Home / Nationale Arbeitsbeziehungen / Länder / Estland / Finanzielle Beteiligung / Basisdaten Kapitalbeteiligungs- / Erfolgsbeteiligungsmodelle

Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

In Estland sind Erfolgsbeteiligungen im europäischen Vergleich relativ weit verbreitet. Zu Beginn des Privatisierungsprozesses wurden viele Arbeitnehmer zu Anteilseigener in ihren Unternehmen. Heute sind in Estland Modelle der Kapitalbeteiligung im europäischen Vergleich jedoch nur noch unterdurchschnittlich verbreitet.

 

 

Daten der fünften Europäischen Erhebung über Arbeitsbedingungen (EWCS) zeigen, dass die Verbreitung von Erfolgsbeteiligungsmodellen in Estland bei circa 11% und von Kapitalbeteiligungsmodellen bei rund 0,8% liegt.1 Dem „European Company Survey“, einer Befragung von mehr als 27.000 Personalverantwortlichen aus dem Jahr 2009 zufolge bieten 18% der privaten estnischen Unternehmen mit 10 oder mehr Beschäftigten ihren Mitarbeitern eine Gewinnbeteiligung an. Im europäischen Vergleich ist dieses ein überdurchschnittlicher Wert (Durchschnittswert der 30 untersuchten europäische Länder: 14%). Der Verbreitungsgrad von Gewinnbeteiligungsmodellen variiert mit der Unternehmensgröße. So hatten 17% der Unternehmen mit 10-49 Beschäftigten, 22% der Unternehmen mit 50-199 Mitarbeitern und 18% der Unternehmen mit 200 und mehr Beschäftigten ein Gewinnbeteiligungsmodell.2 Nach den Ergebnissen des „European Company Survey“ bieten nur rd. 3% der privaten Unternehmen in Estland ihren Mitarbeitern Modelle der Kapitalbeteiligung an. Damit liegt Estland unter dem europäischen Durchschnitt von 5%).3 Die Ergebnisse des Cranet-Reports 2011 deuten ebenfalls auf eine unterdurchschnittliche Verbreitung von Kapitalbeteiligungsmodellen in Estland hin (Unternehmen mit 100 und mehr Beschäftigten).4

Viele estnische Firmen waren nach der Privatisierung zunächst mehrheitlich in Mitarbeiterbesitz und wurden anschließend vom Management übernommen. Im nächsten Schritt wurden diese Unternehmen dann in vielen Fällen von großen Investoren übernommen.5 Vor der Änderung der Privatisierungspolitik im Jahr 1993 wurden rund 80% der 450 kleinen Unternehmen von Unternehmensangehörigen übernommen. Schätzungen zufolge waren 1995 rund 29% aller Arbeitnehmer auch Anteilseigner. Als die estnische Privatisierungsagentur ab 1993 dazu überging, große Unternehmen im Rahmen öffentlicher Ausschreibungen zu veräußern, wurde es für die Beschäftigten der betreffenden Unternehmen immer schwieriger, die Aktienmehrheit zu erlangen. Die Untersuchung einer Stichprobe von 666 estnischen Unternehmen zeigt, dass Betriebe in Mitarbeiterbesitz in der ersten Zeit der Privatisierung bis 1992 den höchsten Anteil an den privatisierten Unternehmen (38% der in der Stichprobe erfassten Unternehmen) stellten. 1992 bis 1993 wurde diese Position von Betrieben in Managementbesitz eingenommen, ab 1994 dominierten Unternehmen in inländischem Fremdbesitz. Im Januar 2005 befanden sich nur noch 14 Unternehmen (2%) mehrheitlich in Mitarbeiterbesitz. In 78% der Unternehmen waren die Mitarbeiter überhaupt nicht am Kapital beteiligt, in 20% waren sie Minderheitsaktionäre, wobei sie meist weniger als 10% der Aktien hielten. In 7% der Unternehmen lag der Anteil der Mitarbeiteraktien jedoch zwischen 20 und 49,9%. Eine andere Befragung aus dem Jahr 2005 zeigt, dass es sich bei Unternehmen, die mehrheitlich im Mitarbeiterbesitz sind, vorrangig um kleine Unternehmen mit einem geringen Kapitaleinsatz pro Mitarbeiter handelt.6

Aus den ehemaligen landwirtschaftlichen Kollektivbetrieben sind zahlreiche Genossenschaften hervorgegangen. Im Januar 1990 waren mehr als 2.000 Genossenschaften in Betrieb, in denen 7% aller Erwerbstätigen beschäftigt waren. 1993 wurde mit 2.943 die höchste Zahl von Genossenschaften registriert. Seither haben viele von ihnen eine andere Rechtsform angenommen; im Juli 1998 waren 2.124 Genossenschaften im Handelsregister eingetragen, aber nur 769 von ihnen waren auf Gewinn ausgerichtet. 2003 gab es 19.369 gemeinnützige Vereinigungen (einschließlich ehemaliger Wohnungsgenossenschaften) sowie 855 Handelsvereinigungen. 1995 erreichte die Beteiligung der Arbeitnehmer an Genossenschaften mit 78% ihren höchsten Stand. 39% aller landwirtschaftlichen Betriebe waren mehrheitlich in Mitarbeiterbesitz. Obwohl ihre Zahl über die Jahre abnahm, nahmen sie lange Zeit eine vorherrschende Stellung ein.

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.