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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

Anpassungen im Einkommenssteuergesetz im Jahr 2001 haben die Rahmenbedingungen für finanzielle Mitarbeiterbeteiligung verbessert. Die Einführung von Mitarbeiterkapitalbeteiligungssystemen beruht überwiegend auf Freiwilligkeit.

 

 

Mehr als 80% aller Beteiligungsmodelle beruhen auf Freiwilligkeit.1 Das Kriterium der Freiwilligkeit umfasst dabei die Einführung, den Umfang und das Ausmaß von Mitarbeiterbeteiligungen. Die Akteure aus Wirtschaft und Politik sind sich einig, dass die Freiwilligkeit eine der wesentlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausgestaltung von Mitarbeiterbeteiligungsmodellen ist.

 

 

Im Jahre 2001 wurde das österreichische Einkommenssteuergesetz (EstG) um eine steuerliche Förderung für Mitarbeiterkapitalbeteiligungen ergänzt. Die entsprechenden gesetzlichen Regelungen finden sich im § 3 (1) Z 15 lit. b EstG. Das Einkommensteuergesetz sieht einen Freibetrag für die verbilligte oder unentgeltliche Abgabe von Kapitalanteilen an Mitarbeiter vor. Die begünstigten Beteiligungsformen sind Aktien, Partizipationsscheine, Substanzgenussrechte, Anteile an Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften, GmbH-Anteile sowie echte stille Beteiligungen. Erhalten Mitarbeiter seitens des Unternehmens Anteile gratis oder verbilligt im Wert von max. 1.460 EURO, so kommen sie in den Genuss der Förderung.

 

 

Bei mehr als der Hälfte aller praktizierten Kapitalbeteiligungsmodelle werden die Mitarbeiter durch die Einräumung von günstigeren Bezugspreisen zum Erwerb von Unternehmensanteilen ermutigt. Die Mitarbeiter müssen den dadurch gewonnenen Vorteil aus dem Dienstverhältnis nicht versteuern.

 

 

Viele Mitarbeiterbeteiligungsmodelle sehen Sperrfristen vor, die auch im Einkommenssteuerrecht verankert ist. Für die Inanspruchnahme der Steuerbegünstigung ist eine Haltefrist von mindestens fünf Jahren vorgesehen. Bei Nichteinhaltung bzw. Unterschreitung der Frist erfolgt eine Nachversteuerung.

 

 

Für die erfolgsabhängigen Prämien werden keine steuerlichen Begünstigungen gewährt. Sie gelten quasi als Arbeitslohn und sind regulär einkommenssteuerpflichtig.

 

 

Mit der Einführung der Förderung konnte der Gesetzgeber positive Impulse auf den Verbreitungsgrad von Mitarbeiterkapitalbeteiligungsmodellen geben.

 

 

Das Beteiligungsmodell der voestalpine AG – als ein Beispiel – ist auf die österreichische Gesetzgebung zugeschnitten. Grundlage der Beteiligung ist eine Reihe sogenannter Zusatzkollektivverträge (Öffnungsklauseln), durch die Teile der flächendeckenden Lohn- und Gehaltserhöhung zweckgebunden alternativ verwendet werden können. Bei innerbetrieblichen Lohnabschlüssen wird ein Teil der eigentlichen Entgelterhöhung für den Aufbau der Mitarbeiterbeteiligung in Form von Aktien verwendet. Das Gesamtausmaß der Aktienübertragungen beläuft sich auf ein Volumen von ca. 3,25% der Lohn- und Gehaltssumme. Bei der Übertragung werden die bestehenden Steuervorteile genutzt, die das österreichische Steuergesetz für die Förderung von Aktienzuteilungen vorsieht. So können jährlich bis zu einer Höhe von 1.460 Euro Aktien des eigenen Unternehmens steuer- und abgabenfrei an die Mitarbeiter übertragen werden. Die Abgabenfreiheit gilt auch für die arbeitgeberseitigen Lohnnebenkosten. Diesen Vorteil des Unternehmens erhalten die Mitarbeiter als zusätzlichen Bonus.2

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.