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Unternehmensmitbestimmung

Arbeitnehmervertreter sind im irischen monistischen System der Unternehmensleitung nur in staatlichen Unternehmen vertreten, in denen sie in der Regel ein Drittel der Mitglieder des Leitungsorgans stellen. Durch Privatisierungsmaßnahmen ist die Zahl dieser Unternehmen gesunken, und dieser Trend setzt sich fort.

Es gibt keine gesetzliche Regelung für die Unternehmensmitbestimmung im Privatsektor. Irland verfügt über ein einstufiges System der Unternehmensleitung. Einige Bereiche des öffentlichen Sektors unterliegen einem Gesetz, das den Arbeitnehmervertretern das Recht gibt, einen Teil der Mitglieder des Leitungsorgans staatlicher Unternehmen und Einrichtungen zu bestellen, die normalerweise als Arbeitnehmerdirektoren bezeichnet werden. Demnach gibt es eine Unternehmensmitbestimmung in öffentlichen Einrichtungen wie dem Gerichtsdienst und der Organisation für berufliche Bildung und Beschäftigung FÁS (die derzeit umstrukturiert und künftig unter dem Namen „Solas“ geführt wird) sowie in einigen staatlichen Unternehmen, zu denen die Irische Post (An Post), der Flughafen von Dublin, der Hafen von Dublin, die nationale Verkehrsgesellschaft CIE, das Unternehmen für Torfverarbeitung Bord na Móna, die Stromversorgungsbehörde, die Gasgesellschaft Bord Gáis und das Forstwirtschaftsunternehmen Coíllte gehören.

 

In größeren Unternehmen, die unter die Rechtsvorschriften von 1977 und 1988 fallen, stellen die Arbeitnehmervertreter ein Drittel der Mitglieder des Leitungsorgans (in der Regel vier der 12 Direktoren einschließlich des Vorstandsvorsitzenden). Nur die Gewerkschaften können Kandidaten vorschlagen. Diese werden von der Belegschaft gewählt und anschließend vom zuständigen Minister ernannt.

 

Durch die Privatisierung einiger Staatsbetriebe ist die Unternehmensmitbestimmung nun weniger verbreitet als früher. Ein Beispiel ist die ehemalige staatliche Fluggesellschaft Aer Lingus, die im Oktober 2006 teilweise privatisiert wurde. Im Zuge dieser Privatisierung haben die Arbeitnehmerdirektoren ihre Sitze im Leitungsorgan verloren. Damals wurde ein Trust für Belegschaftsaktien eingerichtet, mit dem das Recht verbunden war, zwei Arbeitnehmervertreter in das Leitungsorgan zu entsenden. 2010 wurde der Trust jedoch aufgelöst, die Aktien wurden verteilt und die Arbeitnehmervertreter verloren ihre Sitze im Leitungsorgan. Dennoch besteht weiterhin Einvernehmen darüber, dass die Arbeitnehmer im Leitungsorgan des Unternehmens vertreten sein sollten, und David Begg, der amtierende Generalsekretär des Irischen Gewerkschaftsbunds ICTU nimmt als nicht geschäftsführendes Mitglied am Leitungsorgan von Aer Lingus teil.

 

Der Privatisierungsprozess wird sich voraussichtlich im Rahmen der Maßnahmen zur Bewältigung der Wirtschafts- und Finanzkrise beschleunigen, und dies wird dazu führen, dass die Zahl der staatlichen Unternehmen mit Unternehmensmitbestimmung weiter abnehmen wird.

L. Fulton (2013) Arbeitnehmervertretung in Europa. Labour Research Department und ETUI. Erstellt mit Unterstützung des SEEurope Netzwerks. Online-Publikation, verfügbar unter http://de.worker-participation.eu.