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Gewerkschaften

Der gewerkschaftliche Organisationsgrad in der Slowakei liegt bei rund 13% der Beschäftigten und ist damit geringfügig höher als in vielen anderen Ländern Mittel- und Osteuropas. Es gibt einen dominierenden Gewerkschaftsbund in der Slowakei, KOZ SR, wobei die einzelnen Gewerkschaften über eine erhebliche Autonomie verfügen und sehr einflussreich sind.

Vermutlich gibt es rund 250.000 Gewerkschafter in der Slowakei, also etwa 13 % der insgesamt knapp 1,97 Millionen Arbeitnehmer (unter der Annahme, dass alle Gewerkschaftsmitglieder Arbeitnehmer sind). Dies liegt etwas unter den letzten Eurofound-Schätzungen, denen zufolge der gewerkschaftliche Organisationsgrad im Jahr 2014 bei 16 % lag, [1] und ebenfalls unter  den Angaben in der ICTWSS Datenbank zur Anzahl der Gewerkschaftsmitglieder, in der dieser Anteil auf  16,7 % geschätzt wird (Stand 2011).[2]

 

Der wichtigste Gewerkschaftsbund in der Slowakei ist der Slowakische Gewerkschaftsbund KOZ SR. Die letzten Angaben des slowakischen Amtes für Statistik weisen aus, dass er 2012[3]

286.159 Mitglieder hatte. KOZ SR selbst nennt für 2014/15 eine Mitgliederzahl von 240.500.

 

Der KOZ SR ist als slowakische Nachfolgeorganisation aus dem Tschechisch-Slowakischen Gewerkschaftsbund CSKOS hervorgegangen, der im März 1990 nach der „Samtrevolution” von 1989 gegründet wurde. Die meisten Mitglieder des ehemaligen kommunistischen Gewerkschaftsbunds ROH, der 1990 aufgelöst wurde, traten dem CSKOS bei, obwohl der neue Gewerkschaftsbund mit der Politik und Organisation des ROH brach. Als die Tschechoslowakei 1993 in zwei Staaten geteilt wurde – in die Tschechische Republik und die Slowakische Republik – spaltete sich der CSKOS ebenfalls in eine Organisation für die Slowakische Republik, KOZ SR, und eine für die Tschechische Republik, ČMKOS.

 

Die einzigen weiteren Gewerkschaftsgruppen von Bedeutung sind der Christliche Gewerkschaftsbund NKOS, insbesondere dessen Gewerkschaft für Lehrer (ZPŠaV NKOS) Der NKOS hat vermutlich unter 10.000 Mitglieder.

 

Der KOZ SR umfasst 28 Einzelgewerkschaften, von denen die größten die Metallgewerkschaft OZ KOVO, die 2014/2015 rund  70.000 Mitglieder hatte, und die Bildungsgewerkschaft OZPŠAV mit 48.000 Mitgliedern. Die in der Größe nachfolgenden Gewerkschaften sind alle deutlich kleiner. Zu nennen sind hier die Gewerkschaft für öffentliche Verwaltung und öffentliche Dienste SLOVES mit 22.000 Mitgliedern sowie die SOZZaSS für Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialsektor und die Eisenbahnergewerkschaft OZZ, beide mit rund 20.000 Mitgliedern (alle Angaben von KOZ SR). Sinkende Mitgliederzahlen haben zu einer Reihe von Gewerkschaftszusammenschlüssen geführt. Die einzelnen Gewerkschaften verfügen über eine erhebliche Autonomie, während der Gewerkschaftsbund in erster Linie eine koordinierende Rolle übernimmt, insbesondere im Rahmen der Beratungen mit der Regierung.

 

Der KOZ SR ist offiziell politisch unabhängig, aber er beteiligte sich maßgeblich an der Opposition zu den Regierungen von Mikuláš Dzurinda (2002-2006) und Iveta Radičová (2010 bis März 2012). Unter der Regierung von Radičová organisierte der Gewerkschaftsbund eine Reihe von Protestaktionen gegen die Änderungen am Arbeitsgesetzbuch. Generell steht er der sozialdemokratischen Partei Smer-SD unter der Leitung von Robert Fico nahe, und im März 2010 haben KOZ und Smer-SD eine vierjährige Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. [4]

 

Seit der Gründung der Slowakischen Republik im Jahr 1993 geht die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder zurück. Zum damaligen Zeitpunkt zählte der KOZ SR noch 1.540.000 Mitglieder – gut eine Million mehr als zehn Jahre danach. Der KOZ SR und die einzelnen Gewerkschaften haben in den letzten Jahren Initiativen ergriffen, um diese Situation zu verbessern, es gibt jedoch bislang keine Anzeichen dafür, dass die Mitgliederzahl wieder zunimmt.  Aus dem statistischen Jahrbuch geht hervor, dass die Zahl der Mitglieder des KOZ SR zwischen 2007 und 2010 von 394.162 auf 310.649, also um 21 % gesunken ist. Die Gewerkschaften sind im öffentlichen Sektor und in großen Industrieunternehmen stärker vertreten, hingegen spielen sie in kleineren Unternehmen, sowohl in der verarbeitenden Industrie als auch im Dienstleistungssektor, kaum eine Rolle.

[1] Slovakia: Industrial relations profile, von  Ludovit Cziria, Eurofound October 2014 http://www.eurofound.europa.eu/observatories/eurwork/comparative-information/national-contributions/slovakia/slovakia-industrial-relations-profile  (Zugriff am 14.04.2015)

[2] The ICTWSS Database: Database on Institutional Characteristics of Trade Unions, Wage Setting, State Intervention and Social Pacts, in 34 countries between 1960 and 2012, compiled by Jelle Visser, at the Amsterdam Institute for Advanced Labour Studies AIAS, University of Amsterdam, Version 4, April 2013 ( see http://www.uva-aias.net/207 )

[3] Statistical Yearbook of the Slovak Republic: 2014, Table 9-17

[4] http://www.strana-smer.sk/1305/podpis-zmluvy-medzi-stranou-smer-sd-koz-sr (Zugriff am 14.04.2015)

L. Fulton (2015) Worker representation in Europe. Labour Research Department and ETUI. Produced with the assistance of the SEEurope Network, online publication available at http://www.worker-participation.eu/National-Industrial-Relations.