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Gewerkschaften

In Irland gehört rund ein Drittel (34 %) der Arbeitnehmer einer Gewerkschaft an. Es gibt nur einen irischen Gewerkschaftsbund, den ICTU, aber die einzelnen Gewerkschaften, insbesondere die großen, sind mächtig und einflussreich.

Laut eigenen Angaben der Gewerkschaften zählt die Republik Irland rund 570.000 Gewerkschafter. Aus der vierteljährlichen nationalen Haushaltserhebung 2013 geht andererseits hervor, dass nur 457.000 Arbeitnehmer bzw. 29 % aller Arbeitnehmer einer Gewerkschaft angehören[1]. Diese Zahl wird jedoch von den Gewerkschaften in Frage gestellt, da die zwei Prozent Umfrageteilnehmer, die diese Frage nicht beantwortet haben, der Kategorie der Nicht-Gewerkschaftsmitglieder zugeordnet wurden. In der ICTWSS Datenbank zur Anzahl der Gewerkschaftsmitglieder wird für Irland mit 36,1 % ebenfalls ein höherer gewerkschaftlicher Organisationsgrad als in der Haushaltserhebung angegeben (Stand 2011)[2].

 

Alle Gewerkschaften, die Arbeitnehmer auf der Insel Irland organisieren, sind in einem einzigen Gewerkschaftsbund – dem ICTU – zusammengeschlossen. Er umfasst 48 Einzelgewerkschaften, die 566.336 Mitglieder in der Republik Irland und 211.800 Mitglieder in Nordirland umfassen (Angaben 2013).[3] Zu den Mitgliedsgewerkschaften des ICTU gehören neben Gewerkschaften in der Republik Irland und in Nordirland auch 21 britische Gewerkschaften. Außerhalb des ICTU gibt es nur ein paar wenige Gewerkschaften, die größte von ihnen ist die nationale Bus- und Eisenbahngewerkschaft mit 3.700 Mitgliedern.

 

Der ICTU spielt zwar eine wichtige Rolle in den Beziehungen mit der Regierung, aber er ist kein Dachverband, der seinen Mitgliedsgewerkschaften gegenüber eine dominierende und richtungweisende Haltung einnimmt, sondern ein Zusammenschluss unabhängiger und autonomer Gewerkschaften.

 

SIPTU, die weitaus größte Mitgliedsgewerkschaft des ICTU, ist eine allgemeine Gewerkschaft, die Arbeitnehmer in einer Vielzahl von Wirtschaftszweigen organisiert. Die SIPTU umfasst 199.881 Mitglieder in Irland bzw. 35 % der irischen ICTU-Mitglieder sowie 7.000 Mitglieder in Nordirland. Darauf folgen (in Irland) die Gewerkschaft für den öffentlichen Dienst IMPACT mit 63.566 Mitgliedern (nur 60 davon in Nordirland), die Gewerkschaft für den Einzelhandel MANDATE mit 40.286 Mitgliedern (alle in Irland), die irische Krankenpflegergewerkschaft INMO mit 39.127 Mitgliedern (alle in Irland) sowie die Gewerkschaft Technik und Elektrotechnik (TEEU) mit 39.000 Mitgliedern (alle in Irland). Die britische Gewerkschaft UNITE ist mit insgesamt 59.521 Mitgliedern die drittgrößte Einzelgewerkschaft des ICTU, aber hat nur 23.851 Mitglieder in Irland, die übrigen 35.670 sind Mitglieder aus Nordirland. (Alle Angaben geben den Stand zum 31. Dezember 2012 wieder). [4]

 

Im ICTU wird zur Zeit über größere Veränderungen der Gewerkschaftsstruktur in Irland diskutiert. Demnach soll sich die Zahl der Gewerkschaften verringern und es soll zur Verlagerung auf eine kleinere Anzahl von Branchenorganisationen kommen, möglicherweise in Analogie zu den Entwicklungen in den Niederlanden, wo einzelne Gewerkschaften ihre Mitglieder zusammenführen und eine neue Gewerkschaftsstruktur bilden. [5] In Anbetracht des inneren Widerstandes wird dies allerdings eher ein langfristiger Prozess sein, falls es überhaupt dazu kommt.

