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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

Das Finanzgesetz aus dem Jahr 1982 markiert den Beginn staatlicher Maßnahmen auf dem Gebiet der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung. Dieses Gesetz verfolgt das Ziel, die auf dem Erwerb von Kapitalanteilen beruhenden freiwilligen Erfolgsbeteiligungsprogramme auf eine breite Grundlage zu stellen. Zu diesem Zweck sah die Regierung sowohl für Unternehmen als auch für Arbeitnehmer Steuervergünstigungen vor. Allerdings wurden diese Steuervergünstigungen lediglich Unternehmen mit genehmigten Programmen gewährt.

Mit den Finanzgesetzen aus den Jahren 1984, 1986 und 1995 hat die Regierung eine Reihe von Änderungen durchgeführt - mit dem Ziel, die Programme sowohl für die Arbeitgeber als auch für die Arbeitnehmer attraktiver zu gestalten.1 Seit Anfang der 1990er Jahre verfolgt die Regierung eine stärker marktwirtschaftlich und privatisierungsorientierte Politik gegenüber staatlichen Unternehmen. Unter anderem kommt diese veränderte Politik in einer Regelung zum Ausdruck, die Beschäftigten staatlicher Unternehmen die Möglichkeit einräumt, Anteile am Kapital ihres Unternehmens zu erwerben, sollte es teilweise oder vollständig privatisiert werden. Im Finanzgesetz aus dem Jahr 1997 sind Regelungen festgelegt, die dieses Ziel unterstützen. Allerdings lässt sich das Gesetz auch auf privatwirtschaftliche Unternehmen anwenden.

Finanzielle Mitarbeiterbeteiligungsprogramme sind in Irland insbesondere in großen und multinationalen Unternehmen weit verbreitet.2 Gemäß den Befunden des „Annual Economic Survey of Employee Ownership in European Countries in 2012“ bieten 62,5% der größten Unternehmensgruppen in Irland breit angelegte (Kapital-)Beteiligungsprogramme für die ganze Belegschaft an (europäischer Durchschnitt: 52,8%).3 Dem „European Company Survey“, einer Befragung von mehr als 27.000 Personalverantwortlichen in Europa aus dem Jahr 2009, zufolge bieten 11% der privaten Unternehmen in Irland mit 10 oder mehr Beschäftigten ihren Mitarbeitern eine Gewinnbeteiligung an. Damit liegt Irland etwas unter dem europäischen Durchschnitt von 14%). Der Verbreitungsgrad von Gewinnbeteiligungsmodellen steigt allerdings mit der Unternehmensgröße. So hatten 10% der Unternehmen mit 10-49 Beschäftigten, 13% der Unternehmen mit 50-199 Mitarbeitern und 22% der Unternehmen mit 200 und mehr Beschäftigten ein Gewinnbeteiligungsmodell.4 Rund 6% der Unternehmen haben ein Kapitalbeteiligungsmodell (europäischer Durchschnitt: 5%). Nach den Ergebnissen des „European Working Conditions Survey“ (EWCS, 2010), der auf einer Befragung von Beschäftigten beruht, beträgt der Verbreitungsgrad von Systemen der Gewinnbeteiligung in Irland 5,7% und der Verbreitungsgrad der Kapitalbeteiligung 2,4%.5

Gemäß den National Workplace Surveys6 von 2009 ergab sich folgende Verteilung von Entlohnungs- und Beteiligungssystemen in Irland:


 

Öffentlicher Sektor (%)

Privater Sektor (%)

Insgesamt

beliebiges Entlohnungssystem

72,1

64,8

66,4

Regelmäßige Erhöhung

60,0

40,7

46,9

Aktienoptionen oder Gewinn- bzw. Erfolgsbeteiligung

2,8

21,0

17,0

Leistungsgebundene Bezahlung

6,1

21,5

18,2

Nicht-geldliche Leistungsanreize

2,0

13,0

10,6

Bonusprogramme

3,3

36,9

29,5


 

In Irland gibt es fünf zentrale finanzielle Beteiligungsprogramme:7

Genehmigte Erfolgsbeteiligungsprogramme (APSS)

Ein genehmigtes Erfolgsbeteiligungsprogramm (APSS) stellt ein Beteiligungsprogramm für die gesamte Belegschaft dar, das dem Unternehmen ermöglicht, seinen Beschäftigten Unternehmensanteile anzubieten. Das Ziel des APSS besteht darin, die Beteiligung am Unternehmenskapital auf allen Ebenen des Unternehmens zu fördern. Bei einer Erfolgsbeteiligung erhält der Arbeitnehmer ein variables Einkommen zusätzlich zum festen Einkommen, das direkt an die Unternehmenserfolge gekoppelt ist. Erfolgsbeteiligungsprogramme können in der Form von aktienbasierter Erfolgsbeteiligung (d.h. Unternehmensanteile, die in der Regel in einem Fond angelegt werden) oder einer geldmäßigen Erfolgsbeteiligung (d.h. unmittelbare Auszahlung) durchgeführt werden. Solche Programme sind hauptsächlich im Software-/IT-Sektor zu finden.2008 nahmen 10% der Arbeitnehmer aus dem privaten Sektor an APSS teil. Im Vergleich zu kleineren Unternehmen sind APSS-Programme in großen Unternehmen weiter verbreitet.

