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Arbeitnehmervertretung im Bereich des Arbeitsschutzes

Gemäß den EU-Rechtsvorschriften muss es in allen Mitgliedstaaten Strukturen für die Arbeitnehmervertretung im Bereich des Arbeitsschutzes geben. Diese Strukturen sind jedoch unterschiedlich organisiert. Am weitesten verbreitet ist die Kombination von Arbeitsschutzbeauftragten - Arbeitnehmervertretern mit Befugnissen im Arbeitsschutzbereich - und einem gemeinsamen Ausschuss aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern, aber in manchen Ländern gibt es nur einen gemeinsamen Ausschuss, in anderen nur Arbeitsschutzbeauftragte und wiederum in anderen werden diese Aufgaben hauptsächlich vom Betriebsrat wahrgenommen. Die Bestellung der Arbeitsschutzbeauftragten erfolgt ebenfalls nach unterschiedlichen Verfahren: In etwa der Hälfte der Länder werden sie direkt von der Belegschaft gewählt, in anderen werden sie von den im Betrieb vorhandenen Vertretungsorganen wie den Gewerkschaften oder Betriebsräten ernannt. Auch bei der Mindestarbeitnehmerzahl für die Wahl von Arbeitsschutzbeauftragten und die Errichtung von Arbeitsschutzausschüssen sowie bei ihren Befugnissen sind Unterschiede zu beobachten.

 

 

Nach der Richtlinie des Rates 89/391 über Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz aus dem Jahr 1989 müssen alle Mitgliedstaaten sicherstellen, dass die Arbeitnehmer zu Fragen des Arbeitsschutzes unterrichtet und angehört werden und sie die Möglichkeit haben, Vorschläge für Verbesserungen und Änderungen zu unterbreiten. Diese Konsultation kann mit den Arbeitnehmervertretern und/oder mit den Arbeitnehmern selbst erfolgen, und die Bestimmungen der Richtlinie weisen darauf hin, dass diesen Vertretern angemessene Rechte und Schutzmaßnahmen gewährt werden müssen.

 

Innerhalb dieses europäischen Rechtsrahmens gibt es bestimmte Elemente der Arbeitnehmervertretung in Fragen des Arbeitsschutzes, die allen EU-Mitgliedstaaten gemeinsam sind. Es bestehen aber auch viele Aspekte, die unterschiedlich gestaltet sind. Diese Unterschiede spiegeln einerseits die Entwicklungen im Bereich des Arbeitsschutzes in den einzelnen Mitgliedstaaten wider – in vielen von ihnen gab es bereits lange vor der Richtlinie von 1989 Arbeitsschutzgesetze - und andererseits die allgemeinen Strukturen der Mitgliedstaaten im Bereich der Arbeitnehmervertretung.

 

Vertretungsstrukturen

 

Bei der Arbeitnehmervertretung im Bereich des Arbeitsschutzes lassen sich vier große Kategorien unterscheiden. Diese sind jedoch aufgrund der besonderen nationalen Merkmale der einzelnen Systeme nicht immer klar voneinander abzugrenzen.

 

Die häufigste Form der Arbeitnehmervertretung in Fragen des Arbeitsschutzes besteht in einer Kombination von Arbeitsschutzbeauftragten, das heißt gewählten oder auf andere Weise ernannten Arbeitnehmern, die spezifische Rechte wahrnehmen, und in größeren Betrieben normalerweise einem gemeinsamen Arbeitsschutzausschuss aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern. Bei den Mitgliedern des gemeinsamen Ausschusses auf Arbeitnehmerseite handelt es sich in der Regel um die betrieblichen Arbeitsschutzbeauftragten, auf Arbeitgeberseite nehmen der Arbeitgeber (oder sein Vertreter) sowie die Fachkräfte für Gesundheitsschutz und Sicherheit im Betrieb (Betriebsarzt, Fachkraft für Arbeitssicherheit usw.) und in manchen Fällen auch andere Führungskräfte an dem Ausschuss teil.

