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Erfolgsbeteiligung

Die einfachste Form einer finanziellen Beteiligung von Mitarbeitern ist die Erfolgsbeteiligung. Diese lässt sich als eine kollektive Regelung verstehen, die zusätzlich zum vereinbarten Lohn ein (meist jährlich gezahltes) variables Einkommen, abhängig vom Erfolg des Unternehmens, gewährt wird.

Diese Praxis gibt es in vielen Unternehmen, auch wenn sie nicht überall vertraglich festgeschrieben wird, sondern in freier Entscheidung der Unternehmensführung praktiziert wird.

Eine Erfolgsbeteiligung kann entweder direkt ausgezahlt werden oder aber in bestimmte Anlageformen für spätere Auszahlung gelenkt werden. Grundsätzlich lassen sich folgende Modelle unterscheiden:

 

  • Erfolgsbeteiligung über Bonusauszahlung („cash-based profit sharing“)
  • Erfolgsbeteiligung mit verzögerter Auszahlung/Sparplan („deferred profit sharing“)
  • Erfolgsbeteiligung auf Basis von Aktienbesitz („share-based profit sharing“)

 

Das besondere an den Erfolgsbeteiligungsplänen in vielen europäischen Ländern ist, dass diese (nach Anerkennung der Verträge durch die staatlichen Behörden) in gewissem Umfang steuerbegünstigt sind. Dies gilt vor allem, wenn sie auf einen mittelfristigen Vermögensaufbau in Arbeitnehmerhand ausgelegt sind. In diesen Fällen sind Zuteilungsrechte, Haltefristen, Investitionsformen etc. gesetzlich geregelt. Beispiele hierfür sind Frankreich, Niederlande, Schweden und Großbritannien.

In Europa ist die Verbindung von Erfolgsbeteiligungsplänen und Altersvorsorgemodellen bisher bei weitem nicht so stark ausgeprägt wie in den USA. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die staatlich regulierten Altersvorsorgesysteme in Europa in der Regel sehr viel besser entwickelt sind. Insoweit sind europäische „deferred profit sharing“ Pläne meist auf allgemeinen Vermögensaufbau gerichtet. Auch eine Verbindung zu tariflichen Verhandlungen über Löhne und Entgelte ist in den meisten europäischen Ländern eher die Ausnahme. Allerdings zeigen sich in den letzten Jahren verstärkt Tendenzen, eine solche Verknüpfung zu schaffen.

Konzeptionell gesehen sind Erfolgsbeteiligungsmodelle Teil der Entlohnung und gebunden an die Beschäftigung im Unternehmen. Sie sind nur dann gekoppelt mit der Eigentumsfrage, wenn der Erfolgsanspruch aus einer Kapitalbeteiligung erfolgt.

Bei den Erfolgsbeteiligungsplänen, die eine Auszahlung in Form von Unternehmensanteilen (Aktien oder andere verbriefte Anteile am Unternehmen) vorsehen, ergibt sich eine logische Verbindung zur Kapitalbeteiligung. Denn hier wird aus den Zuflüssen der Erfolgsbeteiligung eine (zumindest für eine vereinbarte Frist) dauerhafte verbindliche Beteiligung am Unternehmen und seinen künftigen Ergebnissen aufgebaut. Ob mit dieser Beteiligung dann neben den Ansprüchen auf Anteile an künftigen Ergebnissen auch weitergehende Mitspracherechte an Entscheidungen verbunden sind, ist von der rechtlichen und wirtschaftlichen Form der Anteile abhängig.

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.

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