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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

Belgien befindet sich hinsichtlich der Verbreitung der finanziellen Beteiligung von Arbeitnehmern an den Unternehmen im europäischen Mittelfeld. Seit dem Jahr 2002 gibt es Regelungen zur Förderung von kollektiver Gewinn- und Kapitalbeteiligung von Arbeitnehmern.

Seit 1983 gibt es in Belgien ein Gesetz über Mitarbeiteraktien und 1991 wird die finanzielle Beteiligung von Arbeitnehmern an Unternehmen staatlich gefördert, indem über die Ausgabe von Aktien an Beschäftigte eine Beteiligungs­finanzierung erlaubt wird. Der nächste Schritt erfolgte 1999. Seither sind Abschläge bei Aktienbeteiligungen unter Einhaltung einer 5-jährigen Sperrfrist einkommenssteuer- und sozialabgabenfrei. Dadurch wurde die Gewährung von Aktienoptionen in Belgien die am meisten verbreitete aktienbasierte Beteiligungsform. Allerdings richtet sie sich meist nur an die Führungskräfte. Vor 2002 gab es keinen rechtlichen Rahmen, der eine kollektive finanzielle Beteiligung der Arbeitnehmer an den Unternehmen förderte. Erst unter der Regierung Verhofstadt wurde am 29. März 2001 ein Gesetz zur Gewinn- und Kapitalbeteiligung einstimmig vom Parlament verabschiedet. Es basiert auf der Überzeugung, dass eine finanzielle Mitarbeiterbeteiligung wünschenswert ist, weil sie durch eine engere finanzielle und emotionale Bindung der Arbeitnehmer an die Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen steigert. Ziel ist es, dass in naher Zukunft 25% der Arbeitnehmer an ihren Unternehmen beteiligt sind.

Gemäß den Ergebnissen des „European Working Conditions Survey“ (EWCS, 2010), der auf einer Befragung von Beschäftigten beruht, beträgt der Verbreitungsgrad von Systemen der Gewinnbeteiligung in Belgien 9,7% und der Verbreitungsgrad der Kapitalbeteiligung 3,4%.1 Dem „European Company Survey“, einer Befragung von mehr als 27.000 Personalverantwortlichen aus dem Jahr 2009 zufolge bieten 15% der privaten belgischen Unternehmen mit 10 oder mehr Beschäftigten ihren Mitarbeitern eine Gewinnbeteiligung an. Im europäischen Vergleich ist dieses ein leicht überdurchschnittlicher Wert (Durchschnittswert der 30 untersuchten europäische Länder: 14%). Der Verbreitungsgrad von Gewinnbeteiligungsmodellen variiert mit der Unternehmensgröße. So haben in Belgien 16% der Unternehmen mit 10-49 Beschäftigten, 11% der Unternehmen mit 50-199 Mitarbeitern und 18% der Unternehmen mit 200 und mehr Beschäftigten ein Gewinnbeteiligungsmodell.2 Nach den Ergebnissen des „European Company Survey“ bieten 11% der privaten belgischen Unternehmen ihren Mitarbeitern Modelle der Kapitalbeteiligung an. Damit liegt Belgien weit über dem europäischen Durchschnitt von etwas mehr als 5%. Gemäß den Befunden des „Annual Economic Survey of Employee Ownership in European Countries in 2012“3 bieten 32% der größten belgischen Unternehmensgruppen breit angelegte (Kapital-) Beteiligungsprogramme für die ganze Belegschaft an (europäischer Durchschnitt: 53,3%).4 Aktienoptionen sind in Belgien in 83% der Unternehmen in der untersuchten Unternehmensgruppe üblich während der europäische Durchschnitt 64% beträgt. Auch nach den Angaben im Cranet-Report 2011 sind finanzielle Mitarbeiterbeteiligungsmodelle in Belgien (in Unternehmen mit 100 und mehr Mitarbeitern) deutlich überdurchschnittlich verbreitet.5 Dies gilt insbesondere für Kapitalbeteiligungsmodelle.6

Trotz der Ausweitung der rechtlichen Regelungen zur Unterstützung von Gewinn- und Kapitalbeteiligungen hat sich die Zahl der Beteiligungsprogramme in den letzten Jahren insgesamt nur wenig verändert. Zwischen 2001 und 2007 sind lediglich vier zusätzliche Aktienbeteiligungsprogramme und 40 Gewinnbeteiligungsprogramme neu aufgelegt worden.7

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.