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Betriebliche Interessensvertretung

In Zypern werden die Arbeitnehmer auf betrieblicher Ebene durch die Gewerkschaften vertreten. Die diesbezüglichen Regelungen richten sich nach den spezifischen Gegebenheiten in den einzelnen Betrieben.

Die Vertretung in zyprischen Betrieben erfolgt durch die Gewerkschaftsorgane. In Betrieben mit mehr als 10 Beschäftigten wird außerdem ein von der Belegschaft gewählter Ausschuss für Gesundheitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz eingesetzt. Abgesehen davon gibt es kein Arbeitnehmervertretungsorgan.

 

Ebenso wie die anderen Bereiche der Arbeitsbeziehungen in Zypern ist die Arbeitnehmervertretung auf betrieblicher Ebene nicht im Einzelnen gesetzlich geregelt. Im Kodex über Arbeitsbeziehungen wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Arbeitgeber gegenseitige Konsultationen aufnehmen sollte, falls die Gewerkschaft oder die Beschäftigten der Ansicht sind, dass eine Entscheidung nachteilige Folgen für sie (die Beschäftigten) haben oder sich auf ihre Beziehungen mit dem Arbeitgeber auswirken könnte. Ein 2005 eingeführtes Gesetz zur Umsetzung der EU-Richtlinie über Unterrichtung und Anhörung hat den gesetzlichen Rahmen der betrieblichen Interessenvertretung weiter verstärkt.

 

In der Praxis befassen sich die lokalen Gewerkschaftsstrukturen mit Missständen, die von Beschäftigten gemeldet werden, mit den Vorschlägen des Arbeitgebers und mit den täglichen Belangen am Arbeitsplatz.

 

Zahlen und Struktur

 

Die Arbeitnehmervertretung im Betrieb erfolgt durch die Gewerkschaft. Die Anzahl der Mitglieder des lokalen Ausschusses richtet sich nach der Gewerkschaft und den Gegebenheiten am Arbeitsplatz. Die Gewerkschaftsausschüsse halten in der Regel gemeinsame Sitzungen mit der Geschäftsleitung ab. Dieses bleibt trotz der Gesetzgebung von 2005 zur Umsetzung der EU-Richtlinie über Unterrichtung und Anhörung unverändert, da nur erforderlich ist, dass das Management und die schon bestehenden betrieblichen Arbeitnehmervertreter (die Gewerkschaften) angemessene praktische Maßnahmen für die Unterrichtung und Anhörung der Belegschaft vereinbaren. Neue Strukturen werden nicht geschaffen.

 

Die Rechtsvorschriften von 2005 gelten seit März 2008 für Betriebe, die 30 oder mehr Arbeitnehmer beschäftigen. Davor galten höhere Schwellenwerte.

 

Aufgaben und Rechte

 

Gewerkschaftsausschüsse befassen sich meist mit Fragen wie Gesundheitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz, Arbeitsorganisation, Arbeitsdisziplin und die Einhaltung des Tarifvertrags. Ferner sieht der Kodex über Arbeitsbeziehungen vor, dass der Arbeitgeber bei Massenentlassungen die Gewerkschaft so früh wie möglich unterrichten und Konsultationen mit ihr aufnehmen muss. Die Rechte auf Unterrichtung und Anhörung der lokalen Gewerkschaftsausschüsse werden durch das Gesetz zur Information und Konsultation von 2015 gestärkt, da Informationen über die Entwicklung des Unternehmens zur Verfügung gestellt werden sollen und da der Gewerkschaftsausschuss zu Fragen, die Auswirkungen auf die Beschäftigung oder Arbeitsorganisation haben, angehört werden soll. Hierbei müssen die oben erwähnten Beschäftigungsschwellenwerte berücksichtigt werden.

 

In Betrieben, in denen die Tarifverhandlungen auf betrieblicher Ebene geführt werden, kann der lokale Ausschuss daran beteiligt werden; aber meist übernimmt ein hauptamtlicher Gewerkschaftsfunktionär die führende Rolle.

 

Der Ausschuss stellt außerdem das Verbindungsglied zu den Gewerkschaftsstrukturen dar. Er ermutigt die Beschäftigten, der Gewerkschaft beizutreten, und holt im Bedarfsfall die Unterstützung und den Rat der hauptamtlichen Gewerkschaftsfunktionäre ein.

 

Wahl und Amtszeit

 

Die betrieblichen Gewerkschaftsvertreter werden von der Mitgliederversammlung gewählt. In der Regel beträgt ihre Amtszeit ein Jahr.

 

Kündigungsschutz

 

Es gibt keine besonderen gesetzlichen Kündigungsschutzbestimmungen für Gewerkschaftsvertreter auf betrieblicher Ebene, aber es ist gesetzeswidrig, einen Arbeitnehmer aufgrund gewerkschaftlicher Tätigkeiten zu diskriminieren.

 

Freistellung und Mittel

 

Gewerkschaftsvertreter haben allgemeine Rechte, um ihre Aufgaben wahrzunehmen, und in größeren Betrieben wird der Gewerkschaft ein Raum zur Verfügung gestellt und eine begrenzte Freistellung gewährt. In Banken und einigen öffentlichen Versorgungseinrichtungen wird der Hauptgewerkschaftsvertreter vollständig von seinen beruflichen Pflichten befreit.

 

Vertretung auf betriebsübergreifender Ebene

 

Es gibt keine Rechtsvorschriften für die Vertretung auf betriebsübergreifender Ebene.

L. Fulton (2015) Worker representation in Europe. Labour Research Department and ETUI. Produced with the assistance of the SEEurope Network, online publication available at http://www.worker-participation.eu/National-Industrial-Relations.