 

Dieses Modell ist in 13 Ländern zu finden (Zypern, Estland, Finnland, Kroatien, Ungarn, Irland, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakische Republik, Spanien, Schweden und das Vereinigte Königreich), allerdings mit einigen erheblichen Unterschieden. In Ungarn beispielsweise kann auch ein Arbeitsschutzausschuss eingerichtet werden, der sich ausschließlich aus Arbeitnehmervertretern zusammensetzt. In Portugal kann ein gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss nur in Betrieben errichtet werden, wenn dafür eine Kollektivvereinbarung abgeschlossen wurde. In Irland und im VK wird ein gemeinsamer Ausschuss nur auf Anfrage der Arbeitnehmervertreter gebildet. Im VK gelten ferner unterschiedliche Regelungen für gewerkschaftlich organisierte und gewerkschaftsfreie Betriebe: In letzteren entscheidet der Arbeitgeber, ob Arbeitsschutzbeauftragte ernannt werden oder nicht, und diese haben nicht das Recht, die Errichtung eines gemeinsamen Ausschusses zu fordern. In Polen besteht ein System mit einem gemeinsamen Ausschuss und gewählten Arbeitsschutzbeauftragten, aber diese können nur in gewerkschaftlich organisierten Betrieben gewählt werden.

 

Das zweite Modell sieht vor, dass die Arbeitnehmerinteressen im Bereich des Arbeitsschutzes ausschließlich von den Arbeitnehmervertretern in einem gemeinsamen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Ausschuss für Arbeitsschutz wahrgenommen werden, und nicht durch eigens zu diesem Zweck bestellte Arbeitsschutzbeauftragte mit eigenen Rechten. Dieses Modell ist in fünf Ländern zu finden (Belgien, Bulgarien, Dänemark, Frankreich und Litauen). In Belgien und Frankreich werden in Betrieben, deren Arbeitnehmerzahl unter der Mindestzahl für die Errichtung eines gemeinsamen Ausschusses liegt, Arbeitsschutzaufgaben auch von anderen betrieblichen Vertretungsstrukturen wahrgenommen - in Belgien von der Gewerkschaft und in Frankreich von den Belegschaftsvertretern.

 

Bei der dritten Variante erfolgt die Arbeitnehmervertretung im Bereich des Arbeitsschutzes nur durch Arbeitsschutzbeauftragte und nicht durch einen gemeinsamen Ausschuss. Dieses Modell besteht in fünf Ländern (Tschechische Republik, allerdings mit den unten beschriebenen Besonderheiten, Griechenland, Italien, Lettland und Malta). In Griechenland und Lettland wird in größeren Betrieben auch ein Arbeitsschutzausschuss eingerichtet, der ausschließlich Arbeitnehmervertreter umfasst. In den Ländern dieser Gruppe gibt es kein gemeinsames Gremium im Sinne eines Ausschusses, aber in Griechenland und in Italien schreiben die Gesetze vor, dass der Arbeitgeber und die Arbeitsschutzbeauftragten regelmäßig zusammentreten - in Griechenland einmal vierteljährlich und in Italien einmal pro Jahr.

 

Die Tschechische Republik gehört insofern zu dieser Ländergruppe, als es hier keine gemeinsamen Arbeitsschutzausschüsse aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern gibt. Nach den tschechischen Rechtsvorschriften erfolgt die Arbeitnehmervertretung im Bereich des Arbeitsschutzes entweder durch gewählte Arbeitsschutzbeauftragte oder durch die betriebliche Gewerkschaftsorganisation. Arbeitsschutzbeauftragte werden auf Anfrage der Arbeitnehmer gewählt (mindestens ein Drittel der Belegschaft muss sich dafür aussprechen), und es ist möglich, dass in einem Betrieb Gewerkschaftsvertreter mit Arbeitsschutzaufgaben und gewählte Arbeitsschutzbeauftragte nebeneinander existieren, wenn auch mit etwas anderen Befugnissen.

