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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

Italien gehört zu den Ländern Europas, in denen die finanzielle Beteiligung der Arbeitnehmer am wenigsten verbreitet ist. Zwar wurden in den 1990er Jahren mehrere Reformen durchgeführt, um die wichtigsten Hindernisse für eine stärkere Verbreitung der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung in Italien zu überwinden, aber die geschlossene Haltung der Gewerkschaften in dieser Frage und das geltende Gesellschaftsrecht erschwerten eine Entwicklung in diese Richtung. Der Plan für ein neues Gesetz zur Mitarbeiterbeteiligung wurde in Italien zwar 2011/2012 diskutiert, ist aber bis heute nicht umgesetzt worden.

Die Praxis finanzieller Mitarbeiterbeteiligung ist eng mit dem Privatisierungsprozess der 1990er Jahre verknüpft. Während die italienische Wirtschaft zwischen 1920 und 1980 durch die stetige Zunahme staatlicher Kontrolle und staatlicher Unternehmen geprägt war, entwickelte sich in den 1990er Jahren im Zuge der Finanzkrise und der Umsetzung neuer europäischer Richtlinien ein Trend zur Umwandlung staatlicher Unternehmen in Aktiengesellschaften (società per azioni, spa) und ihrer Veräußerung auf dem Kapitalmarkt. 1998 einigten sich die Regierung und die Sozialpartner darauf, die finanzielle Beteiligung der Arbeitnehmer zu fördern.1

Dem „European Company Survey“, einer im Jahr 2009 durchgeführten Befragung von mehr als 27.000 Personalverantwortlichen in Europa zufolge bieten lediglich 3% der privaten Unternehmen in Italien mit 10 oder mehr Beschäftigten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit einer Gewinnbeteiligung an. Im europäischen Vergleich befindet sich Italien damit an letzter Stelle (Durchschnittswert der 30 untersuchten europäischen Länder: 14%). Der Verbreitungsgrad von Gewinnbeteiligungsmodellen steigt allerdings mit der Unternehmensgröße an. So hatten 2% der Unternehmen mit 10-49 Beschäftigten, 10% der Unternehmen mit 50-199 Mitarbeitern und 17% der Unternehmen mit 200 und mehr Beschäftigten ein Gewinnbeteiligungsmodell.2 Was die Verbreitung von Kapitalbeteiligungs­modellen anbetrifft, liegt Italien den Ergebnissen des „European Company Survey“ folgend im Mittelfeld. Rund 4% der privaten Unternehmen verfügen über ein Modell der Kapitalbeteiligung (europäischer Durchschnitt 5%). Gemäß den Ergebnissen des „Annual Economic Surveys of Employee Ownership in European Countries 2012“ beträgt der Verbreitungsgrad von breit angelegten (Kapital-)Beteiligungsprogramme für die ganze Belegschaft in den größten italienischen Unternehmensgruppen lediglich 28% (europäischer Durchschnitt: 53,3%).3

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.