mitglieder an. Ihm gehören überwiegend Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes an wie die Beamten-, Lehrer- und Krankenpflegergewerkschaften, aber auch einige Gewerkschaften, die Angestellte privater Unternehmen vor allem des Bank- und Finanzsektors organisieren. Der drittgrößte Gewerkschaftsbund Akademikerne mit 203.449 Mitgliedern (bzw. 324.940, wenn man auch Studierende und andere nicht erwerbstätige Mitglieder hinzuzählt) [5] organisiert Akademiker des öffentlichen und privaten Sektors. Seine Mitgliederzahlen sind sprunghaft angestiegen, als die Dänische Ingenieursgewerkschaft IDA mit 54.461 Mitgliedern (88.747 zählt man Studenten und andere hinzu) sich nach fünf Jahren Auszeit dem Gewerkschaftsbund wieder angeschlossen hat.

 

Trotz eines gewissen Wettbewerbs um Mitglieder bestehen zwischen diesen drei Gewerkschaftsbünden im Allgemeinen gute Beziehungen, und es bestehen Aussichten auf noch engere Beziehungen, einschließlich der Möglichkeit eines Zusammenschlusses von LO und FTF (s. unten).

 

Neben diesen drei großen Gewerkschaftsbünden gibt es eine Reihe von bedeutenden Gewerkschaftsorganisationen, die insgesamt 386.357 Mitglieder umfassen. Die größte ist die christliche Gewerkschaft KF mit 112.721 Mitgliedern, gefolgt von dem Gewerkschaftsverband der Führungskräfte LH (Lederne) mit 96.503 Mitgliedern.

 

LO, FTF und Akademikerne setzen sich aus einer großen Anzahl von Einzelgewerkschaften zusammen.

 

Viele der 17 LO-Gewerkschaften sind vergleichsweise kleine Fachgewerkschaften, es gibt aber auch solche mit einer hohen Mitgliederzahl, wie die Gewerkschaft HK (Verkäufer und Büroangestellte) mit 199.726 Mitgliedern, die FOA (öffentlicher Dienst) mit 166.204 Mitgliedern und die Dansk Metal (Metallarbeiter) mit 83.454 Mitgliedern. Die größte LO-Mitgliedsgewerkschaft 3F ist eine allgemeine Arbeitergewerkschaft und zählt 264.571 Mitglieder. Insgesamt ist die gewerkschaftliche Struktur komplex durch ihre Mischung aus Berufs-, Branchen- und Allgemeingewerkschaften. Es wird versucht, den Wettbewerb um Mitglieder durch Abgrenzungsabkommen zu beschränken, aber in einigen Bereichen findet er trotzdem statt.

 

Die Mitgliedsgewerkschaften von FTF und Akademikerne sind nach Branchen oder Berufen organisiert. Die größten Mitgliedsgewerkschaften des FTF sind die Lehrergewerkschaft mit 60.845 Mitgliedern, die Gewerkschaft der Krankenpfleger (53.899), die Gewerkschaft für Personal in Kinderbetreuungseinrichtungen (BUPL) mit 51.927 Mitgliedern sowie die Gewerkschaft des Finanzsektors (42.173). Die größten Mitgliedsgewerkschaften von Akademikerne sind der Verband der Rechtsanwälte und Wirtschaftler mit 50.004 Mitgliedern und die Akademikergewerkschaft Dansk Magisterforening (DM), die 28.031 Mitglieder zählt.

 

Die Einzelgewerkschaften sind zwar unabhängig, aber die Dachverbände und vor allem der LO spielen eine äußerst wichtige Rolle bei der Verhandlung der Rahmenvereinbarungen, die das dänische System gestaltet haben.

 

In der Vergangenheit stand der LO der dänischen sozialdemokratischen Partei nahe, und bis 1995 waren beide jeweils im Vorstand des anderen vertreten. Die letzten Verbindungen mit den Sozialdemokraten wurden jedoch bei einem Sonderkongress im Februar 2003 abgebrochen, als der LO beschloss, die Partei nicht länger finanziell zu unterstützen. FTF und Akademikerne machen geltend, dass sie völlig unabhängig von politischen Parteien sind.

 

Der Anteil der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer ist im Vergleich zu anderen Ländern zwar immer noch hoch, aber hat in den letzten Jahren abgenommen. Schätzungen der jüngsten LO-Studie zufolge ist der gewerkschaftliche Organisationsgrad seit 2000 von 72 auf 67 % gefallen.[6] Die Gesamtzahl der Gewerkschaftsmitglieder ist etwas weniger eindeutig, da das dänische Amt für Statistik, das die Zahlen veröffentlicht, die Art der Darstellung geändert hat. Seit 2013 berücksichtigen dessen Zahlen nur die erwerbstätigen Mitglieder, zuvor umfassten die Zahlen des LO auch Rentner, Studenten und Selbständige. Insgesamt scheint es jedoch einen Abwärtstrend zu geben. Nach der alten Grundlage sind die Mitgliederzahlen zwischen 2000 und 2012 von 2,16 auf 2,05 Millionen leicht gefallen, während sie nach der neuen Berechnung zwischen Anfang 2013 und Anfang 2014 von 1.819.000 auf 1.803.000 gesunken sind.

