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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

Gemäß den Ergebnissen des „European Working Conditions Survey“ liegt die Slowakei im europäischen Vergleich hinsichtlich der Verbreitung von Mitarbeiterbeteiligungsmodellen (Kapital- und Erfolgsbeteiligungen) im oberen Drittel. Insbesondere Formen von Erfolgsbeteiligungen sind dieser Studie zufolge in der Slowakei relativ weit verbreitet. Der „European Company Survey“ geht hingegen von einer unterdurchschnittlichen Verbreitung von Kapitalbeteiligungen in Mitarbeiterhand in der Slowakei aus.

Zwischen 1991 und 1993 sind 7.472 Unternehmen in der Slowakei privatisiert worden. Ende 1993 befanden sich noch 1.050 Unternehmen in Staatsbesitz, 1995 noch 1.030. Ihre Zahl ist in den folgenden Jahren kontinuierlich und besonders in der Zeit zwischen 1995 und 1997 (von 1.030 auf 203) gesunken. Ende des Jahres 2004 gab es noch 35 Staatsbetriebe und damit war der Privatisierungsprozess in der Slowakei weitgehend abgeschlossen.

Kapitalbeteiligung

Bereits vor der Teilung der Tschechoslowakei sahen die gesetzlichen Privatisierungsvorschriften die Möglichkeit für Arbeitnehmer vor, Anteile am Unternehmen, in dem sie beschäftigt waren, zu erwerben. Trotz dieser günstigen gesetzlichen Bestimmungen haben nur sehr wenige davon Gebrauch gemacht. Dies lag hauptsächlich daran, dass – wie in der Tschechischen Republik auch – dem Verkaufspreis der Aktien ein Buchwert der Vermögenswerte zugrunde gelegt wurde, der für die Beschäftigten zu hoch war. Dies führte dazu, dass die Mitarbeiterbeteiligung nach der ersten Privatisierungswelle äußerst gering war – nur 1,5% aller Aktien waren von Beschäftigten der Unternehmen erworben worden.

Für eine kurze Zeit, zwischen 1995 und 1996, wurden Privatisierungen durch Unternehmensangehörige nach der MEBO-Methode gefördert. Die MEBO-Methode wurde in diesem Zeitraum für rund 83% der zu privatisierenden Unternehmen angewandt. Sie wurden zu einem geringen Preis veräußert, wobei mehr als 50% der Aktien in Managementbesitz übergingen.1

Gemäß dem „European Company Survey“ (ECS), einer Befragung von mehr als 27.000 Personalverantwortlichen in Europa aus dem Jahr 2009 verfügen rd. 2% der privaten slowakischen Unternehmen mit 10 oder mehr Beschäftigten über Modelle der Kapitalbeteiligung. Damit liegt Slowakei unterhalb des europäischen Durchschnitts von rd. 5%.2

Nach den Ergebnissen des „European Working Conditions Survey“ (EWCS, 2010), der auf einer Befragung von Beschäftigten beruht, beträgt der Verbreitungsgrad von Systemen der Kapitalbeteiligung in der Slowakei 3,2%.3 Den Ergebnissen des „Annual Economic Survey of Employee Ownership in European Countries in 2012“ bieten 33,3% der größten Unternehmensgruppen des Landes breit angelegte (Kapital-)Beteiligungsprogramme für die ganze Belegschaft an. Dieser Wert liegt unter dem europäischen Durchschnitt (53,3%).4

Für die CRANET-Studie aus dem Jahr 2011 wurden in 29 Ländern Personalverantwortliche zur Verbreitung von finanziellen Mitarbeiterbeteiligungsmodellen in ihren Unternehmen befragt. Diese Studie kommt zu dem Ergebnis, dass in der Slowakei in 20% der Unternehmen (mit 100 und mehr Mitarbeitern) Modelle der Erfolgsbeteiligung existieren.5 Dies ist ein Wert, der deutlich unter dem Durchschnitt aller untersuchten Länder liegt.

Erfolgsbeteiligung

Dem „European Company Survey“ (2009) zufolge bieten 17% der privaten Unternehmen in der Slowakei mit 10 oder mehr Beschäftigten ihren Mitarbeitern eine Erfolgsbeteiligung an. Im europäischen Vergleich ist dieses ein leicht überdurchschnittlicher Wert (Durchschnittswert der 30 untersuchten europäische Länder: 14%). Der Verbreitungsgrad von Gewinnbeteiligungsmodellen steigt mit der Unternehmensgröße leicht an. So hatten in der Slowakei 17% der Unternehmen mit 10-49 Beschäftigten, 18% der Unternehmen mit 50-199 Mitarbeitern und 22% der Unternehmen mit 200 und mehr Beschäftigten ein Gewinnbeteiligungsmodell.6

Gemäß den Ergebnissen des „European Working Conditions Survey“ (EWCS, 2010), der auf einer Befragung von Beschäftigten beruht, beträgt der Verbreitungsgrad von Systemen der Gewinnbeteiligung in der Slowakei 21,4%.7 Dies ist im europäischen Vergleich ein sehr hoher Wert. In der Literatur wird dieser sehr hohe Wert zum Teil in Zweifel gezogen und mit methodischen Fehlern des European Working Conditions Survey erklärt.8 Doch auch der European Company Survey (2009) weist hinsichtlich der Verbreitung von Erfolgsbeteiligungsmodellen für die Slowakei einen Wert aus, der über dem europäischen Durchschnitt liegt.

Genossenschaften

1993 gab es noch 1.922 Genossenschaften, die rund 9% aller Unternehmen in der Slowakei ausmachten.9 Bei den meisten handelte es sich um Agrargenossenschaften, der Anteil der Industriegenossenschaften war nur gering. Die Zahl der Genossenschaften ist in den Jahren nach 1993 drastisch gesunken, hauptsächlich aufgrund der Reform des Genossenschaftswesens. 2004 waren 1.564 Genossenschaften eingetragen, dies entsprach rund 2% aller Unternehmen in der Slowakei.10

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.