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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

Die häufigste Form der finanziellen Beteiligung in Portugal ist die Erfolgsbeteiligung. Kapitalbeteiligungsmodelle dagegen sind weniger verbreitet. Die finanzielle Mitarbeiterbeteiligung ist hauptsächlich im Zuge des Privatisierungsprozesses Ende der 1980er bis Mitte der 1990er Jahre entstanden. Eines der politischen Ziele dieses Prozesses bestand darin, eine breite Beteiligung der portugiesischen Bevölkerung am Kapital privatisierter Firmen zu ermöglichen. Heutzutage scheint die finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in der öffentlichen Diskussion keine besondere Bedeutung mehr zu haben.

 

Die finanzielle Beteiligung der Arbeitnehmer hat ihren Ursprung in dem Privatisierungsprozess, der 1988 in Portugal eingeleitet wurde. Eines der Ziele bestand in der Realisierung von Modellen finanziellen Mitarbeiterbeteiligung. Daher sah das Privatisierungsmodell wichtige Anreize für Arbeitnehmer und kleine Aktienzeichner vor, um Anteile privatisierter Unternehmen zu erwerben. Vor der Privatisierung gab es in Portugal keine Tradition der finanziellen Beteiligung. Lediglich Erfolgsbeteiligungssysteme existieren schon länger, da sie bereits 1969 gesetzlich eingeführt wurden. Einer der Gründe für die geringe Verbreitung von Modellen der Kapitalbeteiligung dürfte darin liegen, dass Klein- oder Kleinstbetriebe in Portugal überwiegen (75% der Unternehmen beschäftigen weniger als 10 Arbeitnehmer, die verbleibenden 25%, von denen 1,6% Aktiengesellschaften sind, verfügen über weniger als 100 Mitarbeiter).1 Andererseits neigen Familienunternehmen, die nach wie vor eine vorherrschende Stellung in der portugiesischen Wirtschaft innehaben, nur selten dazu, ihre Belegschaft am Unternehmenskapital zu beteiligen. Traditionelle Gepflogenheiten, ein eher schwach entwickelter Finanzmarkt und die Einstellung der Arbeitnehmer sind weitere wichtige Faktoren für den niedrigen Verbreitungsgrad der finanziellen Beteiligung von Arbeitnehmern.

 

Während des Privatisierungsprozesses wurden einige der zu privatisierenden Unternehmensanteile kleinen Aktienzeichnern und Mitarbeitern vorbehalten und zu Vorzugspreisen angeboten. In einigen Fällen spielte die Ausgabe von Belegschaftsaktien auch im Rahmen von Vergütungssystemen eine Rolle.2

Trotz dieser Fördermaßnahmen im Rahmen des Privatisierungsprozesses hat sich die Kapitalbeteiligung als Form der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung in Portugal bislang nicht durchgesetzt.

 

Erfolgsbeteiligungssysteme dagegen sind weiter verbreitet. Dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass die Erfolgsbeteiligung steuerrechtlich begünstigt wird, da Unternehmen ausgeschüttete Gewinne von ihrem zu versteuernden Einkommen abziehen können. Darüber hinaus sind in Portugal keine weiteren günstigen Bedingungen für Erfolgsbeteiligungssysteme geschaffen worden. Weder die Regierung noch die Gewerkschaften verfolgen aktive Strategien zur Förderung der Erfolgsbeteiligung.

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.