Home / Nationale Arbeitsbeziehungen / Länder / Norwegen / Unternehmensmitbestimmung

Unternehmensmitbestimmung

In Norwegen haben Arbeitnehmervertreter in Unternehmen mit mindestens 30 Beschäftigten Anspruch auf einen Sitz im Leitungsorgan. In Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern stellen gewählte Arbeitnehmervertreter ein Drittel der Mitglieder.

Die Arbeitnehmer in norwegischen Unternehmen mit 30 oder mehr Beschäftigten haben das Recht, Arbeitnehmervertreter in das Leitungsorgan zu wählen, in kleineren Betrieben erfolgt dies auf freiwilliger BasisDiese Vorschriften gelten mit ein paar wenigen Ausnahmen für alle Betriebe mit einer eigenen Rechtspersönlichkeit.1 In Unternehmen mit 30 bis 50 Beschäftigten haben sie Anspruch auf einen Sitz, unabhängig von der Anzahl der Mitglieder des Leitungsorgans, in Unternehmen mit 50 bis 200 Arbeitnehmern auf ein Drittel der Sitze.

 

 

Das Recht, Arbeitsdirektoren zu bestellen, ist durch verschiedene Gesetze geregelt, aber gilt für die meisten Gesellschaftsformen sowie für einige staatliche Einrichtungen wie Universitäten. Manche Wirtschaftszweige wie die Auslandsschifffahrt und die Zeitungsindustrie sind von der gesetzlichen Verpflichtung zur Bestellung von Arbeitsdirektoren befreit. In diesen Branchen gilt das Recht auf Entsendung von Arbeitnehmervertretern in das Leitungsorgan aber dennoch, da es in den betreffenden Branchentarifverträgen vorgesehen ist.

 

 

Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten sollten im Prinzip eine andere Struktur haben, nämlich eine so genannte Betriebsversammlung (bedriftsforsamling) sowie ein Leitungsorgan. Die „Betriebsversammlung“ umfasst mindestens 12 Mitglieder, zwei Drittel von ihnen werden von den Aktieninhabern und ein Drittel von und aus den Arbeitnehmern gewählt. Die „Betriebsversammlung“ hat eine allgemeine Aufsichtsfunktion und kann Entscheidungen über größere Investitionsvorhaben oder Umstrukturierungsmaßnahmen treffen. Die „Betriebsversammlung“ wählt zwei Drittel der Mitglieder des Leitungsorgans aus, ein Drittel wird auch hier von den Arbeitnehmern gewählt. Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten können jedoch entscheiden, keine „Betriebsversammlung“ einzusetzen, wenn sie sich mit Gewerkschaften, die mindestens zwei Drittel der Beschäftigten des Unternehmens vertreten, darauf einigen. In diesem Fall haben die Arbeitnehmer Anspruch auf ein weiteres Mitglied sowie zwei Beobachter zusätzlich zu der vorgesehenen Drittelbeteiligung. In der Praxis verfügen nur wenige Unternehmen mit mehr als 200 Arbeitnehmern über eine „Betriebsversammlung“.

 

 

In Unternehmen mit weniger als 200 Beschäftigten ist die Unternehmensmitbestimmung nicht automatisch vorgesehen, sondern erfolgt auf Anfrage der Arbeitnehmer. Hierfür muss entweder ein förmlicher, von mindestens 50 % der Belegschaft unterzeichneter Antrag gestellt werden oder es muss eine Mehrheitsabstimmung erfolgen, die auf Initiative des Betriebsrats oder einer der Gewerkschaften im Betrieb abgehalten wird. In Unternehmen mit mindestens 30 Arbeitnehmern, in denen ein Antrag nach diesem Verfahren gestellt wird, müssen die Arbeitnehmer am Leitungsorgan des Unternehmens beteiligt werden. In der Praxis sind Arbeitsdirektoren üblich in größeren Unternehmen, aber seltener in kleineren Unternehmen. Aus einer Umfrage des Fafo (2007) ging hervor, dass 74 % der Unternehmen mit 200 oder mehr Beschäftigten über Arbeitsdirektoren verfügten, bei Unternehmen mit 50 bis 199 Arbeitnehmern betrug dieser Anteil 59 %, und bei Unternehmen mit 30 bis 49 Beschäftigten waren es nur noch 37 %. Der Gesamtanteil für alle Unternehmen mit 30 oder mehr Beschäftigten lag bei 53 %. Diese gesetzlichen Bestimmungen gelten auch für Unternehmensgruppen, wo die Arbeitnehmer das Recht haben, Arbeitsdirektoren in das betriebsübergreifende Leitungsorgan zu bestellen. Für die Unternehmen, die auf dieser Ebene eine Arbeitnehmerbeteiligung praktizieren, ergab die Fafo-Studie ähnliche Anteile: 70 % der Unternehmen mit 200 oder mehr Beschäftigten, 65 % der Unternehmen mit 50 bis 199 Beschäftigten, 26 % der Unternehmen mit 30 bis 49 Arbeitnehmern und 52 % insgesamt verfügten über Arbeitsdirektoren.2

Arbeitsdirektoren werden von der gesamten Belegschaft gewählt und müssen selbst Arbeitnehmer sein. Die Gewerkschaften haben jedoch einen erheblichen Einfluss auf diesen Prozess, und häufig werden die führenden Gewerkschafter im Unternehmen als Arbeitnehmervertreter in das Leitungsorgan bestellt. Diese Situation hat sich aufgrund neuer gesetzlicher Bestimmungen geändert. Nach diesen Bestimmungen, die Anfang 2008 in Kraft getreten sind, sollte das Leitungsorgan zu mindestens 40 % aus Frauen bestehen. Wenn zwei oder mehr Arbeitsdirektoren in das Leitungsorgan bestellt werden, müssen laut Gesetz beide Geschlechter vertreten sein, es sei denn eines der beiden Geschlechter macht weniger als 20 % der Belegschaft aus. Dieses Gesetz gilt allerdings nur für Aktiengesellschaften (die sogenannten ASA-Unternehmen). Es gibt rund 250 ASA-Unternehmen, die circa die Hälfte aller Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft beschäftigen.

 

Arbeitsdirektoren genießen die gleichen Rechte und Befugnisse wie die anderen Mitglieder des Leitungsorgans.

L. Fulton (2013) Arbeitnehmervertretung in Europa. Labour Research Department und ETUI. Erstellt mit Unterstützung des SEEurope Netzwerks. Online-Publikation, verfügbar unter http://de.worker-participation.eu.