 

Gleichzeitig sind bei der Mitgliedschaft Verlagerungen zwischen den wichtigsten Gewerkschaftsbünden zu beobachten, welche zum Teil die Veränderungen am Arbeitsmarkt reflektieren. So konnten FTF und Akademikerne, die höher qualifizierte Arbeitnehmer organisieren, die Zahl ihrer Mitglieder erhöhen, während der LO Mitglieder verloren hat. Auch ist die Zahl der Mitglieder in Gewerkschaften, die nicht einem der drei großen Gewerkschaftsbünde angehören und im Allgemeinen geringere Mitgliedsbeiträge erheben, gestiegen. Abgesehen von der Führungskräftegewerkschaft LH (Lederne), sind die Mitgliederzahlen der Gewerkschaften außerhalb von LO, FTF und Akademikerne zwischen 2008 und 2014 von 202.100 auf 289.854 um 43% gestiegen.

 

Der LO hat sich eine Zeit lang für einen Zusammenschluss der drei Gewerkschaftsbünde eingesetzt und wird wahrscheinlich zumindest zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen LO und FTF kommen. Im September 2014 haben die beiden Gewerkschaftsbünde ein gemeinsames Dokument über die Chancen der Gewerkschaftsbewegung bis 2020 herausgegeben, in dem die Aussichten für die Gründung einer neuen einheitlichen Gewerkschaftsorganisation erörtert werden[7]. Obwohl eine engere Zusammenarbeit wahrscheinlich ist, wird ein echter Zusammenschluss Zeit brauchen, sofern es überhaupt dazu kommt. Auf den Kongressen der beiden Gewerkschaftsbünde im Oktober und November 2015 wird sich zeigen, ob es genügend Unterstützung für einen Zusammenschluss gibt.

 

Die Gewerkschaften, insbesondere die LO Mitgliedsgewerkschaften,  beobachten den Rückgang der Mitgliederzahlen in den letzten Jahren mit Sorge und haben Kampagnen organisiert, um insbesondere bei jungen Menschen und Wanderarbeitnehmern neue Mitglieder zu werben. Insgesamt sind etwas mehr Frauen in dänischen Gewerkschaften organisiert als Männer. Insgesamt stellen Frauen 51,4% der erwerbstätigen Gewerkschaftsmitglieder, bei der LO sind es 49,5%, im FTF 69,2% und bei Akademikerne 49,0%. In der  Gewerkschaft der Führungskräfte LH (Lederne) ist der Frauenanteil mit 28,7% geringer und in den anderen Gewerkschaften, die nicht Mitglied der drei Gewerkschaftsbünde sind, liegt er bei 44,7%.

[1] Die Gesamtzahl und die Mitgliederzahlen der einzelnen Gewerkschaftsbünde und Gewerkschaften sind auf der Webseite des dänischen Amtes für Statistik zu finden: http://www.dst.dk/en/Statistik/emner/tilknytning-til-arbejdsmarkedet/arbejdsmarkedets-organisationer.aspx

[2] Udviklingen i den faglige organisering: årsager og konsekvenser for den danske model, von Jesper Due und Jørgen Steen Madsen. 2010, LO-dokumentation 1/2010.

[3] The ICTWSS Database: Database on Institutional Characteristics of Trade Unions, Wage Setting, State Intervention and Social Pacts, in 34 countries between 1960 and 2012, compiled by Jelle Visser, at the Amsterdam Institute for Advanced Labour Studies AIAS, University of Amsterdam, Version 4, April 2013 (siehe: http://www.uva-aias.net/207)

 see http://www.uva-aias.net/207 )Labour Studies AIAS, University of Amsterdam, Version 4, April 2013 ( see http://www.uva-aias.net/207).

[4] Samlet medlemstal og arbejdsmarkedstilknyttede medlemmer, 2012-2013, LO http://www.lo.dk/omLO/faktaogtal/LOsmedlemstal.aspx

[5]  Medlemstal pr. 1.1.2014 i organisationerne tilsluttet kademikerne, AC  http://www.ac.dk/media/417536/medlem14.pdf

[6] Udviklingen i den faglige organisering: årsager og konsekvenser for den danske model, von Jesper Due und Jørgen Steen Madsen. 2010, LO-dokumentation 1/2010.

[7] Mulighederne for fagbevægelsen frem mod 2020, September 2014 https://www.lo.dk/Nyheder/Nyhedsarkiv/2014/09/~/media/LO/Aktuelt/Nyheder_2014/2108_Muligheder_2020.ashx (Aufgerufen am 16.04.2015)

L. Fulton (2015) Worker representation in Europe. Labour Research Department and ETUI. Produced with the assistance of the SEEurope Network, online publication available at http://www.worker-participation.eu/National-Industrial-Relations.