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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

Modelle der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung sind den meisten Studien zufolge in Bulgarien nicht weit verbreitet. Nach den Zahlen des European Working Conditions Survey (2010) beispielsweise sind sowohl Kapital- als auch Erfolgsbeteiligungen in Bulgarien seltener anzutreffen als in anderen europäischen Ländern.

Kapitalbeteiligung

Gemäß den Ergebnissen des „European Working Conditions Survey“ (EWCS, 2010), der auf einer Befragung von Beschäftigten beruht, beträgt der Verbreitungsgrad von Kapitalbeteiligungen nur 0,6%.1 Die Ergebnisse des European Company Survey deuten hingegen auf eine überdurchschnittliche Bedeutung der Kapitalbeteiligung in Bulgarien hin. Nach den Ergebnissen dieser europaweiten Befragung von mehr als 27.000 Personalverantwortlichen im Jahr 2009 haben 7% der privaten Unternehmen in Bulgarien Modelle der Kapitalbeteiligung. Damit liegt Bulgarien über dem europäischen Durchschnitt von rd. 5%.2 Die Ergebnisse des Cranet-Reports 2011 deuten darauf hin, dass finanzielle Mitarbeiterbeteiligungsmodelle in Bulgarien (Unternehmen mit 100 und mehr Beschäftigten) leicht unterdurchschnittlich verbreitet sind.3 Dies gilt auch für Kapitalbeteiligungsmodelle.4

Der Anteil der Mitarbeiterkapitalbeteiligung, der aus dem ersten Massenprivatisierungsprogramm durch den Erwerb von Belegschaftsaktien zu Vorzugsbedingungen hervorgegangen ist, liegt wahrscheinlich bei 4-5%. Die Veräußerung von Unternehmen nach der MEBO-Methode im Rahmen des MEBO-Privatisierungsprogramms betraf 1.436 bzw. 28% der 5.165 Privatisierungsgeschäfte. Wenn man zu diesen die anderen Verkäufe mit Vorzugsrechten für die Beschäftigten hinzurechnet (z.B. Privatisierung durch teilweisen Erwerb von Unternehmen), bedeutet dies, dass beinahe die Hälfte der konventionellen Privatisierungen durch Unternehmensangehörige durchgeführt wurde. Von 20 Unternehmen, die nach dem MEBO-Verfahren privatisiert und in einer Studie aus dem Jahr 2004 untersucht wurden, waren nur drei nicht unter Managementkontrolle.5 Da die meisten Beschäftigten Minderheitsaktionäre sind, waren sie nur in zwei Fällen in den Leitungsorganen der Unternehmen vertreten. Es liegen keine Daten über den Verkauf von Belegschaftsaktien nach der Privatisierung vor, aber Schätzungen gehen davon aus, dass Arbeitnehmer noch in rund 10% der nach der MEBO-Methode privatisierten Unternehmen eine Mehrheitsbeteiligung halten.

Aus dem zweiten Massenprivatisierungsprogramm gingen folgende Eigentumsstrukturen hervor: 40,8% waren in staatlichem Besitz, 6,4% in Belegschaftsbesitz, 12,9% im Besitz individueller Aktionäre und 39,9% im Besitz von Privatisierungsfonds.6 Die Privatisierungsfonds begannen damit, Aktienpakete untereinander zu tauschen oder zu verkaufen und konnten dadurch die Kontrolle über strategische Unternehmen zu übernehmen und die Beteiligung der Beschäftigten erheblich zu reduzieren. Die höchste Kapitalbeteiligung der Arbeitnehmer wurde unmittelbar nach Abschluss der Massenprivatisierung im Jahr 1998 erreicht und lag bei 7-12% der Anteile. Danach wurden diese Mitarbeiteraktien jedoch an Manager und Aktieninhaber außerhalb des Unternehmens übertragen.

Gemäß den Befunden des „Annual Economic Survey of Employee Ownership in European Countries in 2012“ bieten rd. 22,2% der größten bulgarischen Unternehmensgruppen breit angelegte Kapitalbeteiligungsprogramme für die ganze Belegschaft an (europäischer Durchschnitt: 53,3%). 7 Allerdings gibt es auch nur vergleichsweise wenige bulgarische Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mindestens 200 Mio. Euro, so dass ein europäischer Vergleich schwierig ist und die Angaben ungenau sein können.

Erfolgsbeteiligung

Es liegen keine umfassenden oder repräsentativen Studien über Erfolgsbeteiligungsmodelle vor. Privatwirtschaftliche wie öffentliche Unternehmen ziehen andere Anreizsysteme wie beispielsweise Monats- und Jahresprämien vor.

Dem „European Company Survey“ zufolge bieten 9% der privaten bulgarischen Unternehmen mit 10 oder mehr Beschäftigten ihren Mitarbeitern eine Erfolgsbeteiligung an. Im europäischen Vergleich ist dieses ein unterdurchschnittlicher Wert (Der Durchschnittswert der 30 untersuchten europäischen Länder beträgt 14%). Der Verbreitungsgrad von Gewinnbeteiligungsmodellen verändert sich mit steigender Unternehmensgröße nur unwesentlich. So haben 10% der Unternehmen mit 10-49 Beschäftigten, 10% der Unternehmen mit 50-199 Mitarbeitern und 12% der Unternehmen mit 200 und mehr Beschäftigten ein Erfolgsbeteiligungsmodell.8 Gemäß den Ergebnissen des „European Working Conditions Survey“ (EWCS, 2010), der auf einer Befragung von Beschäftigten beruht, beträgt der Verbreitungsgrad von Systemen der Gewinnbeteiligung in Bulgarien 8,3 %.9

Republiková únia zamestnávatel”, der größte slowakische Arbeitgeberverband, hat in einer Umfrage ermittelt, dass in 54,17 Prozent der bulgarischen Unternehmen Gewinnbeteiligungen als Form der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung zumindest bekannt sind.10 Gleichzeitig erklärten die befragten Unternehmen, dass sie nicht genügend Informationen über verschiedene Formen der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung hätten.

Genossenschaften

Etwa 1% aller eingetragenen Gesellschaften in Bulgarien sind Genossenschaften. Die zwei größten Genossenschaftsverbände, denen 17% aller Genossenschaften mit insgesamt rund 230.000 Mitgliedern angehören, beschäftigten circa 218.500 Personen. Laut Angaben der beiden größten Genossenschaftsverbände handelt es sich bei 95% ihrer Mitgliedsgenossenschaften um Arbeitnehmergenossenschaften.11 Mehr als die Hälfte aller Genossenschaften sind in der Landwirtschaft tätig. Sie besitzen mehr als die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Bulgarien.

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.