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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

Als im Zuge des Privatisierungsprozesses in den 1980er und 1990er Jahre verschiedene Beteiligungsprogramme geschaffen wurden, nahm das Interesse an der finanziellen Beteiligung der Arbeitnehmer in Italien ein wenig zu. Bis heute sind Erfolgs- und Kapitalbeteiligungen aber wenig verbreitet.

Erfolgsbeteiligung

Inhaltliche Regelungen und Bestimmungen für Erfolgsbeteiligungssysteme werden auf Unternehmensebene festgelegt. Die Rechtsverordnung Nr. 67 vom März 1997 sah Steuerbegünstigungen für Erfolgsbeteiligungen vor, die eine teilweise Steuerbefreiung bis zu 1% der Entgeltsumme erlaubten. Seit 2007 war eine steuerliche Befreiung bis zu 5% der Lohnsumme möglich, eine interministerielle Anordnung vom 07. Mai 2008 setzte aber eine Obergrenze von 3% fest. Es wurde auch festgelegt, dass Arbeitgeber, die Beteiligungen anbieten, von einer Verringerung der Sozialversicherungsbeiträge um 25% profitieren. Die Beiträge des beteiligten Mitarbeiters werden vom Staat übernommen. Die Einkommensgrenze für die Förderfähigkeit liegt bei 35.900 Euro im Jahr. Die maximale Höhe der Vergünstigung ist auf 6.000 Euro festgesetzt.1

Kapitalbeteiligung

Gibt ein Unternehmen neue Aktien unter ihrem Marktwert an seine Beschäftigten aus, so sind diese Leistungen steuerlich befreit. Diese Regelung gilt nicht für bereits bestehende Kapitalbeteiligungen. Mitarbeiter, die Aktien im Rahmen bereits existierender Kapitalbeteiligungsprogramme erwerben, müssen darauf Einkommenssteuer entrichten. Der versteuerbare Betrag ergibt sich aus dem Marktpreis der Aktie zum Zeitpunkt des Erwerbs, von dem der unter dem Bezugsrecht gewährte Preis abgezogen wird. Der Steuerbetrag wird vom Arbeitgeber einbehalten, der auch die damit verbundenen Sozialversicherungsbeiträge zahlt. Das italienische Steuersystem beruht auf progressiven Steuersätzen, die von 23 bis 43% reichen.2

Seit Juli 2006 ist ein neuer Steuererlass in Kraft. Demnach müssen Arbeitnehmer, denen nach dem 4. Juli 2006 Aktienbezugsrechte gewährt werden, den normalen Einkommenssteuersatz auf die Differenz zwischen dem vom Arbeitnehmer bezahlten Betrag und dem Marktwert der Aktie am Tag der Zuweisung zahlen. Bei nicht aufgrund von Bezugsrechten erworbenen Aktien eines Unternehmens werden Kapitalgewinne zu einem Pauschalsatz von 12,5% versteuert.Im September 2006 wurde vorgeschlagen, einen einheitlichen Steuersatz von 20% für Kapitalgewinne einschließlich Zinsen und Dividenden einzuführen.

Bekannte Unternehmensbeispiele3

Ein bekanntes Beispiel ist der Fall der Alitalia. Als die nationale Luftfahrtgesellschaft 1996 in eine äußerst schwierige finanzielle Lage geraten war, einigten sich die Sozialpartner auf einen Sanierungsplan, der eine Verringerung der Arbeitskosten durch die finanzielle Beteiligung der Beschäftigten vorsah; die Die Mitarbeiter erwarben daraufhin mehr als 20% des Kapitals des Unternehmens.

Ein typisches Beispiel für den Privatisierungsprozess bildet der Ölkonzern ENI (Ente Nazionale Idrocarburi SpA). Seine Privatisierung wurde 1995 mit einem öffentlichen Zeichnungsangebot in vier aufeinander folgenden Tranchen eingeleitet. Der Staat behielt rund 30% der Anteile, die restlichen 70% des Aktienkapitals wurden für mehr als 50 Milliarden Euro am Markt platziert. Die Arbeitnehmer erhielten einen Vorschuss von bis zu 70% der Abfindung für den put aside value. Rund die Hälfte der Beschäftigten des Unternehmens ging auf das Zeichnungsangebot ein und hielt 3% der auf dem Markt platzierten Aktien. Heute liegt ihr Kapitalanteil bei circa 1%.

Im Fall des Unternehmens Gucci wurde die finanzielle Beteiligung der Mitarbeiter nicht durch Privatisierung sondern eine Vereinbarung der Sozialpartner geschaffen. Im Jahr 2000 wurde beschlossen, dass allen Beschäftigten in allen Ländern, in denen das Unternehmen tätig war, schrittweise 32,25% der Aktien übertragen werden sollen. Diese Aktienübertragung war mit einer Sperrfrist von drei Jahren und mit der Auflage verbunden, einen Verein der Belegschaftsaktionäre zu gründen.

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.