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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

In Großbritannien wurden erst Ende der 1970er Jahre die ersten Mitarbeiterbeteiligungsmodelle realisiert. Bis zum Ende der 1970er Jahre lehnten die Labour-Party, die Arbeitgeberverbände und die Gewerkschaften die verschiedenen Modelle zur finanziellen Mitarbeiterbeteiligung gleichermaßen ab. Die Liberale Partei demgegenüber und später auch die Konservativen setzten sich für Gewinn- und Kapitalbeteiligungen der Arbeitnehmer in den Unternehmen ein und erreichten schließlich auch die Zustimmung der ursprünglichen Gegner. Seitdem haben sich verschiedene Modelle der Mitarbeiterbeteiligung etabliert.

Mit Beginn der Thatcher-Ära und zunächst im Kontext der Privatisierung staatlicher Industrien und Unternehmen gewann insbesondere die Kapitalbeteiligung an Bedeutung.

 

 

Seit 1978 wird die Verbreitung von Gewinn- und Kapitalbeteiligungsmodellen durch Steuererleichterungen für Unternehmen und Arbeitnehmer vom Gesetzgeber maßgeblich gefördert.1 Heute ist Großbritannien eines der EU-Länder mit stärksten Verbreitung von Mitarbeiterbeteiligungsmodellen. Vier Beteiligungsmodelle stehen im Vordergrund: Save-as-you-Earn (SAYE), Company Share Option Plans (CSOP), Share Incentive Plans (SIP) und Enterprise Management Incentives (EMI). Alle vier Modelle sollen in nächster Zeit reformiert werden. Modelle zur finanziellen Mitarbeiterbeteiligung sollen ausgeweitet und vereinfacht werden.2 Die Ausweitung von Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen soll mit einer Reform des Arbeitsrechts einhergehen.3 Die politische Zustimmung zu der Idee einer Ausweitung der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung ist bisher unbekannt.4

Das Save-as-you-Earn-Programm (SAYE) gehört zu den populärsten Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen in Großbritannien. Jedes Jahr beteiligen sich mehrere Hunderttausende Arbeitnehmer daran. Auf Basis eines Sparplans erhalten Arbeitnehmer die Möglichkeit, vom Unternehmen eine bestimmte Zahl von Aktienoptionen zum festgelegten Preis mit einer festgesetzten Laufzeit zu bekommen. Beim Company Share Option-Programm (CSOP) gewährt das Unternehmen nur ausgewählten Arbeitnehmern eine bestimmte Anzahl von Aktienoptionen zum festgelegten Preis und festgesetzten Ausübungszeitpunkt. Es unterscheidet sich in verschiedenen Punkten vom Save-as-you-Earn Programm, z.B. bei den Auswahlkriterien für die Arbeitnehmer oder den Rabatt auf den Börsenkurs. Der Share Incentive Plan (SIP) ist insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen geeignet, die keine eigenen Aktienoptionsprogramme anbieten können. Dieses Beteiligungsmodell besteht erst seit 2002 und löste das Approved Profit Sharing Programm (APS) ab, welches in den Jahren 1978 bis 2002 galt. Das Programm für Enterprise Management Incentives (EMIs) wurde im Jahr 2000 für kleinere und risikobehaftete Unternehmen als Anreizinstrument aufgelegt, um neue Mitarbeiter zu rekrutieren oder um Arbeitnehmer stärker an ihr Unternehmen binden zu können. Dabei werden ebenfalls steuerbegünstigte Aktienoptionen für ausgewählte Mitarbeiter ausgegeben.

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.