Gewerkschaften
In Schweden ist der Anteil der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer mit 71 % sehr hoch, obwohl er im Vergleich zu 1995 (86 %) zurückgegangen ist. Es gibt in Schweden drei große Gewerkschaftsverbände, LO, TCO und SACO, die sich entsprechend der traditionellen Aufgliederung der schwedischen Arbeitnehmerschaft nach Berufs- und Bildungsgruppen voneinander abgrenzen, jedoch gut zusammenarbeiten.
In Schweden gibt es circa 3,5 Millionen Gewerkschaftsmitglieder. Und obwohl hierunter auch zahlreiche nicht erwerbstätige Mitglieder, vor allem Studenten und Rentner, sind, ist der Anteil der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer sehr hoch. Nach offiziellen Zahlen des National Mediation Office beträgt der gewerkschaftliche Organisationsgrad 71% (Stand: 2009)1 . Ähnlich hoch schätzt ihn mit 68,9 % die ICTWSS Datenbank zur Anzahl der Gewerkschaftsmitglieder ein (Stand 2010).2
In Schweden organisieren drei große Gewerkschaftsverbände jeweils unterschiedliche Personengruppen. Der größte ist die LO mit 1.528.000 Mitgliedern, die vor allem Arbeiter organisiert. Der zweitgrößte Gewerkschaftsbund, TCO, organisiert überwiegend Angestellte und zählt 1.192.500 Mitglieder, darunter 962.600 Erwerbstätige und Arbeitsuchende. Als kleinster Gewerkschaftsverband der drei großen organisiert SACO Akademiker. Von den 617.700 Mitgliedern sind 462.600 erwerbstätig (alle Angaben stammen von den Websites der Gewerkschaften und geben den Stand Ende 2010 wieder). Die Verteilung der Mitglieder auf die drei Verbände hat sich in den letzten Jahren geändert: SACO hat Mitglieder dazu gewonnen, während LO und in geringerem Maße auch TCO Mitglieder verloren haben (s. unten).
Die Beziehungen zwischen den Gewerkschaftsverbänden sind im Allgemeinen gut und Vereinbarungen zwischen Mitgliedsgewerkschaften von LO und TCO tragen zur Lösung potentieller Konflikte im Mitgliederbereich bei. Eine potentielle Konkurrenz gibt es eher zwischen TCO und SACO, da sich viele Arbeitnehmer beiden Gewerkschaften anschließen könnten.
Während LO und TCO mehr oder weniger nach Branchen organisiert sind, beruht die Struktur von SACO auf den Berufen der Mitglieder. Die beiden größten der 14 Mitgliedsgewerkschaften der LO sind die Gewerkschaft der Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst bei den Kommunen Kommunal mit 506.900 Mitgliedern, und IF Metall, die 2006 aus dem Zusammenschluss der Metallarbeitergewerkschaft und der Gewerkschaft der Industriearbeiter hervorgegangen ist. Ihr gehören 354.300 Arbeitnehmer der Metallindustrie, der Baukomponentenindustrie und der Textil- und Bekleidungsindustrie an. Außerdem gehören LO die Einzelhandelsgewerkschaft Handels mit 145.300 Mitgliedern an, die Gewerkschaft im Bereich Dienstleistung und Kommunikation, SEKO, mit 128.000 und die Bauarbeitergewerkschaft Byggnads mit 110.300 Mitgliedern.
Größtes TCO-Mitglied ist die Gewerkschaft Unionen, die aus dem Zusammenschluss von SIF, der Gewerkschaft der Verwaltungsangestellten und technischen Angestellten in der Industrie, und HTF, einer Gewerkschaft mit vielen Mitgliedern im Bereich Einzelhandel und Vertrieb, entstanden ist. Unionen wurde am 1. Januar 2008 gegründet und zählt 477.100 Mitglieder. Die zweitgrößte TCO-Mitgliedsorganisation ist die Lehrergewerkschaft Lärarförundet mit 229.400 Mitgliedern, gefolgt von der Gewerkschaft der Verwaltungsangestellten der lokalen und zentralen Regierungen, SKTF, mit 163.900 Mitgliedern. TCO umfasst 15 Einzelgewerkschaften.
Die größte Mitgliedsgewerkschaft von SACO ist Sveriges Ingenjörer, die Gewerkschaft der Diplomingenieure mit 128.700 Mitgliedern, gefolgt von der Gewerkschaft der Lehrer im höheren Schuldienst, LR mit 83.600 Mitgliedern und Jusek mit 78.600 Mitgliedern, der Rechtsanwälte, Manager, Personalleiter und Computerfachleute angehören. SACO zählt 23 Einzelgewerkschaften.
