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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

In der Slowakei spielen Kapitalbeteiligungen von Arbeitnehmern keine wichtige Rolle. Anders als in anderen osteuropäischen Ländern hatte der Privatisierungsprozess, der Anfang der 1990er Jahre eingeleitet wurde, keine bedeutenden Auswirkungen auf die Entstehung von Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen. Erfolgsbeteiligungen sind in der Slowakei hingegen im europäischen Vergleich relativ weit verbreitet. Die finanzielle Mitarbeiterbeteiligung findet in der öffentlichen Diskussion derzeit keine besondere Beachtung.

 

 

Der Privatisierungsprozess in der Slowakischen Republik hat noch vor der Auflösung der Tschechoslowakei begonnen. Viele Reformen waren bereits vor 1993 eingeleitet worden, aber ihre Ergebnisse wurden erst nach der Teilung deutlich. Somit gab es bei der Entwicklung der Privatisierung und ihrer Ergebnisse in der Slowakei und in der Tschechischen Republik leichte Unterschiede, aber auch viele Gemeinsamkeiten.

 

 

Wie in der Tschechischen Republik wurden Unternehmensangehörigen während des Privatisierungsprozesses in der Slowakei kaum Vergünstigungen bei Beteiligungen gewährt. Infolgedessen und im Gegensatz zu anderen osteuropäischen Ländern war der Anteil der Mitarbeiterkapitalbeteiligungen, die aus den großen Privatisierungsprogrammen hervorgegangen waren, ziemlich gering.

 

 

Die Privatisierungsverfahren in den frühen 1990er Jahren waren weitgehend nach demselben Muster aufgebaut: Kleine Firmen wurden durch Versteigerungen und Ausschreibungen privatisiert, mittlere Betriebe wurden per Ausschreibung veräußert, und große Unternehmen wurden in Aktiengesellschafen umgewandelt. Ihre Aktien wurden im Zuge der Gutscheinprivatisierung entweder verkauft oder kostenlos überlassen. Dabei sind auch Belegschaftsaktien an die Beschäftigten gelangt.

 

 

Nach der Teilung der Tschechoslowakischen Republik wurde die Gutscheinprivatisierung eingestellt, und die übrigen unter das große Privatisierungsprogramm fallenden Unternehmen durch Direktverkäufe privatisiert.1 Außerdem wurde ein Sonderprogramm für Mitarbeiterprivatisierung geschaffen, das die Mitarbeiterbeteiligung in bestehenden Unternehmen und die Ausgabe von Mitarbeiteraktien vorsah. Mit diesem Programm wurden jedoch keine nennenswerten Ergebnisse erzielt, und die meisten Unternehmen wurden durch Direktverkäufe mit günstigen Bedingungen für das Management der betreffenden Unternehmen privatisiert. Bei diesen Verkäufen wurde die MEBO-Methode angewandt (Management Employee Buy-out, Übernahme durch Management und Mitarbeiter), wobei das Management mehr als 50% der Aktien hielt. Heute befinden sich die meisten Unternehmen in der Slowakei im Besitz ausländischer Eigentümer, Mitarbeiterkapitalbeteiligungen spielen nur eine unbedeutende Rolle.

 

 

Genossenschaften haben lediglich einen geringen Anteil an der slowakischen Wirtschaft. Unmittelbar nach der Teilung der Tschechoslowakei waren noch 9% aller Unternehmen Genossenschaften, von denen die meisten in der Landwirtschaft tätig waren.2 Die Zahl und der Verbreitungsgrad der Genossenschaften haben in den folgenden Jahren kontinuierlich abgenommen. Im Jahr 2002 betrug ihr Anteil nur noch 3%. Diese Entwicklung war hauptsächlich auf neue gesetzliche Vorschriften für Genossenschaften zurückzuführen, mit denen das gesamte System auf eine neue, moderne Grundlage gestellt werden sollte und die das Ausscheiden schwacher Genossenschaften aus dem Markt beschleunigten.

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.