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Gewerkschaften

Es gibt nur einen Gewerkschaftsbund in Lettland, LBAS, dem fast alle bedeutenden Gewerkschaften angehören. Der gewerkschaftliche Organisationsgrad in Lettland ist relativ niedrig. Er liegt bei ungefähr 13 % und ist im öffentlichen Sektor wesentlich höher als im Privatsektor.

 

 

 

Etwas mehr als 100.000 Erwerbstätige sind Mitglied einer Gewerkschaft in Lettland (Stand 2012). Dies entspricht 13 % aller Arbeitnehmer. Seit Beginn der Krise ist die Gesamtarbeitnehmerzahl um fast ein Viertel gesunken. Für 2008 wurde in der ICTWSS Datenbank zur Anzahl der Gewerkschaftsmitglieder für Lettland mit 14,8 % ein etwas höherer gewerkschaftlicher Organisationsgrad angegeben.1

Der einzige Gewerkschaftsbund in Lettland, der LBAS, umfasst 109.000 Mitglieder, darunter 100.000 Erwerbstätige.2 Der LBAS wurde 1990 gegründet und trat an die Stelle der früheren Gewerkschaftsstruktur, als Lettland noch zur ehemaligen Sowjetunion gehörte.

 

 

Dem LBAS gehören 20 Einzelgewerkschaften an, die in der Regel nach Branchen oder Berufen organisiert sind. Zu den größten Gewerkschaften zählen die Bildungs- und Wissenschaftsgewerkschaft LIZDA mit 32.597 Mitgliedern, die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft LDzSA mit 13.000 Mitgliedern, die LVSADA für Angestellte in der Gesundheits- und Sozialfürsorge mit 12.169 Mitgliedern sowie die LAKRS für den öffentlichen Dienst und Verkehr, der 7.695 Mitglieder angehören. Die einzelnen Gewerkschaften setzen sich aus lokalen Gewerkschaftsorganisationen in den einzelnen Betrieben zusammen. Die LIZDA beispielsweise umfasst 1.328 lokale Gewerkschaftsorganisationen, die LAKRS 189.

 

 

Es gibt einige kleine Gewerkschaften, die nicht dem LBAS angeschlossen sind; in Lettland sind nur 50 Mitglieder erforderlich, um eine Gewerkschaft zu gründen. Im März 2013 waren in Lettland insgesamt 207 Gewerkschaften registriert, doch nur 188 davon waren aktiv.3

Innerhalb der komplexen und unbeständigen parteipolitischen Struktur ist die politische Ausrichtung des LBAS laut seiner Satzung neutral. Er spielt jedoch zusammen mit dem Arbeitgeberdachverband eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Wirtschafts- und Sozialpolitik des Landes.

 

Die Gewerkschaften haben seit der Unabhängigkeit Lettlands im Jahr 1991 eine erhebliche Zahl an Mitgliedern verloren. 1995 gehörten dem LBAS über 275.000 Mitglieder an, heute sind es nur noch 109.000. Der gewerkschaftliche Organisationsgrad ist nach wie vor im öffentlichen Sektor höher als im privaten Sektor, wobei in ehemaligen staatlichen Unternehmen, die inzwischen privatisiert worden sind, sowie in Unternehmen, die im Besitz von multinationalen Konzernen sind, durchaus auch Gewerkschaftsmitglieder zu finden sind.

L. Fulton (2013) Arbeitnehmervertretung in Europa. Labour Research Department und ETUI. Erstellt mit Unterstützung des SEEurope Netzwerks. Online-Publikation, verfügbar unter http://de.worker-participation.eu.