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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

In Polen sind die verschiedenen Formen der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung nicht sehr weit verbreitet. Kapitalbeteiligungen von Arbeitnehmern wurden hauptsächlich während der Privatisierungsphase nach 1990 praktiziert. Nach der Privatisierungswelle ging der Anteil der Kapitalbeteiligungen in Mitarbeiterhand wieder zurück. Der Rückgang verlief jedoch nicht so schnell und umfassend wie in anderen osteuropäischen Ländern.

 

Die Entwicklung der Mitarbeiterkapitalbeteiligung in Polen hat zweierlei Ursprung: einerseits den Privatisierungsprozess, der Anfang der 1990er Jahre eingeleitet wurde, und andererseits den Erwerb von Belegschaftsaktien in privatwirtschaftlichen Unternehmen.1 Das Privatisierungsprogramm nach 1990 bot erhebliche Vergünstigungen für die Beteiligung der Mitarbeiter, insbesondere in Betrieben, die durch die LLBO-Methode („Leveraged lease-buy-out“) privatisiert und in so genannte „Arbeitnehmergesellschaften“ umgewandelt wurden.2 In diesen Unternehmen sind die Eigentumsverhältnisse relativ stabil geblieben, da viele der Beschäftigten ihre Unternehmensanteile behalten haben.

 

Eine andere Form der finanziellen Arbeitnehmerbeteiligung bilden Arbeitergenossenschaften, die eine lange Tradition in Polen haben. Heute spielen Genossenschaften in der polnischen Wirtschaft jedoch keine wichtige Rolle mehr.

 

Erfolgsbeteiligungsprogramme sind zwar gesetzlich vorgesehen, aber werden nicht von vielen Unternehmen angeboten. Weiter verbreitet sind bestimmte Leistungsbeteiligungssysteme, bei denen zusätzliche Zahlungen an die Erfüllung bestimmter vorab festgelegter Zielvorgaben geknüpft werden.3

Im Jahr 1995 waren rund 49% aller privatisierten polnischen Betriebe von der Belegschaft geleast. Später, als das Programm „Nationale Investmentfonds“ (NIF) durchgeführt wurde und andere Methoden der Direktprivatisierung an Beliebtheit gewannen, änderte sich diese Situation. Bei den meisten geleasten Unternehmen handelt es sich um kleine oder mittlere Betriebe, die in der Regel weniger als 500 Arbeitnehmer beschäftigen. Studien aus den späten 1990er Jahren über Unternehmen, die zwischen 1990 und 1996 durch Leasing der Belegschaft privatisiert wurden, stellten heraus, dass der Eigentumsanteil der Belegschaft (Management ausgenommen) direkt nach der Privatisierung 59% betrug, aber bis 1999 auf 32% gesunken war.4

Eine weitere Privatisierungsmethode, die zur verstärkten Kapitalbeteiligung von Arbeitnehmern führte, war das Recht auf Erwerb so genannter “Vorzugsbelegschaftsaktien“.5 Ab 1990 konnten die Mitarbeiter eines privatisierten Unternehmens 20% (ab 1997 15%) der Aktien zur Hälfte ihres Nennwerts erwerben. Dies galt auch für Transaktionen im Rahmen von „Direktprivatisierungen“.6

Seit 2003 können alle Unternehmen „Belegschaftsaktien“ ausgeben. Ein Unternehmen kann entweder eigene Aktien zu einem Nennwert von höchstens 10% des Eigenkapitals erwerben, um sie seinen aktiven oder pensionierten Mitarbeitern anzubieten, oder neue Aktien für seine Mitarbeiter ausgeben.

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.