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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

Im Rahmen des Privatisierungsprozesses nach 1990 wurden 30% der Anteile der rumänischen Unternehmen an die Belegschaften übertragen. Viele Beschäftigte haben ihre Aktien jedoch in den folgenden Jahren verkauft, so dass sich der Anteil der Kapitalbeteiligungen in Mitarbeiterhand wieder deutlich verringert hat.

Kapitalbeteiligungen wurden im letzten Jahrzehnt der kommunistischen Ära Anfang der 1980er Jahre eingeführt und sahen die Verpflichtung für alle Arbeitnehmer vor, so genannte „gesellschaftliche Anteile” des „nationalen Kapitals“ zu kaufen. Im Zuge des 1990 eingeleiteten Privatisierungsprozesses wurde das akkumulierte Vermögen jedem Arbeitnehmer als Geldbetrag zurückgegeben; das restliche Kapital sollte in den folgenden Jahren privatisiert werden.

Mit den Privatisierungsgesetzen, die 1990, 1991 und in den folgenden Jahren verabschiedet wurden, wurde die finanzielle Beteiligung der Arbeitnehmer auf eine neue Grundlage gestellt. 30% der Anteile der kommerziellen Unternehmen Rumäniens wurden über kostenlose Eigentumsgutscheine an die Bevölkerung verteilt. Die übrigen 70% der Aktien sollten an rumänische und/oder ausländische Investoren veräußert werden. Insbesondere in den Jahren 1994/1995 lag ein Schwerpunkt auf der Privatisierung nach der „MEBO-Methode („Management Employee Buy-out“, das heißt die Übernahme des Unternehmens durch Management und Mitarbeiter), die das Standardverfahren für die Privatisierung kleiner Betriebe darstellte (in der Regel Betriebe mit weniger als 500 Mitarbeitern). In den Jahren 1994 bis 1997 wurden besonders viele Unternehmen durch diese Methode privatisiert. Mitarbeiterkapitalbeteiligungen gab und gibt es in Rumänien insbesondere in arbeitsintensiven Unternehmen.1

Genossenschaften bestehen in Rumänien bereits seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Unter dem kommunistischen Regime wurden viele ihrer Grundmerkmale – vor allem ihre demokratischen Entscheidungsrechte – geändert. Trotz ihrer langen Tradition spielen Genossenschaften in Rumänien heute keine wichtige Rolle mehr.

Eine weitere Form der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung bildet die Erfolgsbeteiligung, die nach 1989 überwiegend durch Leistungsbeteiligungssysteme erfolgt. Mitarbeiter erhalten dabei einen Jahresendbonus, der sich nach ihrer Leistung und der Gesamtleistung des Unternehmens richtet und auf der Grundlage des Nettoerfolgs des Unternehmens berechnet wird.

Weder die Regierung noch die politischen Parteien messen der finanziellen Beteiligung der Arbeitnehmer derzeit eine besondere Bedeutung bei. Auf der Tagesordnung steht lediglich die Frage der Veräußerung von Minderheitsaktien an die Belegschaft im Rahmen der weiteren Privatisierung der autonomen Regiebetriebe (regii autonome) und anderer Staatsbetriebe, die bislang noch nicht privatisiert wurden. Angesichts einiger Privatisierungsfälle, bei denen es zu Korruptionsskandalen und Insidergeschäften gekommen ist, sind Teile der Bevölkerung skeptisch gegenüber dem Thema einer finanziellen Beteiligung der Arbeitnehmer.

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.