 

Der ICTU selbst ist offiziell an keine politische Partei gebunden, aber ein paar seiner Mitgliedsgewerkschaften einschließlich der SIPTU sind der irischen Labour-Partei angeschlossen. Ihr formaler Einfluss innerhalb der Partei ist jedoch beschränkt, da sie weniger als 10 % der Konferenzdelegierten stellen, und die Gewerkschaften haben auch mit verschiedenen Regierungen zusammengearbeitet, unabhängig von deren politischer Zusammensetzung.

 

Die Entwicklung des gewerkschaftlichen Organisationsgrads, d.h. des Anteils der Arbeitnehmer, die einer Gewerkschaft angehören, ist in hohem Maße durch die Veränderungen der Beschäftigungslage in Irland beeinflusst worden. Während des Beschäftigungsbooms stieg die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder in einem Zeitraum von zehn Jahren um 100.000, aber aus der Haushaltserhebung geht hervor, dass der gewerkschaftliche Organisationsgrad zwischen 1994 von 46% und 2007 auf 31 % sank. In vielen Wachstumssektoren wie in der Elektronikbranche (hauptsächlich US-amerikanische Unternehmen) und den privaten Dienstleistungen (z.B. im Gastgewerbe) hatten die Gewerkschaften es schwer, Fuß zu fassen. Im Zuge der Wirtschaftskrise, die Irland ab 2008 traf, stieg die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder zunächst an (auf 33% im Jahr 2010), da die Gewerkschaftsmitgliedschaft langsamer zurückging als die Beschäftigung insgesamt. Seitdem ist die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder auf 457.000  und der gewerkschaftliche Organisationsgrad auf 29 % im Jahr 2013 gefallen.

 

In der Haushaltserhebung wird bei der Gewerkschaftsmitgliedschaft nicht nach öffentlichem und privatem Sektor unterschieden. Laut einer anderen landesweiten Erhebung in den Betrieben sind die Gewerkschaften im öffentlichen Sektor, wo mehr als zwei Drittel der Arbeitnehmer (68,7 %) einer Gewerkschaft angehören, wesentlich besser vertreten als im Privatsektor, wo dieser Anteil bei einem Viertel (24,9 %) liegt.[6]

 

Der gewerkschaftliche Organisationsgrad ist unter Frauen (32%) höher als unter Männern (26%). Aktuell sind 258.000 Frauen Mitglied einer Gewerkschaft, gegenüber 199.000 Männern.

[1] Quarterly National Household Survey, Union Membership, Quarter 2 2013; CSO, Ireland,  http://www.cso.ie/en/qnhs/releasesandpublications/qnhs-specialmodules/qnhs-unionmembershipq22005-q22013/

[2] The ICTWSS Database: Database on Institutional Characteristics of Trade Unions, Wage Setting, State Intervention and Social Pacts, in 34 countries between 1960 and 2012, compiled by Jelle Visser, at the Amsterdam Institute for Advanced Labour Studies AIAS, University of Amsterdam, Version 4, April 2013 (siehe: http://www.uva-aias.net/207 ).

[3] Report of the Executive Council 2012-2013, ICTU, 2013

[4] ebd.

[5] Unions must rebuild to ‘recapture lost ground’, ICTU, 27 March 2014 http://www.ictu.ie/press/2014/03/27/unions-must-rebuild-to-recapture-lost-ground/ (Aufgerufen am 20.08.14)

[6] Philip J. O’Connel, Helen Russell, Dorothy Watson und Delma Byrne: The National Workplace Surveys 2009, Volume 2, The Changing Workplace: A Survey of Employees’ Views and Experiences, National Centre for Partnership and Performance, 2010.

L. Fulton (2015) Worker representation in Europe. Labour Research Department and ETUI. Produced with the assistance of the SEEurope Network, online publication available at http://www.worker-participation.eu/National-Industrial-Relations.