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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

Internationalen Untersuchungen zufolge ist die Verbreitung von Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen in Ungarn heute äußerst gering. Dies gilt sowohl für Kapital- als auch für Erfolgsbeteiligungsmodelle.

Zwischen 1990 und 1992 wurden in 540 Unternehmen Mitarbeiter-Kapitalbeteiligungsprogramme zu Vorzugsbedingungen eingeführt.1 Nach der Verabschiedung der Rechtsvorschriften für ESOP im Jahr 1992 wurden 287 Unternehmen im Wege dieses Verfahrens privatisiert. 1993-1994 erreichten ESOP-Programme ihren Höhepunkt: Circa 47% der im Rahmen dieser Programme privatisierten Unternehmen waren vollständig oder mehrheitlich in Mitarbeiterbesitz, in 24% von ihnen waren die Beschäftigten Anteilseigner (mit einem Kapitalanteil von 25 bis 50%) mit Kontrollrechten. Bis 1998, dem letzten Jahr der Privatisierung, hatte sich diese Situation jedoch grundlegend geändert: Nur noch 1% der Vermögenswerte aller Unternehmen (mit Ausnahme der Finanzunternehmen) waren in Mitarbeiterbesitz. Und nur noch 1,2% der Arbeitnehmer waren in ESOP-Unternehmen beschäftigt. Im September 2000 hatte nur rund ein Drittel dieser Unternehmen ihre Darlehen zurückgezahlt und aufgehört, als ESOP-Unternehmen zu bestehen. In diesen Unternehmen wurde die Mitarbeiterkapitalbeteiligung in individuellen „kleinen“ Aktienbesitz umgewandelt, und die Beschäftigten konnten frei und individuell über ihre Anteile verfügen; insofern unterscheiden sie sich nicht von Unternehmen, in denen Mitarbeiter individuelle Aktieninhaber sind.

Die Zahl der Unternehmen in Ungarn mit Kapitalbeteiligungsprogrammen hat sich über die Jahre nur wenig verändert: Es „stehen“ immer noch die gleichen 5 bis 6 multinationalen Unternehmen und ihre nationalen Tochtergesellschaften „auf der Liste“. Bei den praktizierten Programmen ist in der Regel vorgesehen, dass Arbeitnehmer Anteile zu einem Vorzugspreis erwerben und in einem festgelegten Kontingent Gratisaktien erhalten können. Die Programme sind breit angelegt und somit für die breite Masse der Arbeitnehmer zugänglich, Manager können nur begrenzt daran teilnehmen. Die genaue Anzahl der Belegschaftsaktionäre unter den Arbeitnehmern ist nicht bekannt. Es ist aber davon auszugehen, dass in großen Unternehmen der verarbeitenden Industrie mehr Arbeitnehmer beteiligt sind als in anderen Branchen. In der Industrie werden je Mitarbeiter durchschnittlich Anteile im Wert von 20.00 bis 40.000 HUF (ca. 70-150 Euro) erworben. Im Finanzsektor beträgt die investierte Summe durchschnittlich 300.000 bis 500.000 HUF (ca. 1.100-1.800 Euro).2


 

1994

1995

2000

2005

2009

2010*

Unternehmen mit Mitarbeiterkapitalbeteiligung

269

303

263

138

107

84

Gesamtzahl Unternehmen

1.059.849

1.115.3561

1.175.480

1.298.989

1.686.351

1.562.750

*Januar-November

Quelle: Nach Angaben von László Neumann und Dorottya Boda, Institute of Social Policy and Labour, Februar 2011

 


 

