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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

In Finnland ist in den 1990er Jahren der Anteil der Unternehmen mit Systemen finanzieller Mitarbeiterbeteiligung gewachsen. Hier gab es bis 1990 kein staatlich gefördertes Beteiligungssystem. Erst durch die Einführung des „Personnel funds and profit bonus system“ wurden erste rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen. Diese wurde zuletzt durch das Gesetz „Personnel Funds (934/2010)“ mit Wirkung zum Jahr 2011 geändert.

 

Dieses Gesetz, das zuletzt im Jahr 2011 reformiert wurde, betrifft vor allem den Bereich der verzögerten Gewinnausschüttung und die Bildung von Mitarbeiterfonds. Mitarbeiterfonds sind der einzige Bereich der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung, der kollektiv zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern ausgehandelt wird.1 Ein Mitarbeiterfonds kann in Finnland gegründet werden, wenn das Unternehmen mindestens zehn Beschäftigte hat und der Jahresumsatz größer als 200.000 Euro ist. 2 Mitarbeiterfonds können nicht nur von privaten Unternehmen, sondern auch von Unternehmen der öffentlichen Hand und anderen Körperschaften gegründet werden. Insgesamt wurden durch die Reform im Jahr 2011 die gesetzlichen Vorgaben bezüglich der Ausgestaltung von Mitarbeiterfonds flexibler gestaltet.3 Erträge aus Aktienoptionsplänen sind in Finnland voll einkommenssteuerpflichtig. Gewinnausschüttungen werden im Allgemeinen wie Einkommen behandelt und unterliegen der Einkommenssteuer.4 Die Gewinnausschüttungen aus Aktienoptionsplänen werden bei der Berechnung des progressiven Einkommenssteuersatzes berücksichtigt. Das Unternehmen ist verpflichtet, die fällige Einkommenssteuer und die zu zahlenden Sozialversicherungsbeiträge abzuführen. Arbeitnehmer müssen Einnahmen aus Aktienoptionsplänen in ihren jährlichen Steuererklärungen deklarieren. Wenn Arbeitnehmer die Aktien aus Aktienoptionsplänen nach Ablauf des Optionsprogramms tatsächlich erwerben, müssen bei einem späteren Verkauf die Kapitalerträge versteuert werden. Kapitalerträge werden in Finnland mit einem einheitlichen Satz von 30% versteuert. Alle Kapitalerträge, die die Summe von 50.000 Euro übersteigen, werden mit einem Satz von 32% besteuert.5 Kapitalverluste durch einen Verkauf von Mitarbeiteraktien können bis zu fünf Jahre steuerlich geltend gemacht werden.

 

 

Im Jahr 2011 hat das oberste finnische Verwaltungsgericht klargestellt, dass das steuerlich zu berücksichtigende Einkommen aus einem Incentive-Aktienbeteiligungsprogramm der Wert der Aktien bei Auflage des Programms ist. Dies gilt auch, wenn der Wert der Aktienbeteiligung während der Haltefrist deutlich sinkt. Bis zu der höchstrichterlichen Entscheidung war es strittig, ob hohe Wertverluste während der Haltefrist zu einer Reduzierung der Steuerlast führen könnten.

 

 

Es ist in Finnland nicht notwendig, Arbeitnehmervertreter vor der Einführung eines Mitarbeiterbeteiligungsprogramms zu informieren, zu konsultieren oder die Zustimmung der Arbeitnehmervertretung einzuholen.6

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.