Employee Share Ownership Plan (ESOP)

Employee Stock Ownership Plans (ESOP) sind vor allem im angelsächsischen Raum verbreitet. Solche Beteiligungsmodelle spielen insbesondere beim Übergang von Gesellschafteranteilen auf potenzielle Nachfolger, die Mitarbeiter oder externe Investoren eine Rolle. Gesellschafteranteile können dabei schrittweise bis zu 100% in Belegschaftsbesitz wechseln. Die Grundidee ist, dass die Beschäftigten nicht notwendigerweise eigenes Kapital einbringen müssen, weil der Erwerb des Unternehmens durch die Belegschaft in mehreren aufeinander folgenden Schritten erfolgt und durch eine zusätzlich zum Entgelt gewährte Erfolgsbeteiligung finanziert wird. Soll ein größerer Teil am Unternehmenskapital kurzfristig übernommen werden, wird in der Regel auf eine Kreditfinanzierung zurückgegriffen, die aus den Unternehmensgewinnen getilgt wird.

Die Anteile werden durch Zahlungen des Unternehmen (aus dem Unternehmensgewinn) an einen zu bildenden selbstständigen Unternehmens- bzw. Treuhandfonds (ESOP Trust) oder durch vom Unternehmen bediente und getilgte Bankkredite an diesen Fonds finanziert. Der Fonds hält die Anteile treuhänderisch zugunsten der Beschäftigten.

„Gainsharing“ (als eine Form der Erfolgsbeteiligung)

Ähnlich wie bei üblichen Modellen der Erfolgsbeteiligung beruhen „Gainsharing-Programme“ in der Regel auf Erfolgs- bzw. Leistungsprämien. Die Arbeitnehmer werden an den Gewinnen aus Qualitäts- und Produktivitätssteigerungen oder Verbesserungen im Bereich des Kundendienstes oder der Kostensenkung, die in einen bestimmten Zeitraum erzielt wurden, beteiligt. Somit erhalten die Beschäftigten des Unternehmens eine direkte Belohnung für hervorragende Leistungen oder über ein vorgegebenes Ziel hinausgehende Verbesserungen der operationellen Effizienz in der Form einer Beteiligung an den finanziellen Erfolgen. Zu den Kriterien, die bei der Bestimmung der Leistungsbeteiligungsprämien zugrunde gelegt werden können, gehören unter anderem Minderverbräuche, Defektquoten, fristgerechte Lieferungen, Kundenbeanstandungen. Für „Gainsharing-Programme“ gibt es kein Standardmodell, das sich in allen Unternehmen anwenden ließe, alle sind jedoch mit einer ausdrücklichen Messung verbunden.

“Save-as-you-earn scheme” (SAYE)

Das „Save-as-you-earn“-Programm (SAYE) ist ein Kapitalbeteiligungsmodell, das für alle Beschäftigten des Unternehmens angeboten wird und auf einem Sparplan beruht, in den Beiträge (Aktienoptionen, Teile des Lohns/Gehalts und/oder Bargeldersparnisse) vom Arbeitnehmer und/oder Arbeitgeber eingezahlt werden. Die Summe der Beteiligung kann zwischen 12 und 500 Euro im Monat liegen.8 Solche Programme sind besonders in Großbritannien und in Irland verbreitet. Die Arbeitnehmer erhalten das Recht, zu bestimmter Zeit eine festgelegte Anzahl von Unternehmensanteilen zu einem festen Preis zu erwerben. Gekauft werden diese Anteile von dem Geld, das die Arbeitnehmer zuvor im Rahmen eines SAYE-Plans angespart haben. In der Regel müssen SAYE-Pläne von den Finanzbehörden genehmigt werden. Die Arbeitnehmer sparen in Zusammenarbeit mit einem zugelassenen Sparinstitut über einen bestimmten Zeitraum hinweg jeden Monat einen festen Betrag. Bei Fälligkeit dieses Sparplans kann der Arbeitnehmer Aktien des Unternehmens zu dem festgelegten Preis kaufen oder sich den Sparbetrag bar auszahlen lassen. Im Jahr 2008 gab es 125 SAYE-Programme in Irland. Gemessen an der Anzahl der teilnehmenden Arbeitnehmer sind diese Programme am weitesten verbreitet.9

Employee Share Ownership Trust (ESOT)

ESOT wurden als Instrument zum Erwerb und zur Verwaltung und Zuteilung von Mitarbeiteranteilen geschaffen. Ein ESOT kann Anleihen oder Fremdkapital aufnehmen, um damit Kapitalanteile an dem Unternehmen zu erwerben, das den Fonds eingerichtet hat. Damit ähnelt er stark den amerikanischen kreditfinanzierten Kapitalbeteiligungsplänen, die Fremdmittel aufnehmen, um damit Wertpapiere oder Anteile für Arbeitnehmer zu erwerben. ESOT-Programme sind nicht besonders weit verbreitet und werden meist in Verbindung mit APSS-Programmen genutzt.10

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.