Mit dem Ende der zentralen Tarifverhandlungen verloren die Gewerkschaftsverbände zum Teil ihre Macht und die Einzelgewerkschaften haben nun größeren Spielraum und mehr Einfluss. Bei der Koordinierung der Gewerkschaftsforderungen spielen die Dachverbände jedoch noch eine Rolle (s. Abschnitt Tarifverhandlungen).
Die LO hat traditionell eine enge Beziehung zur Sozialdemokratischen Partei Schwedens, der SAP. Lokale Gewerkschaftsstrukturen können sich den lokalen Organen der SAP anschließen und der Vorsitzende der LO, ihr wichtigster Vertreter, ist Mitglied des Parteivorstandes. Die Bindungen sind etwas lockerer geworden, doch die Wahl einer Mitte-Rechts-Regierung im September 2006 hat bereits zu mehreren Zusammenstößen zwischen der LO und der Regierung geführt. Die beiden anderen Gewerkschaftsbünde betonen ihre parteipolitische Unabhängigkeit
Der Anteil der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer ist in den letzten Jahren von dem äußerst hohen Prozentsatz von 86 % im Jahre 1995 zurückgegangen, mit 71 % ist er aber immer noch hoch.
Bis zum Regierungswechsel im Jahr 2006 vollzog sich der Rückgang relativ langsam und spiegelte zum Teil die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt wider. Zwischen 2001 und 2006 hat LO 160.000 und TCO 16.000 Mitglieder verloren, während die Mitgliederzahl der akademisch geprägten SACO in demselben Fünfjahreszeitraum um 72.000 gestiegen ist. Zwischen 2006 und 2008 ist die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder jedoch stark gesunken, da die Mitte-Rechts-Regierung Anfang 2007 beschloss, den Arbeitnehmerbeitrag zur Arbeitslosenversicherung, der häufig zusammen mit dem Mitgliedsbeitrag der Gewerkschaft entrichtet wird, zu erhöhen. Infolgedessen fiel der gewerkschaftliche Organisationsgrad von 77 % (Oktober 2006) auf 73 % (Oktober 2007) und im Oktober 2008 weiter auf 71 %; 2009 blieb er allerdings unverändert im Vergleich zum Vorjahr.3 Dabei wurde in der Privatwirtschaft ein stärkerer Rückgang verzeichnet als im öffentlichen Sektor: Zwischen 2006 und 2008 bzw. 2009 fiel der gewerkschaftliche Organisationsgrad im Privatsektor von 71 % auf 65 %, im öffentlichen Sektor von 88 % auf 84 %.
In absoluten Zahlen verlor LO zwischen 2006 und 2008 193.000 und TCO 70.000 Mitglieder, während SACO, dessen Mitgliederzahl zuvor jährlich um 10.000 bis 20.000 gestiegen war, in diesem Zeitraum nur einen Anstieg von 2.300 verzeichnete. Seitdem ist bei der Entwicklung der Mitgliederzahlen eine Rückkehr zu den Trends von vor 2006 zu beobachten, mit Verlusten für die LO, die zum Teil durch Zuwächse bei anderen Gewerkschaften wettgemacht wurden: Zwischen 2008 und 2010 verlor die LO 82.000 Mitglieder, während TCO und SACO die Zahl ihrer Mitglieder um 17.000 bzw. 30.000 erhöhen konnten.
In Bezug auf die Verteilung der Gewerkschaftsmitglieder hat eine von der LO in Auftrag gegebene Untersuchung (2009) ergeben, dass der gewerkschaftliche Organisationsgrad bei Arbeitern (71 %) und Angestellten (72 %) nahezu gleich ist. Frauen, mit einem gewerkschaftlichen Organisationsgrad von 74 %, schließen sich eher einer Gewerkschaft an als Männer, die nur zu 69 % Gewerkschaftsmitglieder sind. In den Kommunal- und Regionalverwaltungen ist der Grad der gewerkschaftlichen Organisation der Beschäftigten am höchsten – er beträgt hier 85 % bei Angestellten und 83 % bei Arbeitern. Den niedrigsten Anteil an Gewerkschaftsmitgliedern verzeichnen Groß- und Einzelhandel mit 59 % bei Arbeitern und 57 % bei Angestellten.4

