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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

Im Zuge des Privatisierungsprozesses in den 1990er Jahren wurde erstmals eine Börse eröffnet. Seitdem stieg das Interesse der Bevölkerung an Aktienbesitz leicht an, und es wurden in leicht zunehmendem Maße Modelle finanzieller Mitarbeiterbeteiligung aufgelegt. Insgesamt ist der Verbreitungsgrad der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung in Malta im europäischen Vergleich allerdings auf niedrigem Niveau.

 

 

Trotz der engen historischen Verbindung mit Großbritannien, auf die die maltesische Unternehmensgesetzgebung zurückzuführen ist, ist die finanzielle Beteiligung der Mitarbeiter an ihren Betrieben in der Praxis bisher weder weit verbreitet noch politisch in besonderer Weise gefördert worden. Finanzielle Beteiligungssysteme werden, wenn überhaupt, von großen privaten Unternehmen angeboten.1

Das „Nationalisierungsprogramm“ (nationalisation programme) in den 1970er Jahren und der Privatisierungsprozess ehemals staatlicher Unternehmen in den 1990er Jahren – beides eher gegensätzliche Phänomene – hatten Auswirkungen auf die Einführung von finanziellen Beteiligungspraktiken für Arbeitnehmer in großen Unternehmen. Im Zuge des Privatisierungsprozesses wurde auch eine Börse geschaffen. Bei den praktizierten Beteiligungssystemen in ehemals staatlichen Unternehmen handelt es sich in der Regel um Kapitalbeteiligungsprogramme, allerdings auf niedrigem Niveau.

 

 

In der Mehrzahl der Unternehmen mit finanzieller Beteiligung sind die Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert und die Gewerkschaften unterstützen die Beteiligungssysteme. Seit 1996 wird Mitarbeitern im öffentlichen Sektor die Möglichkeit einer Gewinnbeteiligung in Genossenschaften eingeräumt. Derzeit gibt es in diesem Bereich zwei Genossenschaften mit insgesamt 100 Mitarbeitern, die eine Gewinnbeteiligung anbieten.

 

 

Für Malta liegen nur wenige empirische Daten zur Verbreitung der Mitarbeiterbeteiligung vor. Nach den Befunden des European Working Conditions Survey (EWCS) aus dem Jahr 2010 beträgt der Verbreitungsgrad von Systemen der Gewinnbeteiligung in Unternehmen des privaten Sektors nur rd. 4%, der Verbreitungsgrad von Kapitalbeteiligungsmodellen in Unternehmen beläuft sich nur auf rd. 1%.2 Dem „European Company Survey“ (ECS, 2009), einer Befragung von mehr als 27.000 Personalverantwortlichen in Europa zufolge bieten lediglich 4% der privaten Unternehmen in Malta mit 10 oder mehr Beschäftigten ihren Mitarbeitern eine Gewinnbeteiligung an. Im europäischen Vergleich ist dieses ein unterdurchschnittlicher Wert (Durchschnittswert der 30 untersuchten europäische Länder: 14%). Auch Modelle der Kapitalbeteiligung sind wenig verbreitet, 3% der Unternehmen verfügen über ein entsprechendes Modell. Damit liegt Malta unter dem europäischen Durchschnitt von etwas mehr als 5%.3 Laut PEPPER IV Report beträgt die Verbreitung von Kapitalbeteiligungsmodellen in Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten rd. 6%. 24,2% der in diesem Unternehmen beschäftigten Arbeitnehmer nehmen an den Modellen teil.4

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.