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Gewerkschaften

In Irland gehört rund ein Drittel (34 %) der Arbeitnehmer einer Gewerkschaft an. Es gibt nur einen irischen Gewerkschaftsbund, den ICTU, aber die einzelnen Gewerkschaften, insbesondere die großen, sind mächtig und einflussreich.

Laut eigenen Angaben der Gewerkschaften zählt die Republik Irland rund 580.000 Gewerkschafter. Aus der vierteljährlichen nationalen Haushaltserhebung 2011 geht andererseits hervor, dass nur 476.000 Arbeitnehmer bzw. 31 % aller Arbeitnehmer einer Gewerkschaft angehören.1 Diese Zahl wird jedoch von den Gewerkschaften in Frage gestellt, da alle Umfrageteilnehmer, die diese Frage nicht beantwortet haben, der Kategorie der Nicht-Gewerkschaftsmitglieder zugeordnet wurden. In der ICTWSS Datenbank zur Anzahl der Gewerkschaftsmitglieder wird für Irland mit 36,1 % ebenfalls ein höherer gewerkschaftlicher Organisationsgrad als in der Haushaltserhebung angegeben (Stand 2011).2

Alle Gewerkschaften, die Arbeitnehmer auf der Insel Irland organisieren, sind in einem einzigen Gewerkschaftsbund – dem ICTU – zusammengeschlossen. Er umfasst 49 Einzelgewerkschaften, die 579.578 Mitglieder in der Republik Irland und 217.711 Mitglieder in Nordirland umfassen (Angaben 2011). Zu den Mitgliedsgewerkschaften des ICTU gehören neben Gewerkschaften in der Republik Irland und in Nordirland auch ein paar britische Gewerkschaften. Außerhalb des ICTU gibt es nur ein paar wenige Gewerkschaften, die größte von ihnen ist die nationale Bus- und Eisenbahngewerkschaft mit 3.700 Mitgliedern.

 

Der ICTU spielt zwar eine wichtige Rolle in den Beziehungen mit der Regierung, aber er ist kein Dachverband, der seinen Mitgliedsgewerkschaften gegenüber eine dominierende und richtungweisende Haltung einnimmt, sondern ein Zusammenschluss unabhängiger und autonomer Gewerkschaften.

 

 

SIPTU, die weitaus größte Mitgliedsgewerkschaft des ICTU, ist eine allgemeine Gewerkschaft, die Arbeitnehmer in einer Vielzahl von Wirtschaftszweigen organisiert. Die SIPTU umfasst 199.881 Mitglieder in Irland bzw. 34 % der irischen ICTU-Mitglieder sowie 7.000 Mitglieder in Nordirland. Darauf folgen (in Irland) die Gewerkschaft für den öffentlichen Dienst IMPACT mit 63.566 Mitgliedern (nur 60 davon in Nordirland), die Gewerkschaft für den Einzelhandel MANDATE mit 40.286 Mitgliedern (alle in Irland), die irische Krankenpflegergewerkschaft INMO mit 40.100 Mitgliedern (alle in Irland) sowie die Gewerkschaft Technik und Elektrotechnik (TEEU) mit 39.000 Mitgliedern (alle in Irland). Die britische Gewerkschaft UNITE ist mit insgesamt 72.090 Mitgliedern die größte Einzelgewerkschaft des ICTU, aber hat nur 31.594 Mitglieder in Irland, die übrigen 40.496 sind Mitglieder aus Nordirland. (Alle Angaben geben den Stand zum 31. Dezember 2010 wieder).3

Der ICTU selbst ist offiziell an keine politische Partei gebunden, aber ein paar seiner Mitgliedsgewerkschaften einschließlich der SIPTU sind der irischen Labour-Partei angeschlossen. Ihr formaler Einfluss innerhalb der Partei ist jedoch beschränkt, da sie weniger als 10 % der Konferenzdelegierten stellen, und die Gewerkschaften haben auch mit verschiedenen Regierungen zusammengearbeitet, unabhängig von deren politischer Zusammensetzung.

 

Die Entwicklung des gewerkschaftlichen Organisationsgrads, d.h. des Anteils der Arbeitnehmer, die einer Gewerkschaft angehören, ist in hohem Maße durch die Veränderungen der Beschäftigungslage in Irland beeinflusst worden. Während des Beschäftigungsbooms stieg die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder in einem Zeitraum von zehn Jahren um 100.000, aber aus der Haushaltserhebung geht hervor, dass der gewerkschaftliche Organisationsgrad zwischen 1994 und 2004 von 46 % auf 35 % und bis zum Jahr 2007 weiter auf 31 % sank. Dieser Trend spiegelte die Veränderungen am Arbeitsmarkt wider. In vielen Wachstumssektoren wie in der Elektronikbranche (hauptsächlich US-amerikanische Unternehmen) und den privaten Dienstleistungen (z.B. im Gastgewerbe) hatten die Gewerkschaften es schwer, Fuß zu fassen. Im Zuge der Wirtschaftskrise, die Irland ab 2008 traf, ging die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder zwischen 2007 und 2010 leicht zurück (laut Haushaltserhebung von 558.000 auf 511.000), aber weniger stark als die Gesamtarbeitnehmerzahl. Dadurch stieg der gewerkschaftliche Organisationsgrad auf 33 %. Seitdem ist die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder weiter auf 476.000 (2012) gesunken, der gewerkschaftliche Organisationsgrad ist auf 31 % gefallen. Der gewerkschaftliche Organisationsgrad ist unter Frauen (34%) höher als bei als bei Männern (28%). Aktuell sind 267.000 Frauen Mitglied einer Gewerkschaft, verglichen mit 209.000 Männern.

 

 

Laut einer anderen landesweiten Erhebung in den Betrieben sind die Gewerkschaften im öffentlichen Sektor, wo mehr als zwei Drittel der Arbeitnehmer (68,7 %) einer Gewerkschaft angehören, wesentlich besser vertreten als im Privatsektor, wo dieser Anteil bei einem Viertel (24,9 %) liegt.4

L. Fulton (2013) Arbeitnehmervertretung in Europa. Labour Research Department und ETUI. Erstellt mit Unterstützung des SEEurope Netzwerks. Online-Publikation, verfügbar unter http://de.worker-participation.eu.