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Finanzielle Mitarbeiterbeteiligung

Im Gegensatz zu vielen anderen osteuropäischen Ländern wurde in der Tschechischen Republik die Kapitalbeteiligung als Form der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung bei Privatisierungen nicht besonders gefördert und spielt folglich keine Rolle für die Eigentumsverhältnisse in der tschechischen Wirtschaft. Systeme der Erfolgsbeteiligung werden dagegen etwas häufiger praktiziert.

 

 

Im Rahmen des Privatisierungsprozesses in der Tschechischen Republik wurden Unternehmensangehörigen äußerst wenige Vergünstigungen gewährt. Infolgedessen war der aus den „großen“ Privatisierungsprogrammen in den Jahren 1991 bis 1995 resultierende Anteil der Mitarbeiterkapitalbeteiligung im Gegensatz zu anderen osteuropäischen Ländern eher gering.

 

Der Privatisierungsprozess in der Tschechischen Republik wurde in den frühen 1990er Jahren eingeleitet und umfasste drei Hauptprogramme: Restitution, die Privatisierung kleiner Unternehmen („kleine“ Privatisierung) und die Privatisierung großer Unternehmen („große“ Privatisierung).1 Das Privatisierungsprogramm für große Unternehmen war das wichtigste dieser Programme und hatte den größten Einfluss auf die Struktur der Mitarbeiterbeteiligung. Die so genannte „große“ Privatisierung umfasste verschiedene Privatisierungsverfahren, wobei Gutscheinprivatisierungen die wichtigste Rolle spielten. Die meisten großen und einige mittlere Unternehmen wurden durch dieses Verfahren privatisiert. Dabei wurden die Unternehmen zunächst in Aktiengesellschaften umgewandelt, und ihre Aktien anschließend über Gutscheinprivatisierungen ausgegeben, an die Kommunen übertragen oder in öffentlichen Auktionen und an strategische Partner verkauft.2 Die Gutscheinprivatisierung erfolgte in zwei Wellen (1992-1993 und 1993-1994) und betraf fast die Hälfte aller Aktien sämtlicher Aktiengesellschaften.

 

Bei allen zu privatisierenden Unternehmen wurden die Unternehmensleitung und/oder andere interessierte Parteien aufgefordert, einen Privatisierungsplan zu unterbreiten, der eine oder eine Kombination der angebotenen Privatisierungsmethoden vorsah. Für die Privatisierung durch Mitarbeiterkapitalbeteiligung wurden keine besonderen Anreize oder Vergünstigungen angeboten, und nur circa 28% aller privatisierten Unternehmen gaben Mitarbeiteraktien aus. In diesen Unternehmen lag der Kapitalanteil der Mitarbeiter im Schnitt bei 4,4%. Nur in drei Unternehmen hielten die Beschäftigten mehr als 50% der Aktien.3

In Unternehmen, die im Rahmen ihrer Privatisierungspläne auch eine Kapitalbeteiligung der Arbeitnehmer vorsahen, war die Umsetzung der genehmigten Pläne jedoch mit Schwierigkeiten verbunden.4 Dies lag hauptsächlich daran, dass die Beschäftigten die Aktien zu einem garantierten Nominalpreis kaufen mussten, der in vielen Fällen aufgrund einer fehlerhaften Bewertung des Gesellschaftsvermögens zu hoch angesetzt war. Angesichts der erheblichen Differenz zwischen Real- und Nominalwert des Firmenkapitals waren die Unternehmen wenig motiviert, ihre überbewerteten Mitarbeiteraktien vom Nationalen Eigentumsfonds zu erwerben. Die Vorschriften für die Gutscheinprivatisierung sahen keine Anreize für Arbeitnehmer vor, um Anteile ihres eigenen Unternehmens zu erwerben Aufgrund der Überbewertung des Gesellschaftsvermögens gingen jedoch fast keine Aktien in Mitarbeiterbesitz über.

 

Wilke, Maack und Partner (2014) Länderberichte über finanzielle Mitarbeiterbeteiligung in Europa. Erstellt für www.worker-participation.eu. Die Berichte wurden erstmals 2007 veröffentlicht und 2014 vollständig aktualisiert.