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Gewerkschaften

Malta verzeichnet mit rund der Hälfte aller Arbeitnehmer einen vergleichsweise hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad. Zwei große Gewerkschaftsgruppen, GWU und UHM, stehen einander gegenüber, in denen ein breites Spektrum an Arbeitnehmern organisiert ist, doch einige Berufsgruppen, wie Lehrer, Bankangestellte und Hebammen, gehören unabhängigen Gewerkschaften an. Die politische Ausrichtung der beiden großen Gruppen ist sehr verschieden, und die Beziehungen zwischen ihnen sind häufig angespannt, in der letzten Zeit haben die Gewerkschaften jedoch versucht, die Zusammenarbeit zu verbessern.

Es gibt 89.180 Gewerkschaftsmitglieder in Malta. Diese Zahl stammt aus dem maltesischen Gewerkschaftsregister 2011-2012, das sich wiederum auf die Unterlagen der Gewerkschaften stützt.1 Insgesamt gab es im Juni 2012 laut Angaben des Nationalen Statistikamtes 151.600 Arbeitnehmer in Malta. Ausgehend von dieser Zahl und nach Abzug der 11.191 Mitglieder der Gewerkschaftssektion für Pensionierte dürfte der Anteil der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer bei 51 % liegen. Dies entspricht in etwa den Angaben in der ICTWSS Datenbank, die den gewerkschaftlichen Organisationsgrad in Malta mit 48,6 % bemisst (Stand 2011).13

Die bei weitem größten Gewerkschaftsgruppen in Malta sind die GWU mit 44.971 Mitgliedern und die UHM mit 26.273 Mitgliedern. Da beide Gruppen ein breites Spektrum an Wirtschaftszweigen und Berufsgruppen abdecken, sind sie mit den Gewerkschaftsbünden in vielen anderen Mitgliedstaaten vergleichbar.

Zusätzlich zu diesen beiden großen Gruppen gibt es eine Reihe von kleineren Gewerkschaften in Malta, die in den von ihnen abgedeckten Bereichen häufig viele Mitglieder haben. Zu den wichtigsten gehören die MUT (Lehrer) mit 7.502 Mitgliedern, die MUBE (Bankangestellte), der 3.050 Mitglieder angehören, und die MUMN (Hebammen und Krankenpfleger) mit 3.039 Mitgliedern (alle Angaben für 2011-2012).

Die UHM, MUBE und einige der kleineren Gewerkschaften sind dem Gewerkschaftsbund Maltas CMTU angeschlossen, wobei es die Mitgliedsgewerkschaften sind – eher als der CMTU selbst – die die dominierende Rolle spielen. 2008 ist die Lehrergewerkschaft MUT, die zu den Gründergewerkschaften des CMTU gehörte, aufgrund ernsthafter politischer Meinungsverschiedenheiten aus dem Gewerkschaftsbund ausgetreten (s. unten).

Daneben gibt es eine dritte Gewerkschaftsgruppe, die sich das Forum Unions Maltin (FORUM) nennt. Sie wurde 2004 von acht Gewerkschaften unter der Führung der Krankenpfleger- und Hebammengewerkschaft MUMN gegründet. 2008 schloss sich auch die MUT nach ihrem Austritt aus dem CMTU der Gruppe an. Ein ausschlaggebender Grund für die Bildung des FORUM war, dass man hoffte, in den dreigliedrigen Rat für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Maltas (MCESD), in dem die GWU, die UHM und die CMTU vertreten sind, aufgenommen zu werden. 2012 sind neue gesetzliche Bestimmungen zur Zusammensetzung des MCESD in Kraft getreten, wonach auch FORUM an diesem Gremium teilnimmt.

