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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

Modelle der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung in den Niederlanden basieren in erster Linie auf landesweit geltenden Lohnsparmodellen, die beim Erwerb von Kapitalbeteiligungen Steuervergünstigungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer vorsehen. Ein Großteil der Arbeitnehmer bevorzugt jedoch das weniger risikoreiche Sparen auf einem Sonderkonto, für das weniger günstige steuerliche Regelungen bestehen.

In den 1980er Jahren wurden Ansätze zur Förderung von Modellen der finanziellen Beteiligung kontrovers diskutiert. In der Folge wurden konkrete Vorschläge für Steueranreize bei Modellen der Beteiligung von Arbeitnehmern am Unternehmensgewinn vorgelegt. Seit 1994 sind zahlreiche Vereinbarungen zur finanziellen Mitarbeiterbeteiligung weiterentwickelt und bestehende Steueranreize verbessert worden, um die Arbeitgeber zur Einführung von Beteiligungssystemen und die Arbeitnehmer zur Teilnahme daran zu bewegen (Gesetz „Vermeend/Vreugdenhil“). Darüber hinaus wurde für die finanzielle Beteiligung im Allgemeinen ein rechtlicher Rahmen festgelegt, wenngleich Sparpläne oder Mitarbeiterfonds die am häufigsten genutzten Modelle sind.

In den Niederlanden verfügen rd. 3,6% aller Unternehmen, die mindestens zehn Beschäftigte haben, über ein Modell der Mitarbeiterkapitalbeteiligung.1 Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich die Zahl der Unternehmen mit Kapitalbeteiligung nahezu verdoppelt. Die Hälfte dieser Unternehmen ist börsennotiert und/oder Teil eines internationalen Konzerns. Um ihren Mitarbeitern die Möglichkeit einer Beteiligung zu bieten, gründen nicht-börsennotierte Unternehmen häufig eine Stiftung („stichting administratiekantoor bzw. „trust“). Diese erwirbt und verwaltet die entsprechenden Anteile für die Beschäftigten und übt gebündelt das Stimmrecht aus.2

Um die Verbreitung von Modellen der Kapitalbeteiligung von Arbeitnehmern insbesondere im KMU-Bereich zu verbessern, hat das „Nederlands Participatie Instituut“ im Jahr 2009 die Initiative ergriffen, ein „einfaches Kernmodell“ der Mitarbeiterkapitalbeteiligung in den Niederlanden zu entwickeln. Dieses soll ausreichend flexibel sein, um unternehmensspezifischen, persönlichen und organisatorischen Anforderungen gerecht zu werden. Die Vorschläge umfassen zum einen allgemeine Grundsätze. Dazu gehört z.B., dass die Teilnahme von Mitarbeitern an Beteiligungsmodellen freiwillig sein soll, Lohnbestandteile für die Beteiligung nicht verwendet werden sollen und Beschäftigte und Arbeitnehmervertretungen bei der Entwicklung des Modells zu beteiligen sind. Zum anderen beziehen sich die Vorschläge auf die Entwicklung von Richtlinien, u. a. zur Beteiligungsberechtigung (mindestens 75% der Belegschaft) und zu Beteiligungsobergrenzen (maximal 10% des jährlichen Bruttolohns eines Mitarbeiters dürfen in Beteiligungen investiert werden; die Obergrenze für die Beteiligung eines einzelnen Mitarbeiters liegt bei 4,99% der Unternehmensanteile).3 Inhaltlich muss dieses Kernmodell in der politischen Diskussion noch weiterentwickelt werden. Es ist bisher noch nicht absehbar, in welchem Umfang der Gesetzgeber diese Vorschläge aufgreifen wird.

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.