 

Das vierte Modell schließlich sieht vor, dass Fragen des Arbeitsschutzes hauptsächlich im Betriebsrat oder in einem Unterausschuss des Betriebsrats behandelt werden. Zu dieser Gruppe gehören fünf Länder (Österreich, Deutschland, Luxemburg, die Niederlande und Slowenien), die jedoch erhebliche Unterschiede aufweisen. In den Niederlanden und in Slowenien gibt es keine anderen Gremien als den Betriebsrat sowie, in manchen Fällen, einen Unterausschuss des Betriebsrats. In Österreich und Deutschland hingegen bestehen zusätzlich zum Betriebsrat ein gemeinsamer Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Ausschuss für Arbeitsschutz sowie Arbeitsschutzbeauftragte, das heißt Arbeitnehmer, die das Vertrauen ihrer Kollegen genießen. Luxemburg ist das einzige Land in dieser Gruppe, in dem der Betriebsrat nicht nur Arbeitnehmervertreter umfasst. In luxemburgischen Unternehmen wird außerdem ein Arbeitnehmervertreter zum Arbeitsschutzbeauftragten bestellt, und die Personaldelegierten im Betrieb nehmen ebenfalls bestimmte Aufgaben im Bereich des Arbeitsschutzes wahr.

 

Auswahlverfahren

 

Die Länder unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich der Strukturen der Arbeitnehmervertretung sondern auch in Bezug auf die Art und Weise, wie die mit Arbeitsschutz beauftragten Arbeitnehmervertreter ausgewählt werden. In 13 Ländern (Belgien, Bulgarien, Zypern, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Kroatien, Ungarn, Griechenland, Lettland, Litauen, Portugal und Rumänien) werden sie von der Belegschaft gewählt. In Irland und Malta sehen die gesetzlichen Bestimmungen vor, dass sie von den Beschäftigten ausgewählt werden, aber präzisieren nicht, dass dafür eine Wahl stattfinden muss. (In Malta bestellt der Arbeitgeber den Arbeitsschutzbeauftragten wenn die Arbeitnehmer keinen Vertreter dafür auswählen.)

 

In Schweden und im VK werden die Arbeitsschutzbeauftragten von der Gewerkschaft bestellt oder, in gewerkschaftsfreien Betrieben, von der gesamten Belegschaft gewählt, im VK allerdings nur wenn der Arbeitgeber dies entscheidet. In Italien werden Arbeitsschutzbeauftragte in kleinen Unternehmen gewählt und in größeren Unternehmen von der Gewerkschaft bestellt. In der Slowakischen Republik werden sie auf Empfehlung der Gewerkschaft oder des Betriebsrats bestellt; nur in Betrieben, in denen es weder eine Gewerkschaft noch einen Betriebsrat gibt, werden sie von der Belegschaft gewählt. In der Tschechischen Republik ernennt die Gewerkschaft die Arbeitsschutzbeauftragten, aber die Beschäftigten können auch Vertreter wählen, wenn sie dies wünschen. In Polen werden die Arbeitnehmervertreter im gemeinsamen Ausschuss von der Gewerkschaft oder – in nicht gewerkschaftlich organisierten Betrieben – von der Belegschaft gewählt; Arbeitsschutzbeauftragte gibt es hier nur in gewerkschaftlich organisierten Betrieben und diese werden von der gesamten Belegschaft gewählt.

 

In Luxemburg und Spanien werden die Arbeitsschutzbeauftragten von den Arbeitnehmervertretern im Betrieb bestellt. Das Gleiche gilt in Österreich und in Deutschland für die Arbeitnehmervertreter im gemeinsamen Arbeitsschutzausschuss, aber nicht für die mit Arbeitsschutzaufgaben betrauten Arbeitnehmer (Sicherheitsvertrauenspersonen bzw. Sicherheitsbeauftragte), die in beiden Ländern vom Arbeitgeber bestellt werden. In Österreich unterliegt ihre Bestellung der Zustimmung des Betriebsrats, in Deutschland muss der Betriebsrat darüber informiert werden, aber die letztendliche Entscheidung liegt beim Arbeitgeber.

 

In den Niederlanden und in Slowenien bestellt der Betriebsrat die Mitglieder seines Unterausschusses für Arbeitsschutz (sofern ein solcher eingerichtet wird) und stellt die Mehrheit der Mitglieder des Ausschusses.

 

In der nachfolgenden Tabelle ist die Situation in jedem Land zusammenfassend beschrieben, wobei diese Darstellung notwendigerweise stark verkürzt ist. Die einzelnen Länderberichte vermitteln ein umfassenderes Bild.