Laut Ergebnissen der fünften Europäischen Erhebung über Arbeitsbedingungen (EWCS) aus dem Jahr 2010 gehört Ungarn zu den EU-Mitgliedstaaten, in denen Kapitalbeteiligungsprogramme in privatwirtschaftlichen Unternehmen mit 0,6% am wenigsten verbreitet sind. Der Verbreitungsgrad von Erfolgsbeteiligungsmodellen in der ungarischen Privatwirtschaft liegt laut EWCS mit 7,7% ebenfalls unter dem europäischen Durchschnitt von ca. 12,5%.3 Nach den Befunden des „European Company Survey“ (ECS), einer Befragung von mehr als 27.000 Personalverantwortlichen in Europa (2009) beträgt die Verbreitung von Kapitalbeteiligungsmodellen in privaten Unternehmen mit 10 und mehr Beschäftigten 4%. Gewinnbeteiligungen sind demgegenüber weiter verbreitet. Dem ECS zufolge sind sie in 13% der ungarischen privaten Unternehmen mit 10 und mehr Beschäftigten zu finden. Das entspricht in etwa dem europäischen Durchschnitt. Der Verbreitungsgrad variiert mit der Unternehmensgröße. 13% der Unternehmen mit 10-49 Beschäftigten, 11% der Unternehmen mit 50-199 Mitarbeitern und 17% der Unternehmen mit 200 und mehr Beschäftigten ein Gewinnbeteiligungsmodell.4

Die CRANET-Studie aus dem Jahr 2011 kommt zu dem Ergebnis, dass in Ungarn in nur 4% der befragten Unternehmen (mit 100 und mehr Mitarbeitern) Modelle der Erfolgsbeteiligung existieren.5 Dies ist der niedrigste Wert unter allen 27 aufgeführten Ländern. Für die Studie wurden in 29 Ländern Personalverantwortliche zur Verbreitung von finanziellen Mitarbeiterbeteiligungsmodellen in ihren Unternehmen befragt.

Gemäß einer im Jahr 2009 vom ungarischen Statistischen Zentralamt durchgeführten Untersuchung zur Erwerbstätigkeit halten nur 0,4% der Arbeitnehmer Anteile an ihrem Unternehmen. Von den wenigen Belegschaftsaktionären arbeiten 34% in der Industrie und 44% im Dienstleistungssektor, 47% in privaten Firmen und 19% in staatseigenen Unternehmen. Nur 27% arbeiten in großen Firmen, 32% in mittleren Unternehmen und 22% in kleinen und Kleinstunternehmen.6

2010 nahm die erste umfassende ungarische Erhebung zum Thema Arbeitsbeziehungen auch die Verbreitung von finanzieller Mitarbeiterbeteiligung ins Blickfeld.7 Anreizsysteme für Manager und Führungskräfte sind am weitesten verbreitet. Der Anteil von Beschäftigten, die Anteilseigner der arbeitgebenden Unternehmen sind, ist in großen Unternehmen (mit mehr als 250 Mitarbeitern) in ausländischem Besitz am häufigsten zu finden. Üblich sind solche Modelle zudem in gewerkschaftlich organisierten Hochlohnunternehmen.

Erfolgsbeteiligungen bestehen gemäß der Erhebung zum Thema Arbeitsbeziehungen aus dem Jahr 2010 in 20% der Unternehmen mit 10 oder mehr Beschäftigten. 15% der betreffenden Unternehmen bieten sowohl Erfolgsbeteiligungs- als auch Kapitalbeteiligungspläne an. Vor allem große Unternehmen in ausländischem Besitz verwenden Erfolgsbeteiligungen als kurzfristiges Anreizsystem. In den meisten Fällen (bei 54% der Unternehmen) erhalten nur die Manager Boni (in Abhängigkeit vom wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen), während 14% der Erfolgsbeteiligungsprogramme für alle Mitarbeiter gelten. Zumeist werden die Beteiligungsregeln betrieblich festgelegt (48%), relative oft werden keinerlei Regeln vor der Auszahlung festgesetzt (38%) und nur in 7% der Unternehmen wird die Beteiligung per Tarifvertrag geregelt.8

Genossenschaften spielen heutzutage nur eine unbedeutende Rolle in der ungarischen Wirtschaft. Zum 31. Dezember 2004 waren 5.219 (der insgesamt 416.000 amtlich eingetragenen Gesellschaften in Ungarn) eingetragene, in Betrieb befindliche Genossenschaften. 2.607 von ihnen beschäftigten keine Arbeitnehmer, und die Zahl der Beschäftigten der übrigen 2.612 Genossenschaften entsprach lediglich 0,2% der Arbeitnehmerschaft.

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.