Die GWU, die 1943 gegründet wurde, begann als Organisation der Arbeiter im Hafen und der Reparaturwerft der britischen Kriegsmarine. Inzwischen ist die Gewerkschaft in acht getrennte Sektionen aufgeteilt, die verschiedene Bereiche der Wirtschaft abdecken, darunter das Gaststättengewerbe und die Lebensmittelindustrie, den See- und Luftverkehr, Regierungs- und sonstige öffentliche Einrichtungen, den Metall- und Bausektor, andere Sektoren des verarbeitenden Gewerbes, Technik und Kommunikation sowie Fachkräfte und Dienstleistungen. Zusätzlich umfasst die GWU zwei Abteilungen, die die Interessen von Rentnern und jüngeren Arbeitnehmern wahrnehmen. In den letzten Jahren hat die GWU unter dem Stellenabbau in der traditionell stark gewerkschaftlich organisierten Werftindustrie und in bestimmten Branchen des verarbeitenden Gewerbes wie der Bekleidungs- und Textilindustrie gelitten. Zwischen 2006/2007 und 2007/2008 verlor die Gewerkschaft 4.650 Mitglieder, die höchste Zahl seiner Geschichte. Nach einer Rekrutierungskampagne ist es der Gewerkschaft aber gelungen, diesen Verlust beinahe wieder auszugleichen. Damit stellt sie nun wieder die Hälfte (50,4 %) aller Gewerkschafter in Malta.

Die UHM wurde 1966 als Gewerkschaft für Angestellte der maltesischen Regierung gegründet und hat sich seitdem ebenfalls auf andere Bereiche ausgeweitet. Heute ist sie in sechs getrennte Sektionen aufgeteilt, die Beschäftigte im öffentlichen Dienst, im öffentlichen Gesundheitswesen, im verarbeitenden Gewerbe, im IT- und Privatsektor, in Häfen und im Verkehrssektor sowie im Tourismus und Dienstleistungssektor vertreten. Daneben gibt es eine Sektion für Rentner.

Die GWU steht traditionell der sozialdemokratischen Partei (Partit Laburista) nahe und war im Zeitraum von 1978 bis 1992 mit dieser Partei gesetzlich verbunden. Die anderen Gewerkschaften stellen ihre parteipolitische Unabhängigkeit heraus, wobei der CMTU und sein Hauptmitglied, die UHM, den Ruf haben, der Mitte-Rechts-Partei Nationalist Party (PN) nahe zu stehen.

Es gibt erhebliche Rivalitäten zwischen der GWU und dem CMTU, wobei der CMTU durch den Austritt der Lehrergewerkschaft MUT geschwächt wurde. 2008 hatten die MUT und die GWU die von der Regierung angekündigten Pläne für eine Erhöhung der Energie– und Wasserpreise abgelehnt. Die von der GWU unterstützte Forderung der MUT, ein gemeinsames Gremium mit allen Gewerkschaften zu bilden, wurde vom CMTU als „ungelegen“ abgelehnt. Nach diesem Streit trat die MUT aus dem Gewerkschaftsbund aus und schloss sich der dritten Gewerkschaftsgruppe FORUM an. In den folgenden Jahren haben GWU und FORUM bei verschiedenen Gelegenheiten zusammengearbeitet und gemeinsame Sitzungen und Konferenzen organisiert.

Den Angaben des Gewerkschaftsregisters und des Nationalen Statistikamts zufolge ist zwar die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder im Zeitraum von 1996 bis 2012 von 79.100 auf 89.200 gestiegen, doch dies ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass die Zahl der Mitglieder im Ruhestand sich fast verdoppelt hat: von 4.594 (nur GWU) im Jahr 1995 auf 11.191 (GWU und UHM) im Jahr 2012. Wenn man die Zahl dieser Mitglieder abzieht, ergibt sich ein Mitgliederzuwachs (erwerbstätige Gewerkschaftsmitglieder) von 4,6 %, während die Gesamtarbeitnehmerzahl zwischen Juni 1996 und Juni 2012 um 8,3 % von 140.000 auf 151.600 gestiegen ist. Somit ist der gewerkschaftliche Organisationsgrad zwischen 1996 und 2012 von 53 auf 51 % gefallen. Die Gewerkschaften sind stärker im öffentlichen Sektor als im privatwirtschaftlichen Sektor vertreten, insbesondere im privaten Dienstleistungssektor.

L. Fulton (2013) Arbeitnehmervertretung in Europa. Labour Research Department und ETUI. Erstellt mit Unterstützung des SEEurope Netzwerks. Online-Publikation, verfügbar unter http://de.worker-participation.eu.