 

Land

 

 

Wichtigste Vertretungsform

 

 

Verfahren für die Auswahl der Arbeitnehmervertreter

 

 

Belgien

 

 

Gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss

 

 

Gewählt

 

 

Bulgarien

 

 

Gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss

 

 

Gewählt

 

 

Dänemark

 

 

Gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss/Gemeinsame Arbeitsschutzgruppe

 

 

Gewählt

 

 

Deutschland

 

 

Betriebsrat plus gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss und Arbeitnehmer mit Arbeitsschutzaufgaben (SIB)

 

 

Betriebsrat wird gewählt; Betriebsratsmitglieder nehmen am Arbeitsschutzausschuss teil; SIB werden vom Arbeitgeber bestellt

 

 

Estland

 

 

Arbeitsschutzbeauftragte und gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss

 

 

Gewählt

 

 

Finnland

 

 

Arbeitsschutzbeauftragte und gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss

 

 

Gewählt

 

 

Frankreich

 

 

Gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss

 

 

Gewählt

 

 

Griechenland

 

 

Arbeitsschutzbeauftragte und Arbeitnehmerausschuss für Arbeitsschutz

 

 

Gewählt

 

 

Irland

 

 

Arbeitsschutzbeauftragte und gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss

 

 

Von den Arbeitnehmern bestellt

 

 

Italien

 

 

Arbeitsschutzbeauftragte

 

 

In kleinen Unternehmen von den Arbeitnehmern gewählt; in größeren Unternehmen von der Gewerkschaft bestellt

 

 

Kroatien

 

 

Arbeitsschutzbeauftragte und gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss

 

 

Gewählt

 

 

Lettland

 

 

Arbeitsschutzbeauftragte und Arbeitnehmerausschuss für Arbeitsschutz

 

 

Gewählt

 

 

Litauen

 

 

Gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss

 

 

Gewählt

 

 

Luxemburg

 

 

Betriebsrat (in kleineren Unternehmen Personaldelegierte) plus Arbeitsschutzbeauftragter

 

 

Betriebsrat und Personaldelegierte werden gewählt; Arbeitsschutzbeauftragter wird von den Personaldelegierten bestellt

 

 

Malta

 

 

Arbeitsschutzbeauftragte

 

 

Von den Arbeitnehmern bestellt, bzw. vom Arbeitgeber, wenn Arbeitnehmer keinen Arbeitsschutzbeauftragten bestellen

 

 

Niederlande

 

 

Betriebsrat plus Unterausschuss aus Arbeitnehmervertretern

 

 

Betriebsrat wird gewählt; Mitglieder des Unterausschusses werden vom Betriebsrat bestellt

 

 

Österreich

 

 

Betriebsrat plus gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss und Arbeitnehmer mit Arbeitsschutzaufgaben (SVP)

 

 

Betriebsrat wird gewählt; Betriebsratsmitglieder nehmen am Arbeitsschutzausschuss teil; SVP werden vom Arbeitgeber mit Zustimmung des Betriebsrats bestellt

 

 

Polen

 

 

Gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss plus Arbeitsschutzbeauftragte in gewerkschaftlich organisierten Betrieben

 

 

Ausschussmitglieder werden von Gewerkschaft bestellt oder, in gewerkschaftsfreien Betrieben, gewählt; Arbeitsschutzbeauftragte werden von der Belegschaft gewählt

 

 

Portugal

 

 

Arbeitsschutzbeauftragte und gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss (sofern vorgesehen im Kollektivvertrag)

 

 

Gewählt

 

 

Rumänien

 

 

Arbeitsschutzbeauftragte und gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss

 

 

Gewählt

 

 

Schweden

 

 

Arbeitsschutzbeauftragte und gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss

 

 

Von der Gewerkschaft bestellt oder, in gewerkschaftsfreien Betrieben, gewählt

 

 

Slowakischen Republik

 

 

Arbeitsschutzbeauftragte und gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss

 

 

Auf Empfehlung der Gewerkschaft oder des Betriebsrats bestellt; gewählt in Betrieben ohne Gewerkschaft und Betriebsrat

