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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

Formen der materiellen Mitarbeiterbeteiligung werden in Deutschland bereits in vielen Unternehmen eingesetzt. Im Verhältnis zur Anzahl aller Unternehmen in Deutschland verfügt jedoch nur ein relativ kleiner Teil davon über ein Beteiligungsmodell. Eine genaue Zahl über die Verbreitung der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung existiert in Deutschland nicht. Dennoch gibt es seit mehreren Jahren regelmäßige Schätzungen dazu. Die aktuellste Schätzungen zur Verbreitung von finanziellen Beteiligungsmodellen in deutschen Betrieben stammt aus IAB-Betriebspanel.1 Nach dem IAB-Betriebspanel 2011 haben 2% der Betriebe in Deutschland Modelle der Kapitalbeteiligung und 10% Erfolgsbeteiligungssysteme.

 

 

Die IAB-Betriebspanelbefragung liefert konkrete Angaben über die Verteilung von betrieblichen Mitarbeiterbeteiligungssystemen in Abhängigkeit von der Unternehmensgröße und der Branche. Sowohl mit Blick auf die Erfolgsbeteiligung als auch auf die Kapitalbeteiligung existieren in kleinen Unternehmen deutlich weniger Beteiligungsmodelle als in größeren Unternehmen. Während 9% der Betriebe mit bis zu 49 Beschäftigten Erfolgsbeteiligungsmodelle haben, beteiligt mehr als jeder dritte Großbetrieb mit 500 und mehr Beschäftigten seine Mitarbeiter (bzw. einen Teil seiner Mitarbeiter) am Erfolg (36%). Die Verbreitung von Kapitalbeteiligungen ist ebenfalls größenabhängig und beträgt bei Betrieben mit bis zu 49 Beschäftigten 2% und bei Betrieben mit 500 und mehr Beschäftigten 7%. Die Beteiligung am Erfolg ist am häufigsten in den Bereichen Finanz- und Versicherungsdienstleistungen sowie Information und Kommunikation zu finden (jeweils gut ein Viertel aller Unternehmen der Branche). Im Baugewerbe finden sich eher selten Erfolgsbeteiligungssysteme (rd. 3% der Unternehmen). Bei der Verbreitung von Kapitalbeteiligung sind zwischen den einzelnen Branchen kaum Unterschiede festzustellen. Die Befragung zeigt auch, dass in westdeutschen Betrieben Systeme der Kapital- oder Erfolgsbeteiligung häufiger existieren als in ostdeutschen Betrieben.

 

 

Eine aktuelle Schätzung der Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft e.V. (AGP) und der Gesellschaft für innerbetriebliche Zusammenarbeit (GIZ) zeigt folgendes Bild der Verbreitung der Mitarbeiterkapitalbeteiligung in Deutschland nach der Beteiligungsform:


Tab.: Unternehmen mit Kapitalbeteiligung Deutschland (AGP & GIZ 2007/2009)

 

Beteiligungs-form

 

 

Unternehmen

 

absolut

 

 

Unternehmen

 

(in %)

 

 

Mitarbeiter

 

absolut

 

(in 1000)

 

 

Mitarbeiter

 

(in %)

 

 

Kapital

 

(in Mrd. Euro)

 

 

Kapital

 

(in %)

 

 

 

 

2007

 

 

2009

 

 

2007

 

 

2009

 

 

2007

 

 

2009

 

 

2007

 

 

2009

 

 

2007

 

 

2009

 

 

2007

 

 

2009

 

 

Darlehen

 

 

580

 

 

534

 

 

15,47

 

 

12,5

 

 

113

 

 

97

 

 

5,49

 

 

4,2

 

 

450

 

 

406

 

 

3,46

 

 

3,5

 

 

Stille Beteiligung

 

 

1.040

 

 

1.292

 

 

27,73

 

 

30,2

 

 

269

 

 

339

 

 

13,06

 

 

14,9

 

 

1.345

 

 

1.627

 

 

10,35

 

 

14,0

 

 

Indirekte Beteiligung

 

 

 

490

 

 

555

 

 

13,07

 

 

13,0

 

