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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

Während sich finanzielle Beteiligungssysteme bis in die 1990er Jahre hinein vornehmlich an Führungskräfte richtete, hat seitdem der Verbreitungsgrad von Beteiligungssystemen für breite Mitarbeiterschichten zugenommen. Im Vergleich mit anderen EU-Staaten zählen die Niederlande zu den Ländern mit dem höchsten Verbreitungsgrad der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung.

Mitte der 1990er Jahre entschieden sich zahlreiche Unternehmen für das am wenigsten risikoreiche und zugleich einfachste Modell eines Aktienoptionsplans, der nur für eine kleine Gruppe von Führungskräften und höher bezahlte Mitarbeiter gilt. Möglicherweise wählten die Unternehmen Aktienbezugsrechte auch aus steuerlichen Gründen. In der Zwischenzeit haben breit angelegte Beteiligungsmodelle an Bedeutung gewonnen. Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung wird vor allem in Unternehmen mit gut entwickelter institutioneller Beteiligung und partizipativer Unternehmensführung eingesetzt.1

Im Jahr 2007 wurde die Nutzung finanzieller Mitarbeiterbeteiligung in den an der Amsterdamer Börse notierten Unternehmen untersucht. Demnach boten 62,5% der Unternehmen entsprechende Programme an. Am häufigsten waren Aktienoptionspläne, die von 41,7% der Unternehmen angeboten wurden. Ursprünglich wurden solche Programme allein für Mitglieder des Managements aufgelegt, die Zahl breit angelegter Pläne, die allen Belegschaftsangehörigen zu gute kommen sollen, hat aber seit 1990 zugenommen.2

Gewinnbeteiligung

Dem „European Company Survey“ (ECS, 2009), einer Befragung von mehr als 27.000 Personalverantwortlichen in Europa zufolge haben 27% der privaten Unternehmen in den Niederlanden mit 10 oder mehr Beschäftigten Systeme der Gewinnbeteiligung. Dies ist im europäischen Vergleich ein Spitzenwert (Durchschnittswert der 30 untersuchten europäische Länder: 14%). Lediglich in Frankreich ist die Verbreitung der Gewinnbeteiligung den Ergebnissen der Untersuchung zufolge höher. Der Verbreitungsgrad von Gewinnbeteiligungsmodellen steigt tendenziell mit zunehmender Unternehmensgröße. So hatten in den Niederlanden 25% der Unternehmen mit 10-49 Beschäftigten, 37% der Unternehmen mit 50-199 Mitarbeitern und 41% der Unternehmen mit 200 und mehr Beschäftigten ein Gewinnbeteiligungsmodell.3

Der Anteil der Beschäftigten, die an Gewinnbeteiligungsmodellen teilnehmen, beträgt gemäß den Ergebnissen der fünften Europäischen Erhebung über Arbeitsbedingungen (EWCS, 2010)4 in Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern ca. 17%. Damit liegen die Niederlande ein gutes Stück über dem europäischen Durchschnitt, der ca. 12,5% beträgt.

Dieses Ergebnis wird durch die Zahlen des Cranet-Reports 2011 bestätigt.5 Rund 59% der befragten Unternehmen (mit 100 und mehr Mitarbeitern) antworteten, dass in ihrem Unternehmen ein System der Gewinnbeteiligung bestünde. Dieser Wert liegt deutlich über dem Durchschnitt 36% unter allen untersuchten Ländern.

Die bei einer Gewinnbeteiligung erhaltenen Beträge sind lohnsteuer- und sozialabgabenpflichtig. Gewinnausschüttungen können von der Körperschaftssteuer abgesetzt werden.

Kapitalbeteiligung

Nach den Ergebnissen des „European Company Survey“ (ECS, 2009) bieten 5% der privaten niederländischen Unternehmen ihren Mitarbeitern Modelle der Kapitalbeteiligung an. Dies entspricht dem europäischen Durchschnitt von 5%.6 Der fünften Europäischen Erhebung über Arbeitsbedingungen (EWCS),7 die Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern berücksichtigt, partizipierten im Jahr 2010 ca. 3% der Beschäftigten an solchen Kapitalbeteiligungsmodellen. Damit liegen die Niederlande dieser Studie zufolge nur knapp unter dem europäischen Durchschnitt.

Sparpläne

Lohnsparpläne stellen in den Niederlanden eine sehr beliebte Form der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung dar; rd. 27% aller Arbeitnehmer beteiligen sich daran.8 Mitarbeiter können von ihrem Bruttolohn jährlich bis zu 613 Euro (2008) steuerfrei mit Hilfe eines Sparplans in Form von Bargeld oder Aktien bzw. Optionen anlegen. Für den Fall, dass Ersparnisse in Anteile am Unternehmen umgewandelt werden, liegt der Höchstbetrag bei 1.226 Euro (2008.) Dabei wird für den Arbeitgeber eine Lohnsteuerabgabe fällig, der Pauschalsteuersatz beträgt 15%. Für den Arbeitnehmer werden weder Lohnsteuer noch Sozialabgaben fällig. Damit diese Steuervergünstigungen gelten, müssen die Sparpläne für 75% der Mitarbeiter zugänglich sein und es muss eine Sperrfrist von vier Jahren gelten. Außerdem müssen die Beteiligungspläne mit einem Sparplan kombiniert werden. Daher kommen diese Kombinationen in den Niederlanden am häufigsten vor.9

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.