 

 

Slowenien

 

 

Betriebsrat plus Unterausschuss aus Arbeitnehmervertretern; in betriebsratslosen Betrieben Arbeitsschutzbeauftragte

 

 

Betriebsrat wird gewählt; Mitglieder des Unterausschusses werden vom Betriebsrat bestellt; Arbeitsschutzbeauftragte (in betriebsratslosen Betrieben) werden gewählt

 

 

Spanien

 

 

Arbeitsschutzbeauftragte und gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss

 

 

Von und aus den Reihen der Arbeitnehmervertreter im Betrieb bestellt; in Betrieben ohne Arbeitnehmervertreter direkt gewählt

 

 

Tschechische Republik

 

 

Gewerkschaftsstrukturen und/oder Arbeitsschutzbeauftragte

 

 

Gewerkschaften treffen ihre eigene Wahl; Arbeitsschutzbeauftragte werden gewählt

 

 

Ungarn

 

 

Arbeitsschutzbeauftragte plus Arbeitnehmerausschuss für Arbeitsschutz und gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss

 

 

Gewählt

 

 

Vereinigtes Königreich

 

 

Arbeitsschutzbeauftragte und gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss; in gewerkschaftsfreien Betrieben kein gemeinsamer Ausschuss und weniger Befugnisse für die Arbeitsschutzbeauftragten

 

 

Von der Gewerkschaft bestellt oder, in gewerkschaftsfreien Betrieben, auf Initiative des Arbeitgebers gewählt

 

 

Zypern

 

 

Arbeitsschutzbeauftragte und gemeinsamer Arbeitsschutzausschuss

 

 

Gewählt

 

Mindestarbeitnehmerzahl

 

In den einzelnen Ländern gelten unterschiedliche Mindestarbeitnehmerzahlen für die Bestellung von Arbeitsschutzbeauftragten und die Errichtung von Arbeitsschutzausschüssen (siehe Tabelle).

 

In sieben der 20 Länder mit Arbeitsschutzbeauftragten ist keine Mindestarbeitnehmerzahl für ihre Bestellung vorgeschrieben und in Polen können sie nur in gewerkschaftlich organisierten Betrieben bestellt werden. Von den übrigen Ländern sehen fünf entweder in ihren gesetzlichen Bestimmungen oder in der Praxis eine Mindestarbeitnehmerzahl von 10 bzw. 11 (Österreich) vor. In Zypern, Lettland und Schweden liegt diese Zahl bei fünf, in Spanien bei sechs, in Luxemburg bei 15, In Kroatien bei 20 und in Ungarn bei 50. In Deutschland gilt eine Mindestarbeitnehmerzahl von 20, aber hier sind die Arbeitsschutzbeauftragten keine Arbeitnehmervertreter.

 

In 19 Ländern gibt es eine Mindestarbeitnehmerzahl für die Errichtung eines gemeinsamen Arbeitsschutzausschusses, aber hier sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern geringer. Am häufigsten (in zehn Ländern) wird eine Mindestarbeitnehmerzahl von 50 vorgeschrieben. In Zypern und Dänemark liegt diese Zahl bei 10 und in Finnland und Deutschland bei 20. Am anderen Ende der Skala stehen die Slowakische Republik und Österreich mit einer Mindestarbeitnehmerzahl von 100 (in Österreich liegt diese Zahl in Unternehmen mit Büroarbeitsplätzen bei 250) sowie Polen mit 250. In Irland, Portugal und im VK gibt es keine Vorgaben für die Mindestarbeitnehmerzahl.

 

In zwei Ländern besteht der Arbeitsschutzausschuss ausschließlich aus Arbeitnehmervertretern: In Griechenland wird dieser Ausschuss errichtet, wenn mindestens 50 Arbeitnehmer im Betrieb beschäftigt sind und in Lettland wenn mindestens 10 Arbeitsschutzbeauftragte im Betrieb bestellt wurden.

