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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

Seit den 1970ern wurden Kapitalbeteiligungen in Form von Arbeitnehmerfonds in der politischen Öffentlichkeit Schwedens über viele Jahre hinweg kontrovers diskutiert. Den Anstoß dazu gab die „solidarische Lohnpolitik“ der Gewerkschaften. Die schwedischen Fondslösungen wurden in anderen Ländern Europas sogar als Basis für ähnliche Vorschläge verwendet.

In Schweden wurden seit Beginn der 1970er Jahre Kapitalbeteiligungen von Arbeitnehmern diskutiert. Den Auslöser dafür bildete die „solidarische Lohnpolitik“ der schwedischen Gewerkschaften, die sich am durchschnittlichen gesamtwirtschaftlichen Produktivitätszuwachs ausrichten sollte. Dies führte dazu, dass bei ertragsstarken Unternehmen nur relativ niedrige Löhne gezahlt wurden. In der Folgezeit kamen die Gewerkschaften in einen starken Legitimationsdruck gegenüber den Belegschaften dieser Betriebe. Der schwedische Gewerkschaftsbund (LO) setzte daraufhin eine Arbeitsgruppe ein, die 1975 eine „kollektive Kapitalbeteiligung der Arbeitnehmer“ als Lösung für dieses Problem vorschlug. Jede schwedische Aktiengesellschaft sollte 20% ihres Gewinns in Form von Aktienemissionen an Arbeitnehmerfonds transferieren. Es war angedacht, dass die Erträge des Fonds auch für lokale Gewerkschaftsaktivitäten und für Bildungs-, Forschungs- und Beratungszwecke zur Verfügung stehen sollten. Über die Funktion als Ergänzung der solidarischen Lohnpolitik hinaus sollte diese Form der Kapitalbeteiligung eine ausgleichende Wirkung auf die gesamtwirtschaftliche Vermögensverteilung entfalten und eine Erweiterung der Unternehmensdemokratie begünstigen.

 

1984 wurden schließlich Arbeitnehmerfonds realisiert. Diese hatten jedoch eine völlig andere Zielsetzung, die Stärkung des Pensionssystems stand im Vordergrund. Zudem mussten die Unternehmen die Gewinnabgabe nicht mehr in Form von Aktien, sondern in Geldform entrichten (rd. zwei Drittel der Fonds). Auch die Arbeitnehmer wurden über eine Anhebung der Pensionsbeiträge teilweise an der Finanzierung beteiligt (rd. ein Drittel der Fonds). Ferner wurde für die Abführung eine Frist von sieben Jahren festgelegt.1

Die Gewerkschaften sehen heute eine von den Arbeitgeberverbänden geforderte Flexibilisierung von Entgeltkomponenten kritisch. In Tarifverhandlungen war finanzielle Mitarbeiterbeteiligung bislang kaum ein Thema. Nach Meinung der Gewerkschaften sollte eine Mitarbeiterbeteiligung lediglich als zusätzliche Lohnkomponente möglich sein, keinesfalls aber einen Teil des festen Gehaltes ersetzen.

 

 

 

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.