 

97

 

 

119

 

 

4,71

 

 

5,2

 

 

475

 

 

524

 

 

3,65

 

 

4,5

 

 

Genussrecht

 

 

430

 

 

474

 

 

11,47

 

 

11,1

 

 

133

 

 

154

 

 

6,46

 

 

6,8

 

 

1.070

 

 

1.180

 

 

8,23

 

 

10,2

 

 

Belegschafts-aktie

 

 

620

 

 

727

 

 

16,53

 

 

17,0

 

 

1.423

 

 

1.537

 

 

69,08

 

 

6,.6

 

 

9.500

 

 

7.648

 

 

73,08

 

 

6,.0

 

 

Genossenschaft

 

 

340

 

 

378

 

 

9,07

 

 

8,8

 

 

17

 

 

19

 

 

0,83

 

 

0,8

 

 

40

 

 

42

 

 

0,31

 

 

0,4

 

 

GmbH-Beteiligung

 

 

250

 

 

315

 

 

6,67

 

 

7,4

 

 

8

 

 

10

 

 

0,39

 

 

0,4

 

 

120

 

 

162

 

 

0,92

 

 

1,4

 

 

Gesamt

 

 

3.750

 

 

4.275

 

 

100

 

 

100

 

 

2.060

 

 

2.274

 

 

100

 

 

100

 

 

13.000

 

 

11.589

 

 

100

 

 

100

 


 

 

 

Mehr als ein Viertel der praktizierten Modelle sieht eine Mezzanine-Beteiligung der Mitarbeiter in Form von stillen Beteiligungen2 vor, während nur jedes sechste Unternehmen seine Arbeitnehmer in Form von Belegschaftsaktien beteiligt. Die Häufigkeit der Beteiligungen steht in signifikanter Abhängigkeit von der Größe und Rechtsform der Unternehmung. Insbesondere bei den Aktiengesellschaften sind Beteiligungsmodelle mit Blick auf die Anzahl der teilnehmenden Mitarbeiter am stärksten verbreitet.

 

 

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei der finanziellen Beteiligung der Arbeitnehmer im Mittelfeld. Dem „European Company Survey“ (ECS), einer Befragung von mehr als 27.000 Personalverantwortlichen aus dem Jahr 2009 zufolge bieten 14% der privaten deutschen Unternehmen mit 10 oder mehr Beschäftigten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit einer Erfolgsbeteiligung. Im europäischen Vergleich entspricht dieses exakt dem Durchschnittswert der 30 untersuchten Länder. Der Verbreitungsgrad von Erfolgsbeteiligungsmodellen steigt mit zunehmender Unternehmensgröße. So hatten in Deutschland der Erhebung zufolge 13% der Unternehmen mit 10-49 Beschäftigten, 21% der Unternehmen mit 50-199 Mitarbeitern und 22% der Unternehmen mit 200 und mehr Beschäftigten ein Erfolgsbeteiligungsmodell.3

Nach den Ergebnissen des „European Company Survey“ verfügen 3% der privaten Unternehmen in Deutschland über Modelle der Kapitalbeteiligung. Damit liegt Deutschland unterhalb des ermittelten europäischen Durchschnitts von 5%.

 

 

In Deutschland ansässige Betriebe in ausländischem Besitz haben wesentlich häufiger Mitarbeiterbeteiligungssysteme als Betriebe in deutschem Eigentum. Dies gilt für alle untersuchten Betriebsgrößenklassen. Insofern wirkt sich die stärkere Verbreitung von Systemen der Mitarbeiterbeteiligung in anderen Ländern auch auf Betriebe in ausländischem Besitz in Deutschland aus.4

Laut Deutschem Aktieninstitut sank die Zahl der Aktionäre mit Belegschaftsaktien zwischen 2000 und 2008 von 1,6 Millionen auf 946.000. Seit 2009 ist aber ein Wiederanstieg zu beobachten. Im ersten Halbjahr 2013 gab es 1,29 Millionen Belegschaftsaktieninhaber. Damit halten weniger als 2% der Bevölkerung in Deutschland Belegschaftsaktien.5

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.