 

Land

 

 

Mindestarbeitnehmerzahl für die Bestellung von Arbeitsschutzbeauftragten

 

 

Mindestarbeitnehmerzahl für die Errichtung eines Ausschusses

 

 

Belgien

 

 

 

50

 

 

Bulgarien

 

 

 

Keine für Arbeitsschutzgruppe / 50 für Arbeitsschutzausschuss

 

 

Kroatien

 

 

20

 

 

50

 

 

Dänemark

 

 

 

10 (35 für zweistufige Struktur)

 

 

Deutschland

 

 

20 – aber SIB sind keine Arbeitnehmervertreter

 

 

20

 

 

Estland

 

 

10

 

 

50

 

 

Finnland

 

 

10

 

 

20

 

 

Frankreich

 

 

 

50

 

 

Griechenland

 

 

Keine

 

 

50 (nur Arbeitnehmer)

 

 

Irland

 

 

Keine

 

 

K.A.

 

 

Italien

 

 

Keine

 

 

 

Lettland

 

 

5

 

 

 

Litauen

 

 

 

50

 

 

Luxemburg

 

 

15

 

 

 

Malta

 

 

10 – in der Praxis

 

 

 

Niederlande

 

 

Nur durch Betriebsrat

 

 

Österreich

 

 

11

 

 

100 (250 in Büros)

 

 

Polen

 

 

Nur in gewerkschaftlich organisierten Betrieben

 

 

250

 

 

Portugal

 

 

Keine

 

 

K.A.

 

 

Rumänien

 

 

10

 

 

50

 

 

Schweden

 

 

5

 

 

50

 

 

Slowakischen Republik

 

 

Keine

 

 

100

 

 

Slowenien

 

 

Nur durch Betriebsrat

 

 

Spanien

 

 

6

 

 

50

 

 

Tschechischen Republik

 

 

10 oder Gewerkschaft

 

 

 

Ungarn

 

 

50

 

 

50

 

 

Vereinigtes Königreich

 

 

Keine

 

 

K.A.

 

 

Zypern

 

 

5

 

 

10

 

Weitere Unterschiede

 

In den meisten Ländern sind die Arbeitsschutzbeauftragten nur für die Arbeitsstätte oder das Unternehmen zuständig, in der/dem sie beschäftigt sind. Nur in zwei Ländern gibt es noch eine andere Regelung: In Italien kann für kleinere Betriebe, die keinen eigenen Sicherheitsbeauftragten haben, ein so genannter “regionaler Sicherheitsbeauftragter” bestellt werden. Und in Schweden bestehen neben betrieblichen Sicherheitsbeauftragten regionale Sicherheitsbeauftragte, die für Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten zuständig sind.

 

Durch die Vorgaben der EU-Richtlinie weisen die Aufgaben und Rechte der Arbeitnehmervertreter und Ausschüsse im Bereich des Arbeitsschutzes zahlreiche Gemeinsamkeiten auf, aber es bestehen auch einige Unterschiede.

 

Ein wichtiger Aspekt ist die Frage, ob sie das Recht haben, eine Arbeitsunterbrechung anzuordnen, das über die Bestimmungen der Richtlinie hinausgeht. Diese besagen, dass Arbeitnehmer nicht benachteiligt werden dürfen, wenn sie bei “ernster und unmittelbarer Gefahr” für die eigene Sicherheit bzw. die Sicherheit anderer Personen die geeigneten Maßnahmen treffen, um die Folgen einer solchen Gefahr zu vermeiden.

 

In folgenden Ländern haben die Arbeitnehmer ausdrücklich Befugnisse, die über die Bestimmungen der Richtlinie hinaus gehen: Dänemark (die gemeinsame Sicherheitsarbeitsgruppe hat das Recht, eine Arbeitsunterbrechung anzuordnen), Estland, Finnland, Polen, Spanien (hier wird dieses Recht von den betrieblichen Arbeitnehmervertretungsorganen wahrgenommen) und Schweden.

 

Die einzelnen Länderdarstellungen enthalten mehr Einzelheiten über die Aufgaben und Rechte der Arbeitnehmervertreter und Ausschüsse im Bereich des Arbeitsschutzes sowie über ihre Freistellungsansprüche und ihren Kündigungsschutz.

L. Fulton (2013) Health and Safety Representation in Europe. Labour Research Department and ETUI (online publication, available at www.worker-participation.eu/National-Industrial-Relations)